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Jährlich 7000 Velos für Afrika

Seit 16 Jahren führt Paolo Richter den Gump-& Drahtesel im Liebefeld. Dort flicken Arbeitslose alte Velos. Diese werden in Afrika verkauft. Dafür wurde Richter zum Swiss Social Entrepreneur 2009 gewählt.

Mit seinen blonden Haaren und blauen Augen ginge er in einem Krippenspiel glatt als Engel durch. Doch er sei kein Gutmensch, winkt Paolo Richter ab. Es gefalle ihm einfach, etwas Sinnvolles zu arbeiten, sagt er inmitten von Velos und Ersatzteilen in den Gump-& Drahtesel-Werkstätten im Liebefeld. «Dies ist ein Privileg und mir wichtiger als ein möglichst grosser Lohn.» Richter ist ein Velofan. Früher hat er für sich selbst Zweiräder zusammengeflickt. Daraus entstand schliesslich ein Sozialprojekt. Fast 10000 alte Velos landen jedes Jahr im Liebefeld. Manche bieten nur noch Material fürs Ersatzteillager. Doch die meisten werden von Erwerbslosen unter fachkundiger Leitung wieder repariert. Dann werden die Velos nach Afrika verschifft. Jährlich rund 7000 Velos finden so den Weg nach Eritrea, Zimbabwe, Ghana und Burkina Faso. Arbeit hier und in Afrika «Das Projekt bietet hier und in Afrika Menschen eine Arbeit und eine Ausbildung.» Das habe der Jury besonders gefallen, sagt Paolo Richter. Für sein Engagement hat ihn die Schwab Stiftung zum Swiss Social Entrepreneur 2009 gewählt. Die von WEF-Gründer Klaus Schwab ins Leben gerufene Organisation zeichnet seit vier Jahren Unternehmer aus, die durch ein spezielles soziales Engagement auffallen. Preisgeld gibt es nicht, dafür Zugang zum internationalen Netzwerk der Stiftung. «Uns hat dies viel Popularität gebracht», sagt Richter. Der Preis sei eine gute Referenz. Dass er als Person nun im Vordergrund steht, gefällt ihm hingegen weniger. «Ein vierzigköpfiges Team engagiert sich bei uns fachlich und menschlich Tag für Tag.» Der Preis sei eine Anerkennung für alle und nicht nur für ihn als Geschäftsleiter, betont Richter. Ausbildung für Waisen Ein Velo verändert in Afrika oft das Leben einer ganzen Familie. Ob es um einen Nebenverdienst, den Schulweg oder den Weg aufs Feld geht. «Velos sind immer begehrter», sagt Richter. Rund 50 Franken kostet ein Drahtesel aus der Schweiz. Vor Ort sind lokale Organisationen für den Verkauf und Reparaturen zuständig. In Zimbabwe zum Beispiel erhalten so Aidswaisen eine Ausbildung. In Eritrea finden Kriegsversehrte ein Auskommen. Grosse Fotos an der Wand erinnern in der Werkstatt im Liebefeld daran, wofür hier gearbeitet wird. Auf keinen Fall wolle man mit dem Angebot lokale Anbieter in Bedrängnis bringen, betont Richter. «Anders als zum Beispiel bei Kleidern ist dies viel weniger heikel, denn es gibt in Afrika kaum eine Veloindustrie.» Rund 65000 Velos hat der Gump-&Drahtesel in den letzten sechzehn Jahren nach Afrika verschifft. Trotzdem: «Wenn man in die Welt hinausschaut, kann man nicht beruhigt vor dem Christbaum sitzen», findet Paolo Richter. «Wir Menschen haben noch einiges zu lösen.» Lucia ProbstInfos zu Velosammelstellen und zum Projekt unter www.velosfuerafrika.ch. >

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