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Interlakner Urteil gegen Vater bestätigt

sex mit tochter Die zweite Instanz hat das Interlakner Urteil bestätigt: Der Mann, der seine Tochter dutzende Male vergewaltigt und sexuell genötigt hatte, muss für 17 Monate ins Gefängnis.

«Was eine Vergewaltigung für eine Frau bedeutet, diese absolute Demütigung, das kann ein Mann kaum nachvollziehen. Dem Opfer wird der Teppich unter den Füssen weggezogen», sagte Fürsprecher Thomas Schwarz gestern in seinem Plädoyer vor dem Obergericht. Seine Mandantin, eine junge Frau aus der Region Interlaken, habe diese Erfahrung traumatisiert. Vor zehn Jahren nahm die damals 17-Jährige erstmals Kontakt zum Angeschuldigten, dem bis anhin unbekannten «Zahlvater» auf. Es entwickelte sich eine nahe Beziehung zwischen den beiden. Mit der Zeit kam es zu massiven sexuellen Übergriffen. Anfang 2010 sprach das damalige Kreisgericht Interlaken-Oberhasli den Angeschuldigten wegen Vergewaltigung, Schändung und sexueller Nötigung schuldig. Das Urteil: drei Jahre Freiheitsstrafe, 18 Monate davon unbedingt, dazu eine Busse von 600 Franken. Dem Opfer wurden 30000 Franken Genugtuung zugesprochen. Der Angeschuldigte, der die Vorwürfe stets bestritten hatte, legte Einspruch gegen das Urteil ein. Gestern beschäftigte sich daher die erste Strafkammer des Obergerichts erneut mit dem Fall. Verteidiger Günther Galli beantragte, seinen Mandanten freizusprechen. «Für eine Verurteilung dürfen keine Zweifel an der Schuld bestehen bleiben», sagte er und wies auf Widersprüche in den Aussagen des Opfers hin. «Einem Rechtsstaat steht es eher zu, 99 Schuldige freizulassen, als einen Unschuldigen zu verurteilen», sagte Galli. Fürsprecher Schwarz widersprach: Wenn «Aussage gegen Aussage» steht, komme es darauf an, wessen Ausführungen glaubhafter seien, und verwies auf das erstinstanzliche Urteil. Darin gelangte das Kreisgericht zum Schluss, dass die Schilderungen des Opfers glaubhaft seien. Ein Motiv für eine falsche Anschuldigung sei nicht erkennbar: «Die Behauptung, die Vergewaltigungsvorwürfe seien ein Racheakt wegen nicht bezahlter Alimente, ist unhaltbar», so Schwarz. «Der Vater hat die Tat begangen, und sein Verschulden wiegt schwer.» Urteil wurde bestätigtDie erste Strafkammer unter dem Vorsitz von Annemarie Hubschmid schloss sich dem an. «Die sexuellen Übergriffe stellen einen schweren Vertrauensmissbrauch dar», sagte Hubschmid. «Die junge Frau war auf der Suche nach ihren Wurzeln und versuchte, ein normales Vater-Tochter-Verhältnis aufzubauen.» Ihr Vater habe dies ausgenutzt. An eine Falschanschuldigung glaubt sie nicht: «Sich eine solch komplexe Geschichte auszudenken und jahrelang vor diversen Behörden aufrechtzuerhalten – das hätte die als sehr zurückhaltend bekannte Frau nicht gekonnt.» Das Obergericht bestätigte daher das Interlakner Urteil inhaltlich vollumfänglich, musste aus formellen Gründen eine Korrektur vornehmen. Die Strafe lautet auf 33 Monate und 20 Tage Freiheitsstrafe, davon 16 Monate und 20 Tage unbedingt. Nora Scheidegger>

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