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Jetzt boomt das Fremdgehen

Manche Narren treiben es nicht nur auf der Strasse bunt, sondern auch im Bett – und zwar oft mit fremden Partnern. Die

Die Fasnacht in Langenthal ist in ihrer Agenda dick angestrichen – am Samstag gehts los. Die Frau will das närrische Treiben auf keinen Fall verpassen. Sie kommt jedes Jahr. Und immer trifft sie sich mit dem gleichen Mann zu einem Schäferstündchen. Der Ehemann bleibt zu Hause, er ist ahnungslos. Eindeutige Pose in der Ecke Dieses Beispiel erzählt eine Langenthaler Barbetreiberin. Seit Jahren blickt sie tief in die schwarze Seele der Fasnacht, und sie hat schon «jenste Sachen mitbekommen». Frauen und Männer, die an der Fasnacht ihre Partner betrügen. Ehen, die wegen der närrischen Zeit in die Brüche gehen. «Während der Fasnacht», erzählt die Szenekennerin, «gehen mehr Leute fremd als sonst.» Und ja, sie sei überzeugt davon – «ich sehe es ja selber jedes Jahr». Einmal ertappte sie einen Mann und eine Frau in einer dunklen Ecke eines Lokals – «in eindeutiger Pose». Und sie wusste, «die zwei gehören nicht zusammen». Die Geister brechen aus Die Barbetreiberin möchte lieber anonym bleiben. Sie weiss, dass sie mit ihren Aussagen an einem Tabu rüttelt. So sieht es auch ein Langenthaler Psychiater, der seinen Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen möchte. «Das gibt nur wieder Telefone.» Denn viele Fasnächtler seien natürlich nicht seiner Meinung. Aber auch der Seelenarzt bestätigt die Beobachtung der Barbetreiberin. «Das liegt in der Natur der Sache», erklärt er, «die einzige Motivation für die Fasnacht ist die Balz, der Eros.» Nur würden das eben die Fasnächtler unbewusst verdrängen. Die närrische Zeit nach dem kalten Winter biete ein «Fenster zum Ausbrechen», dabei zeigten sich die «schattigen Geister». Eine Rolle spielten zusätzlich der Alkohol, die Anonymität und das Kollektiv. Der Psychiater hat schon Fasnächtler therapiert, die genug haben vom «kindischen Treiben». Viele würden ihr Hobby wechseln und sich von der Fasnacht abwenden. Wissenschaftliche Belege oder gar Zahlen für seine Beobachtungen kann der Psychiater zwar nicht vorlegen – aus einem einzigen Grund, wie er sagt, «weil das für Langenthal einfach noch nie untersucht worden ist». «Ich könnte 5 Mal pro Tag» Doch die Szenekenner sind sich einig. «Jesses, es läuft wahnsinnig viel an der Fasnacht», sagt eine Langenthaler Wirtin. «Ich könnte Romane schreiben dazu.» Sie kenne verheiratete Frauen, die die Fasnacht nur besuchten, um fremdzugehen. Auch die «Saubermänner» schlügen immer wieder zu. Wenn sie an der Fasnacht unterwegs sei, böten sich ihr ständig Gelegenheiten, mit einem Mann das Bett zu teilen. «Ich könnte 5 Mal pro Tag.» Wie ihre Branchenkollegin kennt auch die Wirtin Ehen, die wegen der Fasnacht geschieden wurden. Ein Indiz dafür liefert die Statistik von Scheidungsanwältin Armida Bianchi Lerch. Der März sei auf jeden Fall ein Monat, in dem sie jeweils viele neue Mandate erhalte, sagt die Niederbipper Anwältin. Allerdings könne sie nicht genau sagen, ob dies mit der Fasnacht zusammenhänge. Denn seit dem neuen Familienrecht braucht es keinen Schuldigen mehr, damit eine Trennung vollzogen werden kann. Deswegen fragen die Anwälte auch nicht mehr nach dem Trennungsgrund. Dennoch ist auch Bianchi Lerch überzeugt, dass es an der Fasnacht mehr Seitensprünge gibt. Ein solches Verhalten werde ja auch toleriert; die Kontrolle sei geringer als sonst. Sind alles nur Märchen? Nur einer sieht das ganz anders: Rolf Dünki, Fasnächtler der ersten Stunde, Mitglied der «Schier Wiiber»-Clique und Ex-Chef der Fasnacht. «Ich bezweifle, dass die Fasnächtler Seitensprung-freudig sind», sagt er. Und die Erlebnisse der Insider? Das seien doch alles nur Märchen. Der traditionelle Fasnächtler mache so etwas nicht. In Langenthal kenne schliesslich jeder jeden. «Wir sind hier wie eine grosse Familie.» Dominik Balmer>

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