Interlaken: Action an der Postgasse

Interlaken

Ein Auto auf dem Gleis, eingeklemmt zwischen den Bahnschranken: Auf dem Bödeli kennt man solche lebensgefährlichen Szenen. Am Mittwoch war ein Kamerateam dabei.

Gefahr beim Bahnübergang Postgasse Interlaken: Diesmal war die Szene nur gestellt.

Gefahr beim Bahnübergang Postgasse Interlaken: Diesmal war die Szene nur gestellt.

(Bild: Christoph Buchs)

Das Horrorszenario für jeden Lokomotivführer: Ein Personenwagen versperrt ihm den Weg, bewegungsunfähig zwischen Bahnschranken eingeklemmt, der Zug kann nicht mehr bremsen, der Lokführer nur noch hupen. Und hoffen, dass sich niemand mehr im Auto befindet. Ein lautes Krachen, Totalschaden am Auto. Zum Glück keine Verletzten – einmal mehr. Die Insassen des Personenfahrzeugs, Touristen aus Kuwait, erkannten die Gefahr rechtzeitig und brachten sich in Sicherheit. So geschah es vor fast exakt drei Jahren, am 8. September 2016, an der Postgasse in Interlaken.

Der Unfall war in dieser Art in Interlaken zuletzt kein Einzelfall. Ein paar Monate zuvor war in der Nähe des Bahnhofs Interlaken-Ost ein ICE mit einem ausländischen Reisecar kollidiert. Auch dieser Zusammenstoss ging letztlich glimpflich aus: Es gab zwar Schwerverletzte, aber keine Todesopfer.

Gefahr in Videos dargestellt

Zurück an der Postgasse. Die Barrieren senken sich. Ein Cowboy mit Hut, gekleidet in Jeans und Ledergilet, «reitet» auf einem Steckenpferdchen davon. Zuvor hat er in heroischer Manier eine Autolenkerin im letzten Moment vor einer Kollision mit einem Regionalzug der BLS bewahrt.

Die Szene ist gestellt, wird von Filmkameras aufgenommen. Sie gehört zu einer Präventionskampagne, die das Bundesamt für Verkehr zusammen mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung und den Schweizerischen Bundesbahnen vor ein paar Jahren ins Leben gerufen hat. «Want a Happy End?» nennt sich die Kampagne. Sie verweist darauf, dass im Jahr 2017 in der Schweiz 167 schwere Unfälle im öffentlichen Verkehr zu verzeichnen waren.

Die Waadtländer Firma Helvetics Films produziert die witzigen Videos, in denen auf Gefahren im öffentlichen Verkehr hingewiesen wird. Etwa wenn man sich auf dem Perron hinter der Sicherheitsmarkierung aufhält, wenn man leichtsinnig auf einen stehenden Zug klettert oder sich im voll besetzten Bus nicht an den Griffen festhält.

Nicht nur Touristen

Der nächste dieser einminütigen Präventionsfilme handelt von der korrekten Verhaltensweise für Verkehrsteilnehmer bei Bahnschranken. An diesem Video, das gestern gedreht wurde, ist erstmals auch die BLS finanziell beteiligt. «Es ist in unserem Interesse, dass derartige Unfälle möglichst nicht mehr vorkommen», sagt Markus Meier, Fachspezialist Ereignisanalyse bei der BLS, der die Dreharbeiten koordinierte.

Der neue Film wird unter anderem verschiedenen Mietwagenverleihern empfohlen. Allerdings seien es nicht nur Touristen, die sich bei Bahnübergängen falsch verhalten. «Auch Einheimische fahren beispielsweise immer wieder schon los, wenn die Signallichter noch nicht erloschen sind», so Meier.

www.happy-end.ch

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