Horizonterweiterung an der Landwirtschaftsmesse

Thun

Die junge Landwirtin Christa Siegenthaler will dereinst den Hof ihrer Eltern übernehmen. Diese Zeitung hat die 21-Jährige durch die Agrimesse begleitet.

Christa Siegenthaler lässt sich eine Maschine zeigen. Foto: sku

Christa Siegenthaler lässt sich eine Maschine zeigen. Foto: sku

«Ja klar, da mache ich mit», sagt Christa Siegenthaler. Gemeint ist ein Besuch der Agrimesse für Landwirtschaft, Wald und Forst, die derzeit in Thun auf dem Expogelände über die Bühne geht – mit einem Schreibenden im Schlepptau.

«Die Messe ist eine wichtige Informationsplattform», sagt die 21-Jährige. Im vergangenen Sommer hat sie die dreijährige Lehre als Landwirtin mit dem eidgenössischen Fachzeugnis (EFZ) erfolgreich abgeschlossen, mit dem Ziel, dereinst den elterlichen Betrieb in Süderen in der Gemeinde Oberlangenegg weiterzuführen.

Für insgesamt 30 Milchkühe sorgt die Familie Siegenthaler. Einerseits auf dem Hof in Süderen und andererseits mit einem Zweitbetrieb in Uebeschi, insgesamt mit rund 30 Hektaren Land. «Das Ziel, Landwirtin zu werden, hatte ich schon immer vor Augen», betont Christa Siegenthaler.

Horizonterweiterung

Nach Abschluss der Lehre wirkt die junge Bäuerin als Mitarbeiterin auf dem elterlichen Hof. Ein Besuch an der Fachmesse für Landwirtschaft ist also fast Pflicht. «Es geht nicht zuletzt um Horizonterweiterung», meint die zierliche Frau.

Denn Geräte, Maschinen und Hilfsmittel würden sich laufend weiterentwickeln. «Es gibt immer etwas Neues zu entdecken», betont sie und kommt sofort in Fachgespräche mit Anbietern. Christa will wissen, was der nagelneu polierte Traktor Neues kann.

«Steuerrad, Fahrersitz und die ganze Bedienung lassen sich um 180 Grad drehen», umschriebt Händler Franz Held seine PS-starke Maschine. Bald kommt das Gefühl auf, man sei unter sich. Besuchende und Anbieter sprechen sich per Du an.

Allerdings: Ein 113-PS-Ungetüm sei nichts für Siegenthalers Hof. «75 PS reichen», meint die Jung-Landwirtin, und ergänzt: «Ein Maschinenkauf ist Sache des Vertrauens.» Und aus praktischen Gründen müsse der Händler in der Nähe sein. «Es macht keinen Sinn, für eine Reparatur oder ein Ersatzteil eine Stunde Fahrzeit oder mehr auf sich zu nehmen.»

Verantwortung übernehmen

«Es ist wichtig, dass ich mich hier informieren kann», betont sie weiter. Zumal angedacht ist, auf dem elterlichen Betrieb Mitverantwortung zu übernehmen. «Wir können uns vorstellen, den Hof bald als Generationengemeinschaft zu führen», erklärt Christa Siegenthaler.

Die 21-Jährige jedenfalls ist überzeugt, ihre Zukunft in der Landwirtschaft zu finden, auch angesichts der Tatsache, dass zahlreiche Bauernbetriebe aufgeben. «Ich glaube an die Zukunft des Bauernstandes», betont sie. Und sie hat auch gleich ein Konzept: «Landwirte müssen zunehmend mit den Konsumenten zusammenarbeiten», ist sie überzeugt.

Sie meint damit, als Bäuerin ein offenes Ohr für die Anliegen der nicht landwirtschaftlichen Bevölkerung zu haben und diese zum Beispiel auch mal zu einem Besuch im Stall einzuladen. «Es bringt uns nicht weiter, immer über die tiefen Preise zu jammern, vielmehr müssen wir aufzeigen, weshalb die Milch auch etwas kostet.»

Fast 200 Anbieter stellen sich an der Agrimesse ins bestmögliche Licht. Genauer unter die Lupe will Christa einen Transporter nehmen mit Ladevorrichtung für Heu und Gras. Mit bis zu 170000 Franken würde das Gerät zu Buche schlagen. «Die Maschinen werden immer luxuriöser», zieht sie Bilanz.

Und wird auch kritisch: «Ich glaube nicht, dass es diesen Luxus wirklich braucht.» Für die junge Bäuerin ist es jedenfalls kein Thema, einen solchen Transporter anzuschaffen. «Es wäre ein Traum, da müsste ich aber lange sparen.» Für sie tut es ein ähnliches Occasionsfahrzeug auch.

Die Agrimesse auf dem Expogelände in Thun ist bis Sonntag geöffnet. www.agrimesse.ch

Thuner Tagblatt

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