Hilfe für kurdische Flüchtlinge

Interlaken

Medizinische Hilfe, Anteilnahme und Wertschätzung: Pflegefachfrau Annerös Eggen kümmerte sich zwei Monate lang um kurdische Flüchtlinge in einem Camp im Irak.

Pflegefachfrau Annerös Eggen (sitzend) besucht eine Klinik in den Bergen im Irak.

Pflegefachfrau Annerös Eggen (sitzend) besucht eine Klinik in den Bergen im Irak.

(Bild: zvg)

Neue Hoffnung für verfolgte, entwurzelte und nahezu vergessene Kurden: Von 4. April bis 31. Mai leistete die pensionierte Pflegefachfrau Annerös Eggen (64) aus Interlaken medizinische Hilfe und nahm teil an den Schicksalen der Menschen im Irak. Dies im Rahmen eines Projekts von AVC-Action für verfolgte Christen und Notleidende, die in vielen Ländern humanitäre Hilfe leistet und die christliche Botschaft weitergibt. Gemeinsam mit drei weiteren Volontären half Eggen in einem Camp in der autonomen Region Kurdistan nahe Erbil den 3000 Bewohnern. Eggen: «Diese Menschen flüchteten, weil Kurden im Iran verfolgt werden.»

Erschwerte Bedingungen

Die Volontäre gaben Englisch-Sprachunterricht, einer legte einen Garten an. Annerös Eggen arbeitete im Ambulatorium und in der Klinik des bewachten Camps. Das Freiwilligenteam wohnte in Containern. Annerös Eggen: «In der Klinik gab es weder Röntgen noch Ultraschall; für die meisten Laboruntersuchungen musste man in die Stadt.» Auf der Tagesordnung standen etwa Typhus, Rheuma, Grippe, Angina oder Gelenkprobleme. Manche Patienten hätten eine Operation gebraucht, doch das Geld dafür fehlte. «Einem Mann, der einen Töffunfall gehabt hatte, trat das Eisen aus dem schlecht operierten Unterschenkel. Wir konnten ihm nur Schmerzmittel geben, mehr nicht.» Mitunter seien auch die Schmerzmittel knapp.

Eggen hatte vor der Reise von Freunden Geld bekommen, um für Patienten Medizin wie etwa Salben oder anderes in der Apotheke kaufen zu können. Und: «Der Staat Irak vermag es nicht mehr, die Kühe impfen zu lassen. So erkranken viele an Infektionskrankheiten wie etwa Brucellose.» In die Klinik kamen auch Menschen mit Folterspuren wie etwa Verbrennungen oder mit Narben von Gefängnisaufenthalten. Eggen hörte ihnen zu: «All die schlimmen Geschichten, die jeweils Dolmetscher übersetzten, brachten mich manchmal schon an meine Grenzen.» Ex­trem sei ausserdem auch das Klima in der Region.

Freundschaften geschlossen

Doch der Umgang miteinander wog vieles auf. «Ich war überrascht, wie freundlich und warmherzig wir Europäer aufgenommen wurden», berichtet Annerös Eggen. Die Kurden seien sehr gastfreundlich, das Team wurde oft eingeladen. Zu der einheimischen Bevölkerung haben die Campbewohner kaum Kontakt, viele sind resigniert; nur wenige haben Jobs ausserhalb. Die AVC hat einen Kinderspielplatz finanziert, welchen die Bewohner bauen. Zudem soll eine Handarbeitskooperative eingerichtet werden.

Die pensionierte Oberländer Pflegefachfrau schloss neue Freundschaften, die sie nun über den Kurznachrichtendienst Whatsapp pflegt. «Die Campbewohner sind arm, aber gebildet», fiel der weit gereisten Frau auf. Ein junger Student habe den Einsatz der Volontäre gelobt: «Ihr habt unseren Alltag durchbrochen, uns Wertschätzung und neue Hoffnung gegeben.»

Bereits im Oktober will Annerös Eggen wieder in den Irak fliegen, um noch mehr für die Campbewohner zu tun. «Diese Menschen sollen merken, dass sie nicht vergessen sind.»

Berner Oberländer

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