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Hoffen auf Zehnders «Wunderwasser»

Der 48-jährige Berner Oberländer Harry Zehnder lebt seit 1995 in Port-au-Prince. Er hat das verheerende Erdbeben überlebt.

Am Mittwoch um 2 Uhr in der Früh riss das Schrillen des Telefons Silvia Zehnder aus den Federn. Am anderen Ende der Leitung meldete sich ihre Schwiegertochter aus Santo Domingo (Dominikanische Republik) und setzte sie über das verheerende Erdbeben im Nachbarland Haiti ins Bild. «Mir wurde es heiss und kalt», sagt die 71-Jährige aus Merligen. Ihr Sohn Harry lebt und arbeitet seit 1995 in Port-au-Prince, der Hauptstadt von Haiti und der Stadt, welche besonders hart vom Erdbeben betroffen ist. «Zum Glück konnte mich meine Schwiegertochter rasch beruhigen. Sie hatte kurz vorher mit ihrem Ehemann telefoniert», erinnert sich Zehnder. Er sei daheim von den Erdstössen überrascht worden. Glücklicherweise habe sein Haus den Erschütterungen standgehalten. Das Telefonat zwischen ihrem Sohn und seiner Frau habe nur kurz gedauert. Die Verbindung sei sehr schlecht gewesen. «Wir waren aber erst einmal sehr froh, zu wissen, dass es ihm gut geht», sagt Silvia Zehnder. Ein Bild der Verwüstung Die Rentnerin versuchte den ganzen Mittwoch hindurch, ihren Sohn an sein Mobiltelefon zu bekommen. Ohne Erfolg. In der Nacht erhielt sie das sehnlichst erwartete zweite Lebenszeichen ihres Sohnes. «Er rief mich an und erzählte von den grossen Verwüstungen in der Hauptstadt», so Silvia Zehnder. Massenweise Häuser seien eingestürzt, Strassen unpassierbar. Überall würden Leichen und Verletzte den Weg säumen. «Harry ist jemand, der immer und überall hilft», sagt Silvia Zehnder. Die lobenswerte Eigenschaft ihres Sohnes macht ihr jetzt aber auch Angst. «Als Weisser in Haiti ist es selbst in ruhigen Zeiten nicht ungefährlich. Wenn es den Menschen noch schlechter geht, könnte es gut sein, dass ihn seine Hilfsbereitschaft in Gefahr bringt.» Trinkwasser aufbereiten Harry Zehnders Fähigkeiten könnten in den nächsten Tagen vielen Menschen in Haiti das Leben retten. Der gelernte Maschinenmechaniker hat sich mit seiner Firma auf Trinkwasserherstellung spezialisiert. An Zapfstellen, die er in der ganzen Region einrichten liess, sammelt er Wasser, das er dann zu Trinkwasser aufbereitet und unter dem Namen «Eau Miracle» – Wunderwasser – verkauft. «In Haiti ist sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit», sagt Silvia Zehnder, die einst selber in Haiti lebte und ihren Sohn regelmässig besucht. «In Krisenzeiten wie jetzt ist das Trinkwasser meines Sohnes von unschätzbarem Wert für die Menschen dort.» 35 Angestellte Harry Zehnder konnte seiner Mutter während des kurzen Telefongesprächs, das er von der Grenze zur Dominikanischen Republik aus führen musste, weil im Landesinnern von Haiti nichts mehr funktioniert, sagen, dass seine Einrichtungen noch intakt sind. Auch seinen rund 35 Angestellten gehe es gut. Er werde sich deshalb sofort daranmachen, Trinkwasser zu produzieren. Erste Kontakte zur Schweizer Botschaft und damit den Schweizer Hilfswerken würden bestehen. «Harry wird jede Hilfe brauchen, die er kriegen kann», sagt Silvia Zehnder. Roger Probst>

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