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hip & hiesig

Rot, die Farbe der Liebe: Wer bei diesem Titel an einen Schmachtfetzen eines schnusigen Schlagersternchens denkt, bei dem jeder gestandene Stromgitarrenfetischist vor Scham sanft errötet, hat die Rechnung ohne die Thuner Rockband Pleroma gemacht. Die nennt zwar ihr zweites Album «Rosso Colore d’Amore». Doch der gleichnamige Song ist für Frontmann Luca Colomba höchstens «ein halbes Liebeslied». «Taglio e lascio scorrere» («Ich schneide und lasse es fliessen»), singt er. Mit jeder Menge Herzblut. Rot, die Farbe der Leidenschaft: Das Thuner Quintett hat schon auf dem 2006 veröffentlichten Debüt «Para:noia King» mit kraftstrotzenden Songs und düster-eindringlichen Texten für Furore gesorgt. Danach blieb es lange ruhig um die Newcomer, deren Bandname aus einem Buch des norwegischen Schriftstellers Jostein Gaarder stammt. Jetzt kehren Pleroma mit drei neuen Bandmitgliedern zurück. Spaghetti-Rock nennen sie nicht ohne Selbstironie ihren Sound, seit Colomba praktisch ausschliesslich in seiner Muttersprache Italienisch textet. Und der Spaghetti-Rock hat es in sich: «Solo tu» kommt treibend und mit schweren Gitarrenriffs daher, «Feel My Anger» wütend und heftig, «Una Questione di Dignità» tiefgründig und sanft, «Vaffanculo» beinahe unverschämt radiotauglich. Dafür aber bitterböse. Die erste Songzeile «Du denkst wenig, sprichst aber zu viel» ist da noch vergleichsweise charmant formuliert. Der Thuner Produzent T.J. Gyger (Gölä, DJ Bobo) hat dem Sound zwar stellenweise ein bombastisches Kleid verpasst, dem Rohen, Kraftvollen der Musik und der Passion in Luca Colombas Stimme aber genügend Raum gelassen. Und so ist diese Band echt – bis hin zur Artwork der CD mit den auf Köpfe und Oberkörper der Bandmitglieder gemalten Songtexten: Keine Fotoshop-Bastelei, sondern das Resultat einer stundenlangen Make-up-Session. Kein Wunder, sagt Luca Colomba: «Wir sind sehr stolz auf unser Werk. Wir haben wirklich hart gearbeitet.» Rot, die Farbe der Salsa di pomodoro: Dieser Spaghetti-Rock ist genau wie so, er sein muss. Al dente, mit Pfiff zubereitet – und ganz schön kräftig gewürzt. Buon appetito! Michael Gurtner>

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