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Hirsch Ardy narrt die Tierschützer

OberaargauRothirsch

Rothirsch Ardy ist ein furchtloser Bursche. Der Lärm der Autobahn, die mächtigen Industriebauten und die Wohnquartiere im Bipperamt – all das scheint ihm keine Angst zu machen. Eineinhalb Monate, nachdem Ardy im Solothurner Jura ausgesetzt worden war, hat er sich von dort schon wieder verabschiedet. In der Nacht vom letzten Freitag auf Samstag spazierte das besenderte Tier bei LuterbachSO über die Autobahn A5, über die A1 – und kehrte unversehrt in den Längwald bei Niederbipp zurück. In seine alte Heimat. Da staunen selbst die Experten. Von einer «Überraschung» ist in der gestrigen Medienmitteilung des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) die Rede. Es sei bekannt, dass Hirsche weite Wanderungen unternehmen und dabei auch Wildschutzzäune überspringen könnten. «Dass sich ein Tier so nahe an besiedeltes Gebiete wagt und mehrmals Autobahnen überquert, ist aber schon erstaunlich», sagt Nicole Imesch, Mitarbeiterin der Sektion Jagd, Fischerei und Waldbiodiversität beim Bafu. Zwölf Hirsche in zwei Jahren Ardy ist Teil eines Umsiedlungsprojekts des Bafu und der Kantone Bern und Solothurn. Innerhalb von zwei Jahren wollen sie ein Dutzend Hirsche aus dem Längwald in den Solothurner Jura übersiedeln. Selber können die Tiere diesen Weg nicht überwinden, weil die A1 ihren Lebensraum zerschneidet und eine Wildbrücke fehlt – so dachten die Experten bisher. Gestartet wurde die Umsiedlung Mitte Januar. Hirsch Ardy war das erste und bisher einzige Tier, das in die Falle tappte. Mit einem ferngesteuerten Narkosegewehr wurde er betäubt und per Kleinbus in den Jura gekarrt. Bevor er wieder zur Besinnung kam, dekorierten ihn die Wildschützer mit einem gelben Sendehalsband mit integrierter SIM-Karte. Kommt Ardy in die Nähe einer Handy-Antenne, verschickt er seither automatisch ein SMS mit seinen Positionsdaten. Daher wissen die Wildschützer genau, wo sich das Männchen mit einer Körperlänge von fast zwei Metern herumtreibt. Erkundungstouren durch den Jura gehörten bis letzten Samstag zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Zweimal unternahm er auch Ausflüge an die Autobahn, beim dritten Mal hat er den Sprung über einen gut 1,5 Meter hohen Schutzzaun gewagt. Für das Bafu Grund genug, die Übersiedlungsaktion zu stoppen. Aus Sicherheitsgründen. «Das Verhalten der Hirsche könnte für Autofahrer gefährlich werden. Ein Zusammenstoss auf der Autobahn würde zu einem schweren Unfall führen», sagt Imesch. Kritik von der SVP Möglichst bald will das Bafu mit den Kantonen Bern und Solothurn über die Zukunft des Umsiedlungsprojekts diskutieren. Die Zukunft scheint mehr als ungewiss. Gestern hat sich SVP-Grossrat Thomas Fuchs gemeldet. In der nächsten Fragestunde des Grossen Rates will er vom Regierungsrat wissen, ob das Umsiedlungsprojekt «angesichts des regierungsrätlichen Gejammers über die Kantonsfinanzen» vertretbar sei. Stefan Schneider>

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