Zum Hauptinhalt springen

«Ist es nicht wunderschön hier?»

BurgdorfSeit der Verwaltungsreform hat sich die Zahl der Trauungen am Kirchbühl um die Hälfte verringert. Fünfzig Hochzeiten jährlich seien jedoch immer noch eine stattliche Quote, freut man sich

Einheimische, die sich in ihrem Zeremonielokal am Burgdorfer Kirchbühl trauen lassen, zahlen im Schnitt gut 200 Franken mehr als im regionalen Zivilstandsamt in Langnau. Dies gilt seit der Verwaltungsreform, die Anfang 2010 in Kraft getreten ist. Die Mehrkosten resultieren aus der eidgenössisch geregelten Gebühr, die das Zivilstandsamt für die Anreise des Standesbeamten verrechnet. Seit den Neuerungen ist die Zahl der Ziviltrauungen, die am Kirchbühl geschlossen werden, von hundert auf fünfzig geschrumpft. Unlängst berichteten wir über diese Zusammenhänge aus kantonaler Sicht. Nun meldet sich die Stadt zu Wort. Zu folgern, wegen der höheren Kosten sei Heiraten in Burgdorf nicht mehr sonderlich attraktiv, sei ein Trugschluss, halten die Zuständigen fest. Im Gegenteil: Das von der Stadt bereitgestellte Zeremonielokal und der Service würden nach wie vor sehr geschätzt. Das Lokal sei seit 2010 nur noch an bestimmten Tagen in der warmen Jahreszeit in Betrieb, da könne man bei fünfzig Trauungen jährlich noch immer von einer stattlichen Quote reden. Das sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Stadt das Zeremonielokal renoviert und den Service der Trauungsbegleitung geschaffen habe. Neuer Korpus statt altes Pult Der städtische Liegenschaftsverwalter Peter Kräuchi und die beiden administrativen Betreuerinnen Barbara Jost und Uschi Hofer haben die Zeitung zu einer Besichtigung eingeladen. Beim Pestalozzibrunnen gegenüber dem Zeremonielokal liegt, auf einem weissen Tuch schön präsentiert, die Ausstattung zu einem Apéro mit Schaumwein und herzförmigen Schalen für die Knabberware. Der Eingang zum Lokal ist mit Blumen geschmückt, und das Innere des Zimmers zeigt sich in neuem Glanz. Die Holzvertäfelung an den Wänden wurde mit hellen Elementen und einer indirekten Beleuchtung aufgefrischt, der ehrwürdig-amtliche Schreibtisch durch einen Chromstahlkorpus mit rotem und schwarzem Besatz und einer Tischlampe in leicht abstrakter Herzform ersetzt, die Bestuhlung modernisiert und das grosse Anker-Bild – wer es kannte, mag es bedauern – entfernt. «Sagen Sie selber: Ist dieser Raum jetzt nicht wunderschön?», fragt Barbara Jost. Entweder sie oder ihre Stellvertreterin Uschi Hofer sind an den Heiratstagen stets zugegen und sorgen diskret dafür, dass die Abläufe am Kirchbühl reibungslos vonstattengehen. Sie nehmen jeweils bereits Wochen vor dem grossen Tag mit den Paaren Kontakt auf, organisieren auf Wunsch eine Kutsche, eine Limousine, einen Apéro, eine Blaskapelle oder Luftballons. Am Heiratstag sorgen sie dafür, dass der Autoverkehr in der Gasse überschaubar bleibt, Spaliersteher im richtigen Augenblick bereitstehen, sämtliche Handys ausgeschaltet sind und die Trauzeugen alles dabeihaben, was es für den offiziellen Akt braucht – zum Beispiel den Ausweis. «Einmal hatte ihn ein junger Mann tatsächlich nicht dabei», berichtet Barbara Jost. «Er eilte daraufhin sofort nach Hause, um ihn zu holen; es reichte dann doch noch für die Trauung.» Aus Burgdorf und Umgebung Hofer und Jost stellen fest, dass der Trend, nicht mehr kirchlich zu heiraten und stattdessen die standesamtliche Zeremonie festlich zu begehen, zunimmt. Deshalb legen viele Paare ja auch Wert auf das besondere Ambiente und die Dienstleistungen am Kirchbühl. «Hier heiraten nicht nur Paare, die in Burgdorf leben; sie kommen auch aus der näheren und zum Teil weiteren Umgebung», sagt Barbara Jost, und Uschi Hofer ergänzt: «Die Leute haben jedoch fast immer einen Bezug zur Stadt, sei es, dass sie hier arbeiten, sei es, dass sie hier einmal Trauzeugen waren und so das Lokal kennen lernten.» Dass man in Burgdorf überhaupt noch zivil heiraten kann, ist darauf zurückzuführen, dass der Kanton den Gemeinden die Möglichkeit bietet, externe Trauungslokale bereitzustellen. Diese müssen jedoch den Anforderungen genügen und über ein besonderes Ambiente verfügen. Burgdorf bewarb sich mit seinem Lokal, das bis zur Verwaltungsreform in Betrieb war, und konnte mit dem Kanton vereinbaren, es ab 2010 an festgelegten Tagen weiterzubetreiben. Nur noch an sieben Tagen «Wir haben den Raum daraufhin für 30000 Franken unter Mitwirkung eines Innenarchitekten renoviert», sagt Liegenschaftsverwalter Peter Kräuchi. In den Jahren 2010 und 2011 stand das Lokal von April bis Oktober jeden Monat zweimal zur Verfügung. Jetzt hat der Kanton die externe Präsenz seiner Zivilstandsbeamtinnen und -beamten verringert. Somit ist nur noch siebenmal jährlich Heiratstag am Kirchbühl. Was man bei der Stadt bedauert – umso mehr, als das Trauungszimmer, das Einheimischen kostenlos zur Verfügung steht, etwas zur Belebung der Oberstadt beitragen soll. Längerfristig jedoch wird das Angebot am Kirchbühl wohl so oder so stillgelegt, denn angedacht ist, das Burgdorfer Trauungslokal dereinst im Schloss einzurichten. Dieses wird in absehbarer Zeit mit einem breiten Mix neu genutzt. Somit hätte das Emmental, nebst dem regulären Trauungszimmer in Langnau, gleich zwei Schlösser als zusätzliche Heiratsorte, denn im Schloss Trachselwald wird schon heute getraut. Hans Herrmann>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch