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«Hüeterbueb und Heitisträhl» feiert Premiere im Freilichtmuseum

BallenbergIm UNO-Jahr des Waldes erweitert das Freilichtmuseum Ballenberg sein Forstmuseum mit Filmen über traditionelle Waldnutzung. Am Wochenende wurden

«Arvennüssli … Brombeeren … Gerberlohe … Heilkräuter … Laubstreu … Rebstickel … Waldweide … Zaunlatten.» Die Liste, mit der Martin Stuber am Freitag das Publikum im Tenn des Hauses von Ostermundigen begrüsste, reichte von A bis Z. Dennoch zählte der Berner Historiker nur einen Bruchteil der traditionellen Waldnutzungen auf, die im Buch «Hüeterbueb und Heitisträhl» und im gleichnamigen Film dokumentiert werden. Was die moderne Forstwirtschaft seit dem 19. Jahrhundert als «Nebennuzungen» bezeichnet und bestenfalls noch dultet, war für die Bevölkerung vorher – und an manchen Orten bis weit ins 20. Jahrhundert – ein wesentlicher Bestandteil der Selbstversorger-Wirtschaft. Das ist schriftlich aber wenig überliefert. So suchten der Historiker Stuber und Matthias Bürgi von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL unter anderem im Saaneland nach Wissen, das bis heute weiterlebt. 60 Zeitzeugen – vor allem Bäuerinnen und Bauern – haben sie zusammen mit ihrem Team für ihr Buch befragt. 12 dieser Zeitzeugen kommen auch im Dokumentarfilm von Rahel Grunder zu Wort. Ihr Werk «Hüeterbueb und Heitisträhl» wird ab sofort täglich im Freilichtmusem Ballenberg gezeigt. Vielfältige Tradition So erzählt etwa Greti von Siebenthal aus Gsteig im Saaneland, wie sie und ihre Schwester jeweils sauberes Fichtenreisig holte, das als Filter in die Folle (Milchtrichter) gelegt wurde. Im Winter freuten sie sich dann, wenn ein Fichtennädelchen im Käse zum Vorschein kam als kleiner «Sommergruss». Überhaupt ist für Greti von Siebenthal die Nutzung der Natur auch mit Freude verbunden – Freude an den Kräutern, Bäumen und Tieren, die sie kennt und liebt, und Freude am Handwerk. «Es gibt für jede Handarbeit spezielles Wissen und spezielles Werkzeug», sagt ihr Mann Walter von Siebenthal, der bis vor zwölf Jahren mit seinem Pferd das Holz aus dem Wald holte und der noch heute für die Ziegen streuenet, weil sie Ahornlaub nicht nur als Einstreu, sondern auch als Futter besonders mögen. «Es wäre doch schade, wenn das alles verloren geht.» Für von Siebenthals und die anderen Zeitzeugen war es deshalb selbstverständlich, ihr Wissen weiterzugeben. Vielfältige Natur Wie wichtig die Pflege dieses Kulturgutes ist, erklärte Klaus Ewald, Pionier der Landschaftsforschung und Stiftungsrat der Bristol-Stiftung, die Naturschutzforschung fördert und das Projekt finanziert hat. «In der traditionellen Familienwirtschaft wurde die gesamte Landschaft genutzt und bewirtschaftet; die Leute machten aus allem, was die Natur vor Ort bietet, etwas Brauch- oder Essbares. Dadurch entstand ein Mosaik aus unzähligen lokalen Landschaftselementen – mit viel mehr Biodiversität als heute.» Das interessiert Forscher wie Matthias Bürgi, der untersucht, welche Bewirtschaftungsformen die Artenvielfalt im Wald fördern. Fenster zur Welt von heute Das Thema interessiert aber auch das Bundesamt für Umwelt Bafu, das den Film mitfinanziert hat. «Kann die Bevölkerung vor Ort aus dem Wald nehmen, was sie fürs Leben braucht, und ist deshalb an seiner Erhaltung interessiert? oder hat nur eine weit entfernte Regierung das Sagen, so dass vor Ort keiner mehr zum Wald Sorge trägt? – Das waren bei uns die entscheidenden Fragen; und in den Entwicklungsländern hängt der Erfolg von Waldschutzprojekten noch heute von den Antworten auf diese Fragen ab», sagte Christian Küchli, der beim Bafu für Wald- und Klima-Projekte zuständig ist. Der Film und das Buch «Hüeterbueb und Heitisträhl» würden deshalb beide auch zum Verständnis der Welt von heute beitragen. Sibylle Hunziker>

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