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«In der Fankurve sind Leute drin, die wir lieber nicht drin hätten»

«Dass der FC Thun grundsätzlich faire Fans hat, ist nicht einfach ein Naturgesetz. Leider geht das bei der Klubführung manchmal vergessen.» Das sagt ein langjähriger FCT-Fan, der bemerkt hat, dass Leute in der Fankurve landen, die dort eigentlich nicht erwünscht sind.

Die Fankurve des FC Thun ist längst keine überschaubare Wohlfühloase mehr. Der Erfolg und der Umzug vom charmanten, aber sanierungsbedürftigen Lachenstadion in die moderne Arena hat den FC Thun sexy gemacht. Auch für Zeitgenossen, die in der Fankurve gar nicht erwünscht sind. Zeitgenossen, die pöbeln, provozieren und Pyros zünden. Und sich keinen Deut um Regeln des Anstands und Respekts scheren, die in der Thuner Fankurve seit Jahren gelten. So richtig exponieren mag sich von den Fans niemand, zu aggressiv treten die angesprochenen Matchbesucher auf. Diese Zeitung hat einen Fan getroffen, nennen wir ihn F.*. Er ist ein langjähriger Anhänger der Thuner, hat den ersten Aufstieg des FCT der Neuzeit unter Hanspeter Latour, die Champions League, aber auch den Sex- und Wettskandal sowie den Abstieg in die Challenge League in der Fankurve miterlebt. F. verfolgt die Entwicklung der Thuner Fanszene mit Unbehagen. Er sagt: «Es gibt einen Generationen- und Mentalitätskonflikt bei den FC-Thun-Fans!» Selbstregulierung gefährlich F. will bei den neuen FCT-Fans nicht von Modefans sprechen. «Eine Sympathie zum FC Thun will ich ihnen nicht absprechen.» Sie würden aber sich und ihre Gruppe bei den Spielen in den Vordergrund stellen. Wenn durch ihr Verhalten, zum Beispiel durch das Abfeuern von Pyrotechnik, dem Klub Schaden entstünde, sei ihnen dies egal. «Hier unterscheiden sie sich elementar von den langjährigen Fans. Unter ihnen gibt es auch welche, die das Abfeuern von Pyros differenziert betrachten.» Im Vordergrund stehe aber immer der FC Thun. «Das Abfeuern von Pyros schadet dem Klub, deshalb machen wir es nicht. So einfach ist das.» Bisher hätte in der Thuner Fankurve die Selbstregulierung weitgehend funktioniert. «Verfehlungen waren meistens Einzelfälle und konnten ohne grosses Aufsehen und teilweise gemeinsam mit dem Verein geregelt werden», sagt F. Das nicht zu unterschätzende Aggressionspotenzial und die Tatsache, dass sich die angesprochenen Problemfälle in der Gruppe organisieren, machen die Selbstregulierung fast unmöglich. Sie ist schlichtweg zu gefährlich. Die Aktion im Heimspiel gegen den FC Zürich, als ein Pyrowerfer von den eigenen Fans dem Sicherheitsdienst übergeben worden ist, werde keine Schule machen, sagt F. «Das war eine einmalige Aktion. Der Pyrowerfer und seine Freunde wurden überrumpelt. Das wird ihnen nicht mehr passieren», sagt F. In diesem Zusammenhang ärgert er sich über Politiker und auch die Klubführung, die diese Art der Selbstregulierung als Standard fordern. «Wir Fans sind in erster Linie zahlende Kunden. Wenn wir jetzt Kopf und Kragen riskieren sollen, weil die Eingangskontrolle nicht funktioniert hat, finde ich das völlig daneben.» Ihm sei nicht klar, wie die schwarz gekleideten Matchbesucher im Spiel gegen YB ihrem Unmut über die Rausschmissaktion beim FCZ-Spiel hätten Luft machen können. Die Arena-Verantwortlichen seien von verschiedener Seite gewarnt worden, dass dies im Nachgang zum Heimspiel gegen den FCZ passieren könnte. Zu wenig Anerkennung Der Unmut der alteingesessenen Fans sei in den letzten Monaten immer mehr gewachsen. «Leider wurde die Fanarbeit vonseiten des Klubs zu wenig anerkannt», sagt F. «Dass der FC Thun grundsätzlich faire Fans hat, ist nicht einfach ein Naturgesetz.» Das sei harte Arbeit. Bereits im Jahr 2006 sei zwischen den Fans und dem FC Thun eine Vereinbarung unterzeichnet worden. Die Fans seien in ihrer Arbeit unterstützt worden, es habe regelmässige Treffen gegeben, die protokolliert worden seien. «Die Zuständigkeiten waren klar geregelt. Die damalige Geschäftsführerin Beatrice Fiechter nahm sich dem Dossier Fans an. Es war die Blütezeit der Zusammenarbeit.» Im Verlauf der Zeit sei das Interesse des Klubs abgeflacht, erinnert sich F. Dies sei bis zu einem Grad verständlich gewesen, habe es verschiedene Personalwechsel gegeben. Zudem gab es grosse Baustellen wie Sex- und Wettskandal, finanzielle Schwierigkeiten, der Abstieg und das Projekt «Arena». «Langsam ist es an der Zeit, dass wir Fans wieder ernst genommen werden.» Zeichen der Zeit erkennen F. setzt grosse Hoffnungen in die neue Fanverantwortliche Gabriela Stähli (vgl. Kasten rechts). «Die fehlende Kommunikation zwischen Fans und Klub führte zu Frust. Das könnte sich nun ändern.» F. wünscht sich, dass der Klub die Fans bei Entscheidungen, die sie betreffen, miteinbezieht. «Die Fans sind meines Erachtens grundsätzlich bereit, wenn es die Situation verlangt, gewisse Massnahmen für die Sicherheit mitzutragen.» Wenig Verständnis hätten sie allerdings, wenn sie mit unausgegorenen Ideen vor vollendete Tatsachen gestellt würden. «Der Input der Fans kann sehr wertvoll sein. Dies muss nur erkannt werden», sagt F. Dazu brauche es in erster Linie eine Person aufseiten des FC Thun oder der Arena, die sich dem wichtigen Dossier Fans annehme, und es mit Herzblut und Engagement bewirtschafte. «Dann können wir in Thun gemeinsam Lösungen suchen und umsetzen und nicht erst dann reagieren, wenn die Liga oder die Öffentlichkeit Druck machen.» Von zentraler Bedeutung sei aber auch, dass man beim Klub, aber auch in der Politik, die Zeichen der Zeit erkenne. «Sobald ein Verein wie der FC Thun einen gewissen Erfolg hat, lockt dies auch Besucher an, die die Plattform für ihre Zwecke nutzen wollen.» Der Fansektor sei ein riesiges Sammelbecken und auch Abbild der Gesellschaft. «Da landen zwangsläufig auch Leute drin, die wir lieber nicht drin hätten.» «Es lief nicht alles optimal» Alain Kappeler, CEO der Stadionbetreiberin Arena Thun AG, teilt die Meinung von F.: «Es lief nicht alles optimal.» Dies habe vor allem damit zu tun, dass die Prioritäten beim Einzug in die Arena anders gesetzt wurden, «und als wir den Dialog mit den Fans verstärken wollten, kam es zu den Pyrovorfällen», sagt Kappeler. Das habe die geplanten Aktivitäten in ein anderes Licht gerückt. «Uns liegen die Fans am Herzen. Wir sind bestrebt, sie besser einzubinden.» Mit der neuen Fanverantwortlichen sei ein wichtiger Schritt gemacht, weitere müssten aber folgen. «Und das werden sie auch», verspricht Kappeler.Roger Probst*Name der Redaktion bekannt>

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