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Jetzt sind auch Kühe im Altersheim

ReichenbachSeit Freitag hat es im Altersheim Kühe, allerdings keine, die «muuhh» machen. Die Bewohner haben sich schon vor der Vernissage sehr intensiv mit den Bildern von

Die Kühe heissen Stern, Freude, Blösch, Alma, Meiel und Enzian. Die Geissen heissen Gritli und Lise. Die Namen haben Bewohner des Altersheims Reichenbach ausgewählt. Die Bilder mit den ausdrucksvollen Tierköpfen von Björn Zryd bereiten ihnen grosse Freude, und diese bleiben bis Ende August im Heim. Wie man es vom Künstler gewohnt ist, sind sie bunt, rot, grün, blau, gelb, violett. Den Bewohnern gefällt, dass sie alle Hörner haben. «Das ist bereits die 21.Vernissage im Altersheim Reichenbach», freute sich Heimleiterin Annemarie Kempf Schluchter, die seit 2003 Ausstellungen organisiert. Björn Zryd kennt sie seit 20 Jahren, und sie hat ihn immer wieder für eine Ausstellung angesprochen. Jetzt ist es so weit. Die Bilder hängen im Saal, und auch Besucher von ausserhalb des Heims sind eingeladen, sie zu betrachten. Gilb-Art seit 1986 Der 48-jährige Björn Zryd ist ausgebildeter Bildhauer, hat in Brienz geschnitzt und war auch im Ausland. Er wohnt mit seiner Frau Pia und den drei Söhnen im Gilbach, im Haus des Grossvaters. Nebenan wohnt seine Mutter, sein Vater verstarb 1993. Es lag nahe, dass seine 1986 gegründete Künstlerei Gilb-Art heisst. Der urchige und einfach gebliebene Adelbodner zieht sich gerne in die Abgeschiedenheit zurück und arbeitet seit 7 Jahren an seinen Themen Kühe und Geissen – Tierköpfe mit viel Ausdruck. Geissen sind neugierig frech. «Menschen sind gierig. Kühen scheint Stress egal zu sein. Sie fressen Gras, saufen Wasser, geben Milch, legen sich hin, käuen wieder und schlafen», sagt Zryd bewundernd. Diese Genügsamkeit beeindruckt ihn immer aufs Neue. Er experimentiert mit Acrylfarben, beginnt mit einer sehr dünnen Lasur, baut Schicht um Schicht auf, bis zu zwanzig. Die Farbe mischt er dabei immer intensiver und dicker. Und er kommt an bei den Leuten, auch in der Stadt. «Sie holen sich gerne ein Stück Natur und Landleben in ihre Stube», so Zryd. Er malt oder schnitzt zur Hälfte nach Auftrag. Sein Traum wäre es, als freischaffender Künstler zu leben. «Aber bei der Gründung der Familie, musste ich Kohle verdienen», meint er. So standen zu Beginn Auftragsarbeiten im Vordergrund. Vielleicht kann er sich, wenn die Kinder ausgeflogen sind, seinen Traum erfüllen. Emotionen und Diskussionen «Viele der Bewohner sind Spezialisten in Sachen Landwirtschaft und haben eifrig über die Tierköpfe diskutiert», betonte Kempf in ihrer Laudatio. Die Ausstellung regt zu Gesprächen an und weckt Erinnerungen. Viehhändler Mosimann, ein Bewohner im Heim, hatte 30 Jahre einen Bauernbetrieb. Er erzählte, dass die Kühe bei jedem Kalb, das sie auf die Welt bringen, eine Rille mehr an den Hörnern bekommen und dass er den Kälbern immer Namen mit dem Anfangsbuchstaben der Mutter gab und damit die Zuchtlinie benannte. Die Panflötengruppe El Marumoroso, deren Name sich aus den Vornamen der Mitglieder zusammensetzt, erfreute die Anwesenden an der Vernissage mit einem Konzert in zwei Teilen. Die achtköpfige Gruppe war noch durch zwei weitere Spieler ergänzt worden. Sie spielten auch einige Volkslieder wie «Ds Buurebüebli», wo mitsingen empfohlen wurde. «Immer wieder wollen die Bewohner diese Gruppe hören», freute sich Annemarie Kempf Schluchter. Rösi Reichen>

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