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Hintergründiges Heimat-Theater

Mit «Schiffbruch» zeigt das Theater überLand eine witzige Produktion, die vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurde.

Das im Stadttheater Langenthal uraufgeführte Stück «Schiffbruch» beginnt als Drama: Der Brunnen des Scherler-Hofes ist verstopft, die Türe hängt schief in den Angeln, draussen Dreck und Schwemmholz, Folgen einer verheerenden Überschwemmung. Drei skurrile Engländer Wären da nicht die drei skurrilen Engländer in Zylinder und Cutaway, die das Ganze kommentieren. Einer von ihnen erinnert sich an das Unwetter im Emmental. Dort war er, auf der Suche nach «Jeremy Gotthelf», in eine geschlossene Welt eingedrungen, hatte Kontakt zu den «Eingeborenen» gesucht und damit das Drama in eine andere, absurde Bahn gelenkt: Louise, die Frau des korrupten Holzhändlers, spricht plötzlich Englisch, und die Bäuerin Anna kennt die Königsdramen Shakespeares. Und beide brechen, angespornt durch den Kontakt mit dem indienerfahrenen Engländer, auf einem selbst gebastelten Elefanten sprich Leiterwagen nach Osten auf. Heinz Stalder spielt mit der Sprache: Es beginnt mit der Engländerszene in schönstem Oxford-Englisch. Dann wird in die «Schriftsprache» gewechselt, die beim Knecht Krummen holprig daherkommt. Darunter mischt der Autor Idiome aus dem Emmental wie das «Mischtbücki», auf dem sich der verirrte Engländer über den Schlamm zu Jeremy Gotthelf tragen lässt. Hochkarätiges Ensemble Das Ensemble spielt auf hohem Niveau. Marlise Fischer als Anna ist ein prachtvolles Weib, grob und warmherzig zugleich. Ihr Gegenstück bildet die zerbrechliche, verwirrte Louise, die Charlotte Heinimann hypersensibel spielt. Daniel Ludwig als Bauer Scherler gibt den ungelenken Bauern und den noblen Engländer Baxter in einem. Alexander Muheim als Holzhändler Herren, Frank Demenga als verirrten Engländer Sir Charles und Kaspar Weiss als Knecht und Annas Liebhaber runden die Leistung ebenso überzeugend ab. An der Langenthaler «Schiffbruch»-Premiere konnte auch hochkarätige Kulturprominenz ausgemacht werden; so wurden etwa Kabarettist Franz Hohler und Schriftsteller Peter Bichsel im Publikum gesichtet. Das Theater überLand war vor zwei Jahren in Langenthal gegründet worden – unter anderen vom hiesigen Theaterleiter Reto Lang. Es versteht sich als Tourneetheater, das Geschichten von Schweizer Autoren auf die Bühne bringt – und sie im ganzen Land zeigt. Prisca Rotzler KöhliNächste Vorstellung im Stadttheater Langenthal: 3.Dezember, 20 Uhr. – Weitere Vorstellungen siehe im Internet unter: www.theater-ueberland.ch>

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