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Jeder dritte Suizid ist organisiert

ThunDie Schweiz ist weltweit das einzige Land, in dem jeder Bürger einem Suizidwilligen legal helfen darf. Wieso immer mehr Suizide organisiert werden und wie der Bund gegen den Sterbetourismus vorgehen will, erklärte Prof. Dr. Regina Kiener an einem Vortrag in Thun.

In den letzten 50 Jahren hat die Suizidrate weltweit um 60 Prozent zugenommen. In der Schweiz bringen sich täglich vier Menschen um, und ein Drittel aller Suizide ist organisiert. Was zu diesem Trend führte, erklärte Prof. Dr. Regina Kiener am Dienstagabend im Thuner Freienhof. «Die Erwartungen und die Umstände des Sterbens haben sich geändert. Die Werthaltung zum Tod, der früher religiös betrachtet wurde, hat sich relativiert.» Vor allem aber spiele die individuelle persönliche Freiheit, selber entscheiden zu wollen, was mit einem geschehe, eine grosse Rolle. Neben Washington, Oregon (USA) und den Beneluxstaaten gehört auch die Schweiz zu den wenigen Ländern, in denen die organisierte Sterbehilfe erlaubt ist. Das heisst, dass bei uns Sterbehilfeorganisationen wie Exit und Dignitas Sterbewillige begleiten dürfen, indem sie ihnen ein Betäubungsmittel, das ärztlich verschrieben werden muss, abgeben. Bedingung ist, dass die Menschen den letzten Schritt, nämlich das Trinken des «Giftwässerchens», selber machen. Anders als in der Schweiz muss in den anderen Ländern die Sterbehilfe durch Ärzte vollzogen werden. «Bei uns gelten dafür andere Regeln», sagte Kiener. Mit fünf Jahren Freiheitsstrafe werden nur diejenigen bestraft, die einem Suizidwilligen aus selbstsüchtigen Motiven wie Geldgier assistieren. Tourismus beschränken Nun soll aber in der Schweiz die organisierte Suizidhilfe geregelt werden. Der Bundesrat schlägt dazu zwei Varianten vor: entwe-der die Suizidhilfe ganz zu verbieten oder klare Sorgfaltspflichten im Strafrecht nur für Mitarbeitende von Suizidorganisationen festzulegen. An der bisher liberalen Regelung, die die Beihilfe zum Suizid ohne selbstsüchtige Beweggründe zulässt, habe der Bundesrat nichts ändern wollen. Da aber die Suizidhilfeorganisationen den rechtlichen Spielraum zunehmend ausschöpfen und sich teilweise den staatlichen Kontrollen entziehen, müssen laut Bundesrat Leitplanken notgedrungen gesetzt werden. Ziel sei es, die Entwicklung der organisierten Suizidhilfe zur gewinnorientierten Tätigkeit zu stoppen. Denn neben der Suizidhilfeorganisation Exit zieht vor allem Dignitas die Aufmerksamkeit auf sich. Sie bietet Leuten aus dem Ausland die Sterbehilfe an und verlangt pro Suizid bis zu 15000 Franken. Rund die Hälfte aller Sterbewilligen bei Dignitas seien Ausländer, überwiegend Deutsche, so Kiener. Schweiz hat Spielraum Welche Massnahmen der Bund ergreifen werde, sei schwierig zu sagen. «Ein Gleichgewicht zwischen dem Individualinteresse und dem Interesse der Gesellschaft müsse hergestellt werden», sagte Kiener weiter. Denn die Schweiz habe einen grossen Spielraum. Sie kann die Sterbehilfe verbieten oder alles so belassen, wie es sei. Obwohl die Suizidhilfe nur als allerletzte Option in Betracht gezogen werden sollte, profitieren immer mehr Leute davon. Sabina Comic>

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