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Jetzt lässt auch die Kirche rubbeln

Reformierte Kirche46 Kirchgemeinden im Kanton Bern setzen auf die Spielfreude der Menschen –

Ab heute ist die Welt der Rubbellose um ein Glücksspiel reicher. 200000 Karten flattern in Briefkästen. Sie liegen nicht irgendwelcher Werbung bei, sondern Kirchgemeindeblättern und in bestimmten Gemeinden auch der Zeitung «Reformiert». Heute startet die reformierte Kirche in den Kantonen Bern, Solothurn, Aargau und Zürich ihr eigenes Glücksspiel. Mit der von der Zürcher Werbeagentur Wirz entwickelten Idee ist sie allerdings nicht in allen Kirchgemeinden auf offene Ohren gestossen. Etwa der Begründung, die Kirche dürfe sich nicht derart «anbiedern» oder sie «verscherble etwas Kostbares», wenn sie auf die schrille Marketingmaschine aufspringe, lehnten einige ein Mitmachen ab. Andere Kirchgemeinderäte und Pfarrerteams aber hätten schlicht aus Zeitmangel verzichtet, erklärte Thomas Gehrig gestern vor den Medien. Trotzdem zeigte sich der Kommunikationschef der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn «hell begeistert» von der Anzahl Kirchgemeinden, die im Gebiet der Berner Landeskirche mitmachen: 46 von rund 200 sind es. Kein Geld zu gewinnen Angesichts der Tatsache, dass die Berner erstmals an einer interkantonalen Kampagne teilnähmen sei das sehr viel, sagte er. Gesamthaft machen in den vier Kantonen 140 von 500 Kirchgemeinden mit. Nach den 200000 Losen, die im Briefkasten landen, werden die Kirchgemeinden bis am Bettag vom 18.September weitere 400000 Lose verteilen. Auch über die Internetseite www.kirchengluecksspiel.ch (oder über die Gratis-Hotline 0800 444 333) können Spielfreudige ihr Glück versuchen. Als Gewinn winkt weder eine Kreuzfahrt noch ein Luxusauto. Beträge von 50 oder 100 Franken sind zu errubbeln, wandern aber nicht in die Tasche des Spielers. Souperia, BarWer gewinnt, gewinnt «ein gutes Gefühl», wie die Reformierten schreiben. Aus den Gewinnern werden Wohltäter: Sie entscheiden, welchem kirchlichen Projekt das Geld zukommen soll, ob einem Integrationsprojekt für Migrantinnen, einem Jugendlager, einer Senioren-Souperia oder etwa einer Paar-Bar. Während der Gewinner unter den über 300 Angeboten das Passende sucht, erfüllt er den Zweck der Kampagne: Er nimmt zur Kenntnis, was die Kirche alles bietet. «Wir wollen die 30- bis 60-Jährigen ansprechen», sagte Gehrig, der von «den Papierreformierten» sprach, die Kirchensteuern bezahlten, aber kaum mit der Kirche in Berührung kämen und oft ein veraltetes Bild von deren Angeboten hätten. Die Landeskirchen füllten den Topf mit 30000 Franken. Die einzelnen Kirchgemeinden dürfen also keine hohen Beträge erwarten. Ihr Gewinn sei die Anerkennung, sagte Gehrig. Die Reformierten hoffen, über die Hotline mit Leuten in Kontakt zu kommen, die sich sonst nicht in der Kirche melden. Das Thema «Glück» solle aber auch «theologisch fundiert» aufgegriffen werden, sagte Gehrig. Viele Kirchgemeinden werden das «Glück» in den nächsten Wochen auch im Gottesdienst behandeln. «Das Thema führt in Tiefen, zu denen die Kirche etwas beitragen kann», sagte der Thuner Pfarrer Markus Meinen. Susanne Graf>

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