Zum Hauptinhalt springen

Hickhack um Verantwortung

Entflohener MörderEr war in Neuenburg verwahrt, doch verantwortlich für den flüchtigen Straftäter ist der Kanton Bern. Dieser will indes nichts falsch gemacht haben.

Bereits zum vierten Mal bewegte sich der verwahrte Häftling seit Dezember 2010 in einem begleiteten Freigang, als er am Montag aus der Strafanstalt Bellevue in Gorgier NE entfloh. Die Strafanstalt habe die Berner Behörden am letzten Freitag über den Freigang des Mannes am darauffolgenden Montag informiert, sagte der Neuenburger Justizdirektor Jean Studer gestern vor den Medien. Die Information sei erfolgt, weil der Straftäter der Verantwortlichkeit des Kantons Bern unterstehe. Grund: Der 64-jährige Jurassier hat eine seiner Straftaten in Biel begangen und war zuletzt im Kanton Bern verurteilt worden. Aus verschiedenen Gründen wie etwa Platzmangel kommt es immer wieder vor, dass Straftäter in anderen Kantonen verwahrt werden. Bern trifft keine Schuld Für den bernischen Polizeidirektor Hans-Jürg Käser trifft die Berner Behörden keine Schuld. Die Berner Polizei- und Militärdirektion hatte für diesen Straftäter keine Vollzugslockerung bewilligt. Für solche Fälle gebe es nämlich klare Grundsätze mit geregelten Verantwortlichkeiten gemäss dem Konkordat, welchem der Kanton Bern angehöre, sagte Käser gestern der Nachrichtenagentur sda. Ein Gesuch auf Vollzugslockerung stelle die Anstalt, in welcher der Täter verwahrt sei. Im vorliegenden Fall war das die Strafanstalt Bellevue in Gorgier NE. Das Gesuch auf Vollzugslockerung richtet sich an die Einweisungsbehörde – in diesem Fall an die bernische – und wird zunächst von einer konkordatlichen Fachkommission beurteilt. In diesem Gremium sitzen Fachleute, die eine Empfehlung zur Vollzugslockerung abgeben. Bevor diese Empfehlung an die Anstalt zurückgeht, muss im Kanton Bern aber der Polizeidirektor informiert werden. Dieses Vetorecht behalte er sich vor, weil er die politische Verantwortung trage, erklärte Käser. Er habe in seiner fünfjährigen Amtszeit aber keine Gesuche zum konkreten Fall aus der Neuenburger Anstalt erhalten. Insofern stelle sich die Frage, ob der verhängnisvolle Ausgang vom Montag in der Region Provence VD überhaupt als Vollzugslockerung interpretiert worden sei, fügte der bernische Polizeidirektor an. Wenn der Häftling überdies keine Handschellen getragen und sogar einen gefährlichen Gegenstand mitgenommen habe, könne es sein, dass jemand seine Aufsichtspflichten verletzt habe, erklärte Käser. In diesem Fall trage aber die Behörde jenes Kantons die Verantwortung, die den Ausgang durchgeführt habe. Über 30 Hinweise Derweil wurde gestern die Suche nach dem Flüchtigen abgebrochen. Die Neuenburger und Waadtländer Polizei ist aber weiterhin in der Gegend stark präsent und geht sämtlichen Hinweisen nach. Es gebe keinen Grund mehr, dass die Polizei weiterhin das Gelände durchkämme, sagte David Maccabez von der Neuenburger Kantonspolizei. Hinweisen werde die Polizei jedoch nachgehen. Bei den Waadtländer Behörden sind gestern laut Jean-Christophe Sauterel, Mediensprecher der Waadtländer Kantonspolizei, über 30 Hinweise zum flüchtigen Mann eingegangen. Man sei daran, jedem einzelnen nachzugehen, sagte Sauterel zur Nachrichtenagentur sda. Die Polizei habe nunmehr sämtliche Orte abgesucht, an denen sich der Flüchtige aufhalten könnte. Damit rechtfertigte Sauterel den Abbruch der Suche. Aufseherin am Hals gepackt Mittlerweile konnten zudem die Umstände, die zur Flucht des Mannes führten, weitgehend geklärt werden. Die beiden Bewacher – ein Mann und eine Frau – sowie der in Gorgier NE einsitzende Straftäter hatten sich laut Sauterel auf dem Nachhauseweg von einem Spaziergang befunden. Die beiden Aufseher seien vorne im Auto gesessen, der Straftäter hinten. Während der Rückfahrt packte der Mann die Aufseherin am Hals und bedrohte sie mit einem noch unbekannten spitzen Gegenstand. Als sich die Frau wehren wollte, verletzte sie sich an der Hand. Der Häftling habe gesagt, er werde nicht ins Gefängnis zurückgehen. Laut Sauterel ergriff der Mann darauf die Flucht, während die beiden Aufseher versucht hätten, ihn zurückzuhalten. Der Fall hat laut dem Justizdirektor eine Untersuchung in Neuenburg zur Folge. sda>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch