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Jetzt wird ausgesiebt

Die Justizkommission des Kantons Bern wurde überhäuft: Für 120 Laienrichterjobs gingen über 800 Bewerbungen ein – und weitere werden folgen. Noch ist nicht klar, nach welchen Kriterien diese

120 Laienrichterstellen gibt es im Kanton Bern im Zuge der Justizreform neu zu besetzen. Zum ersten Mal konnten sich Bernerinnen und Berner direkt für dieses Amt bewerben, sie mussten nicht von einer Partei vorgeschlagen werden. 812 Deutsch- und 16 Französischsprachige haben die Gelegenheit ergriffen. Bis am 26.Februar haben nun noch die Parteien Zeit, ihre Kandidaturen anzumelden. Dabei ist noch einmal mit mehreren hundert zu rechnen. «Weiche Faktoren»Grossrat Samuel Leuenberger (BDP, Trubschachen) ist als Präsident des Wahlausschusses der Justizkommission «glücklich über den grossen Zulauf». Einerseits weil ihm die grosse Anzahl an Bewerbungen beweise, dass die Laienarbeit in der Strafjustiz einem Bedürfnis entspreche. Andererseits ist er angesichts der grossen Auswahl überzeugt, «dass wir am Schluss 120 Personen zur Wahl vorschlagen werden, für die wir die Hand ins Feuer legen können». In der Septembersession wird der Grosse Rat die Wahl vollziehen. Bis es so weit ist, hat der Wahlausschuss stapelweise Bewerbungsdossiers zu sichten und auszusortieren. Noch kann Leuenberger nicht sagen, nach welchen Kriterien Bewerbungen in die engere Wahl kommen oder mit einem freundlichen Begleitbrief zurücgeschickt werden. Der Wahlausschuss IVa, der die Laienrichterwahlen durchführt, habe die gewünschten Merkmale noch nicht definiert. Leuenberger weist aber darauf hin, dass es die zehnköpfige Gruppe unter der Leitung von Grossrätin Therese Beeri (SP, Münsingen) schwieriger haben werde als der von ihm präsidierte Ausschuss. Leuenberger ist verantwortlich für die Wahlvorbereitung der hauptamtlichen Richterinnen und Richter. «Ich habe klare Messlatten.» Es sei klar definiert, was ein Kandidat für ein Amt als Gerichtspräsident mitbringen müsse. Bei den Laienrichtern hingegen zählten «weiche Faktoren». Ihre Aufgabe sei es, «die Stimme aus dem Volk» in die Justiz einzubringen. Hoffen auf Verständnis Von den gesetzlichen Bestimmungen her sei der Ausschuss völlig frei, wen er zur Wahl vorschlage und wen er ausschliesse. Leuenberger weiss: «Bei so vielen Bewerbungen wird es zu Entscheidungen kommen.» Auch wenn diese für die Betroffenen nicht immer nachvollziehbar sein werden, hofft der Grossrat, «dass sie akzeptiert werden». Bisherige Laienrichter, die von den Parteien zur Wiederwahl vorgeschlagen werden, starten mit einem Vorteil ins Rennen. «Ihr Know-how möchten wir nicht verlieren», sagt Leuenberger und fügt an: «Aber es werden sich nicht genügend Bisherige bewerben.» Kein Dreck am SteckenBewerbungsgespräche wird der Ausschuss mit den Personen, die sich für ein Laienrichteramt interessieren, keine durchführen. «Spezifisches Wissen müssen sie ja keines mitbringen», erklärt Leuenberger. Im Gegensatz zu den Richtern mussten Laienrichteraspiranten ihren Bewerbungen auch keine Straf- und Betreibungsregisterauszüge beilegen. Doch Leuenberger hat keine Angst, dass plötzlich Personen zu Gericht sitzen könnten, die selber Dreck am Stecken haben. «Es steht uns frei, selber Berichte einzuholen», sagt er, glaubt aber nicht, dass dies nötig werden wird: «Es werden Leute vorgeschlagen, die man kennt und die einen guten Leumund haben.» Neu: Blick ins StrafregisterFür Wahlen durch den Grossen Rat seien bisher nie Straf- und Betreibungsregisterauszüge verlangt worden. Die hauptamtlichen Richterinnen und Richter sind laut Leuenberger die ersten, die sich nicht ohne diese Dokumente bewerben konnten. Das sei denn auch «nicht überall goutiert» worden, stellt er fest. Trotzdem sind 100 Bewerbungen für die 62 Richterstellen in den Regionalgerichten eingegangen. Auf besonderes Interesse stiessen zudem die Fachrichterstellen am Jugendgericht: Für 12 Nebenämter bewarben sich 61 Personen .Susanne Graf>

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