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Hilfe in den schwierigsten Stunden

Elisabeth Gugger ist täglich mit dem Tod konfrontiert. Sie arbeitet als Pflegefachfrau in der Onkologie- und Palliativpflege in Bern. Die 61-Jährige hilft Patienten, für die es medizinisch kaum noch Hoffnung gibt.

Mit dem Herzen zuhören. Es klingt so einfach. Und doch ist es eine Gabe, die man nur bei wenigen Menschen spürt. Elisabeth Gugger ist einer dieser Menschen. Es ist ihre Herzlichkeit, welche die 61-Jährige, die seit sieben Jahren bei der Seop in Bern arbeitet, von anderen Menschen unterscheidet. Die Pflegefachfrau gibt einem das Gefühl, sich ihr auch in schwierigen Situationen anvertrauen zu können. Elisabeth Gugger ist gelernte Pflegefachfrau. Zuerst arbeitete sie in den Spitälern Lindenhof und Insel in Bern, später 16 Jahre lang in der ambulanten Onkologie in Thun. Dort hat sie erlebt, wie man Patienten eines Tages damit konfrontieren muss, dass die Medizin ihnen nicht mehr weiterhelfen kann. «Ich habe mich oft gefragt, was passiert nun?» Jetzt hilft Elisabeth Gugger dann, wenn es medizinisch keine Hilfe mehr gibt. Sie begleitet, behandelt und betreut Menschen mit einer schweren, unheilbaren Krankheit zu Hause. Sie kümmert sich um die Koordination der Behandlung, berät und behandelt bei belastenden Symptomen wie Schmerzen oder Übelkeit und unterstützt die Angehörigen mit Rat und Tat. «Wir sorgen für eine möglichst hohe Lebensqualität unserer Patienten.» Dies gilt sowohl für den medizinischen wie auch den sozialen Bereich. Manchmal dauert diese Hilfe ein halbes Jahr. Manchmal auch nur einen Tag. Hoffnung gegeben Auch wenn eine Heilung ausgeschlossen ist, gibt es dennoch Hoffnung. In den schwierigsten Stunden ist Elisabeth Gugger für die Patienten und ihre Angehörigen da. «Ich kann mit ihnen mitfühlen, hinsehen, wahrnehmen, mich mit ihnen freuen und mitleiden.» Tag für Tag ist die fünffache Grossmutter aus Kirchberg mit grossem Leid konfrontiert. «Wenn ich frei habe, kann ich nie ganz abschalten. Ich nehme die Menschen in meinem Herzen mit. Erst wenn sie gestorben sind, kann ich loslassen.» Anerkennung erhalten Eigentlich scheint es naheliegend, dass man durch diese Arbeit abstumpft. Wer Elisabeth Gugger kennenlernt, spürt aber, dass bei ihr das Gegenteil der Fall ist. «Man wird in diesem Beruf nicht härter, sondern weicher», erklärt sie. «Die Menschen, die ich bei meiner Arbeit kennengelernt habe, haben mich geprägt. Ich empfinde das nicht als Last.» Sie gibt ihren Patienten und deren Angehörige sehr viel, «aber ich bekomme auch sehr viel Anerkennung und Dankbarkeit zurück.» Seit Jahren ist der Tod Elisabeth Guggers ständiger Begleiter. Für sie ist das nichts Aussergewöhnliches. «So ist es doch bei allen Menschen. Leben und Tod gehören zusammen. Der Tod ist nichts, wovor man Angst haben muss. Der Tod ist Realität.» Bewusstsein geschärft Die Konfrontation mit Krankheit und Tod erleben viele Angehörige trotz des Schmerzes als wichtige Erfahrung. «Oft sagen sie mir, dass sie durch den Tod eines geliebten Menschen sehr viel über das Leben gelernt haben.» Sei es, wie hilfsbereit Menschen sein können. Sei es, wie wichtig die Beziehungen zu anderen Menschen für ein Leben sind. «Erst durch die Konfrontation mit dem Tod wird vielen Menschen bewusst, dass man jeden Tag nur einmal erlebt», so Elisabeth Gugger. «Es geht darum, dankbar, bewusst und achtsam zu leben.» Ralph Heiniger Seop steht für spitalexterne Onkologie- und Palliativpflege. Seop ist in die Spitex Bern integriert und betreut in der Stadt und in der Agglomeration Bern etwa 150 Patienten im Jahr. Die Organisation existiert in dieser Form seit 2003 und beschäftigt sechs Mitarbeitende. >

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