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Igor L. streitet Attacke auf den Wirt ab

Fall Igor L.Am 18.August wurde der Löwen-Wirt in Schüpfen niedergeschlagen. Der für die Tat beschuldigte Igor L. musste sich gestern im Bieler Amtshaus vor der Einzelrichterin verantworten. Er machte Teilgeständnisse – den verheerenden Schlag mit dem Aschenbecher aber habe sein Kollege begangen.

Es herrscht eine angespannte Stimmung im Gerichtssaal des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland. Rund ein Dutzend Medienleute und Zuhörer sitzen in den hinteren Rängen, als Igor L.* von zwei Polizisten hereingeführt wird. Die Handschellen wurden ihm zuvor abgenommen. Auf dem Stuhl sitzt nun ein mittelgrosser Mann in Jeans und Turnschuhen, mit kurzen dunklen Haaren und düsteren Zukunftsaussichten. Denn auf den breiten Schultern lastet das Gewicht einer gewaltvollen Nacht. Igor L. wird beschuldigt, am 18.August 2010 den Löwen-Wirt in Schüpfen verprügelt zu haben. Er muss sich seit gestern vor der Einzelrichterin wegen einfacher Körperverletzung, eventuell versuchter schwerer Körperverletzung, Tätlichkeiten, mehrfacher Sachbeschädigung und falscher Anschuldigung verantworten. Der in Schüpfen als unberechenbarer Schläger bekannte Igor L. ist kein unbeschriebenes Blatt: Er hat über 20 Anzeigen am Hals und sass letztes Jahr bereits im Gefängnis. Zum Zeitpunkt des Wirteüberfalls war er auf Bewährung draussen, jetzt befindet sich der 22-Jährige in Sicherheitshaft. Verschwiegene Jassrunde Bei seiner Einvernahme gab Igor L. zu, in besagter Nacht beim Löwen randaliert zu haben: Eine Fensterscheibe und Blumentöpfe gingen kaputt, er hatte mehrere Autos demoliert. Bei den vorangehenden Szenen drinnen in der Gaststube, als es mit dem Wirt zum Streit kam, zog sich der Schüpfener aus der Verantwortung: Sein Kollege Amyn G.* habe dem Wirt den Aschenbecher über den Kopf geschlagen. Daraufhin habe der Wirt ihm, Igor, mit einem Schlagstock auf den Kopf gehauen. Während der Auseinandersetzung hatte Igor zudem einem Gast ins Gesicht geschlagen und die Frau des Wirts mit einem Schubs zum Stürzen gebracht – Letzteres streitet der Angeklagte ab. Am ersten Prozesstag waren weiter zwei Privatkläger, vier Zeugen und Amyn G. zum Beweisverfahren eingeladen. Im Zeugenstand sassen die Frau des Wirts und eine Jassrunde, die sich an diesem Abend im Löwen zum Spiel eingefunden hatte. Doch die Kartenspieler gaben sich verhalten. «Ich habe Angst», sagte eine Zeugin, und sie könne sich auch nicht mehr gut erinnern. Ihrem Mitspieler ging es ähnlich, wobei er klar Igor L. die Aschenbecher-Attacke zuwies. «Als die beiden reinkamen, war mir sofort klar, dass die auf Provokation aus sind», sagte er. Die Frau des Wirts gab an, nicht gesehen zu haben, wer den Aschenbecher zur Hand nahm. Traumatisierter Wirt Hauptzeuge und Opfer ist der Wirt. Zu Beginn wollte er keine Aussagen machen. «Aus gesundheitlichen Gründen» sei es ihm nicht möglich, «die ganze Sache wieder aufzurollen», sagte er gestern. Viel psychologisches Geschick der Gerichtspräsidentin und ein Glas Wasser brachten ihn dann zum Reden. «Die beiden hätten mich wohl getötet», sagte der Gastronom. «Sie kamen wie Tiere auf mich los.» Für ihn besteht kein Zweifel: Igor L. hat ihm den Aschenbecher über den Kopf gezogen. «Amyn G. konnte gar nicht, da ich ihn festgehalten habe.» Wer ihn anschliessend noch mit einem Stuhl verletzte, wisse er nicht. «Meine Augen waren voller Blut.» Die Kopfwunde des Wirts musste genäht werden. Amyn G.: 1,78 Promille Verschiedene Szenarien einer verheerenden Sommernacht — als letzter trat Amyn G. vor die Richterin. Er war nun nicht nur Zeuge, sondern auch möglicher Täter. Der zur Tatzeit noch Minderjährige nimmt die Attacke auf seine Kappe. Bei einem Gespräch nach der Tat hätte Igor L. ihm «in Erinnerung gerufen», dass er den Aschenbecher zur Hand nahm. Die Polizei konnte Amin G. am 18.August nicht befragen: Er hatte einen Alkoholpegel von 1,78 Promille. «Aber jetzt kann ich mich wieder an die Tat erinnern.» Amyn G. schliesst aus, dass sein Kollege ihm die Tat in die Schuhe schieben will, um sich selber zu schützen. Im Lauf der Befragung von Amyn G. tauchen jedoch Erinnerungslücken und Ungereimtheiten auf. Die beiden Kumpel zeigten sich im Gerichtssaal solidarisch und verabschieden sich mit einem Handschlag. Das Urteil wird heute erwartet. Simone Lippuner*Name der Redaktion bekannt >

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