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Hier ein Ausbauprojekt, dort eine Schliessung

dürrenrothDie Käsereigenossenschaft möchte in die Produktion investieren – den rekordverdächtig tiefen Preisen im Käsemarkt zum Trotz.

Publiziert hat die Käsereigenossenschaft Dürrenroth ihr Bauvorhaben bereits im letzten Jahr. Und ebenfalls bereits im letzten Jahr haben die Kollegen im Huebbergschachen beschlossen, in diesem Fall den Grossteil ihrer Milch künftig nach Dürrenroth zu liefern und den eigenen Betrieb an der Strasse von Häusern-moos in den Mühleweg stillzulegen – aber eben. Bis heute ist vom Projekt «Erweiterung und Anbau Fabrikationsraum sowie Anbau Garage und Käsekeller», so stand es damals im Anzeiger, nichts zu sehen. Die Käsereiliegenschaft an der Dorfstrasse 6 in Dürrenroth präsentiert sich so, wie sie es in den letzten Jahren auch tat. Turbulenzen in Affoltern Warum es zu dieser Verzögerung gekommen ist – immerhin hat die Käsereigenossenschaft das Baugesuch vorläufig sistiert –, will Genossenschaftspräsident Paul Hofer zurzeit nicht weiter erläutern. Unbestritten ist allerdings, dass die Situation in der Käsebranche in den letzten Monaten noch schwieriger geworden ist, als sie es zuvor ohnehin schon war. Die Turbulenzen rund um die Emmentaler Schaukäserei in Affoltern haben das in den letzten Wochen einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt: Weil der Schaubetrieb angesichts von rekordverdächtig tiefen Erlösen beim Emmentaler das Milchgeld gesenkt hatte, stiegen die betroffenen Bauern auf die Barrikaden. Vorsorglich kündigten sie auf Ende Jahr ihre Lieferverträge und machten klar, dass sie nun nach einem Abnehmer Ausschau hielten, der mehr zahle. Unter anderem verwiesen sie dabei auf die Industrie. Sie bietet für die Milch, die in ihren Kanal fliesst, im Moment einen markant höheren Preis. Dass in dieser Situation das wirtschaftliche Risiko einer Investition in die Käseproduktion eher höher geworden ist, versteht sich von selber, ebenso, dass der Kanton bei der Bewilligung von sogenannten BAK-Förderkrediten nun umso genauer hinschaut. Immerhin müssen diese – zwar zinslos – vom Bund zur Verfügung gestellten Gelder in Tranchen zurückgezahlt werden. Dazu kommen die Amortisationen und Zinskosten für die Hypotheken der Bank, die das Vorhaben ebenfalls mitfinanziert. Grösseren Aufwendungen für die Liegenschaft stehen also in der Tendenz sinkende Einnahmen aus dem Käseverkauf gegenüber – wenn am Ende der Bauer nicht noch mehr unter Druck kommen soll, muss im umgebauten Betrieb eine entsprechend höhere Milchmenge rationeller verarbeitet werden können. Die Produktion von Spezialitäten, die mehr abwerfen, kann die Situation zusätzlich entschärfen. Der nächste Freitag Wie Dürrenroth mit diesen Gegebenheiten umgeht? Auch dazu mag Präsident Hofer nichts sagen. Der Vorstand habe zweimal beraten und zweimal beschlossen, zum Bauvorhaben vorderhand nichts zu sagen. Deshalb bleibt im Moment unklar, wie genau die Produktion künftig laufen soll. Und wie teuer das Ganze wird – wenn die Sache beschlossen sei, so viel stellt Hofer immerhin auch noch in Aussicht, werde man sich melden. Die Entscheidung bringt offenbar schon der nächste Freitag, wenn die Genossenschaft zusammentreten und über ihre Pläne beschliessen wird. Damit das Ja zustande kommt, ist eine Dreiviertelmehrheit nötig. Ende im Huebbergschachen Klar ist derweil die Zukunft der Käserei Huebbergschachen. Sie wird ihren Betrieb so oder so stilllegen, also auch dann, wenn das Projekt in Dürrenroth Schiffbruch erleiden sollte. Präsident Jakob Ryser verweist auf die über 30 Jahre alten Produktionsanlagen, erwähnt weiter die immer strengeren Vorschriften – daher, sagt er, wäre über kurz oder lang auch im Huebbergschachen eine Investition nötig geworden. Seine Genossenschaft hat deshalb für die Liegenschaft bereits einen Käufer gesucht und auch gefunden. Dieser muss für den Fall, dass es in Dürrenroth trotz allem zu einem Nein kommt, auf seinem Grundstück eine Milchsammelstelle dulden. Ryser ist allerdings guten Mutes und glaubt an die Zukunft der Käseproduktion in der Region: «Nur so bleibt uns die Wertschöpfung aus der Milch erhalten.»Stephan Künzi>

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