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«Ich provoziere bewusst»

Er ist ein Künstler, auch wenn er seine Werke nicht gerne als Kunst bezeichnet. Die Rede ist vom Thuner Thomas Fankhauser.

Thomas Fankhauser ist 41 Jahre alt, wohnt in Thun, hat eine Freundin und arbeitet bei der Ascom AG in Bümpliz als Servicetechniker. Das überrascht noch niemanden. Ungewöhnlich sind hingegen seine Freizeitaktivitäten.

Ein WM-Teilnehmer

Fankhauser ist ein Künstler, auch wenn er seine Werke und Taten nicht gerne als Kunst bezeichnet. Der gelernte Elektroniker nahm vor zwei Jahren im finnischen Oulu an der Luftgitarren-WM teil. «Ich klassierte mich unter ‹ferner liefen›, doch allein die Teilnahme war ein Erlebnis», erinnert er sich.

Nicht mehr so häufig wie früher, aber immer noch gelegentlich, ist Fankhauser hinter den Plattentellern anzutreffen. Unter dem Namen DJ Brutalo legt er «Stromgitarren-Tanzmusik» auf, wie er seine Stilrichtung auf der Homepage des Café-Bar Mokka selbst beschreibt. Auch der Skilift Rossberg in Oberwil trägt Fankhausers Handschrift. Mit ausgeschnittenen, selbst bemalten Holzfiguren verziert er dort pro Jahr einen Liftmasten. Den grössten Teil seiner Freizeit aber widmet er dem Zeichnen von Comics.

Startschuss im Iran

Angefangen mit Stift und Papier vor «vielen, vielen Jahren», entstehen seine Werke seit mittlerweile fünf Jahren auf dem Laptop. 2004 war Fankhauser beruflich im Iran stationiert. «Wir arbeiteten am Mobilfunknetz, doch da die Hardware am Zoll stecken geblieben war, hatte ich Zeit, irgendeinen ‹Seich› anzufangen», blickt er zurück. Als Hauptfiguren dienen ihm in seinen Comics drei Kartoffeln, «the three Häbeni». Warum gerade Kartoffeln? «Die sind schnell zu zeichnen», antwortet Fankhauser blitzschnell. Für acht Monate arbeitete er im Iran, zudem zwei Jahre in Deutschland. «In dieser Zeit pendelte ich etwa alle zwei Wochen von Thun nach Hamburg, hatte also genügend Zeit zum Zeichnen.»

Eine eigene Internetseite

Ob als DJ, Luftgitarrenspieler oder Comiczeichner, Fankhauser unterhält gerne Leute. Deshalb wollte er seine Comics auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. «Am Anfang verschickte ich meine Geschichten, später die Comics, per Mail einer handverlesenen Gruppe», erinnert sich Fankhauser. Später baute er auf einer Gratishomepage einen Blog auf. Seit letztem Sommer nun veröffentlicht er seine Werke auf www.lukrativcomics.ch, einer eigenen Internetplattform. Seine Zeichnungen sind einfach gemacht. Als Grundlage dient ihm das Programm «Paint» von Microsoft. «Andere Grafikprogramme habe ich ausprobiert, doch die sind mir zu kompliziert, da müsste ich wohl erst einen Kurs machen». sagt er. «Meine Comics sollen lustig sein, häufig auch tagesaktuell.» Oft ergänzt zudem ein Wortspiel die Zeichnung. Dass er ab und zu die Grenzen überschreitet, weiss er. «Ich provoziere bewusst», sagt er denn auch und ergänzt, ohne mit der Wimper zu zucken: «Ich würde mich als sehr respektlos bezeichnen.»

Der Traum von einem Buch

Das Zeichnen sei ein perfekter Ausgleich zur Arbeit, sagt Fankhauser. Dass er allerdings das Hobby nie zu seinem Beruf gemacht habe, sei sein eigenes Verschulden. «Da war ich zu wenig konsequent, ich habe mich nicht getraut, bin das Wagnis nicht eingegangen», meint er.

Inspirieren lassen hat er sich bei seinen Comics unter anderem vom Österreicher Nicolas Mahler, dem Franzosen Lewis Trondheim oder dem Deutschen Henning Wagenbreth. Alle haben sie bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Das ist auch ein Ziel von Fankhauser. Gerne würde er zusammen mit anderen Künstlern einen Comicband veröffentlichen. «Lukrativcomics als Name und meine Internetseite als Plattform würde ich gerne zur Verfügung stellen.»

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