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Jugendorchester mit Jetlag

Von Kuba nach Köniz: Kubanische Jugendliche spielen mit dem Sextett «Travesías» Kompositionen des Berner Musikers Simon Ho. Die Premiere findet am Freitagmorgen im Münster statt. Ein Probenbesuch.

Gähnend sitzen am Mittwochnachmittag über dreissig kubanische Teenager hinter ihren Notenständern im Zingghaus Köniz. Kein Wunder sind sie müde. Wenn es in Köniz 14 Uhr schlägt, ist es in ihrer Heimat erst 8 Uhr morgens, und die Orchesterprobe ist bereits seit zwei Stunden im Gange. Für die Schülerinnen und Schüler ebenso ungewohnt sind die herbstlichen Temperaturen: Die Mädchen tragen mehrere Schichten dünner Pullis, einige haben sich Wollmützen übergestülpt. Ja, so ein Kulturschock inklusive Jetlag ist anstrengend. Aber sobald der Dirigent die Arme hebt, sind alle Gedanken bei der Musik, und die Begleiterscheinungen gehen vergessen. Bläser, Streicher, Perkussionisten und Sängerinnen richten sich auf, den Blick nach vorn – das Stück kann beginnen. Zuhause in der Ferne «Travesías 2010» heisst der Grund, warum Schüler der Escuela Paulita Concepción statt in Havanna in Köniz musizieren. Unter der Leitung von Lorenz Hasler erarbeiteten die neun bis fünfzehnjährigen Kinder gemeinsam mit dem Sextett «Travesías» (Überquerungen) ein Programm zum Thema «Daheim in der Ferne». Die insgesamt elf Stücke sind vertonte Gedichte von europäischen und kubanischen Lyrikern, die Kompositionen stammen vom Berner Komponisten und Travesías-Pianisten Simon Ho. Seine rhythmisch dynamischen Stücke lassen mal an französische Chansons, mal an fröhlich-träumerische Filmmusik denken. Mit Jugendlichen aktiv Die Musiker realisierten 2008 bereits ein Projekt mit Könizer Schülern – Lorenz Hasler ist ihr Musikschulleiter. Die Idee, mit kubanischen Schülern ein interkulturelles Projekt zu machen, entstand nicht zuletzt dank des kubanischen Gitarristen Victor Pellegrini und der Cellistin Amparo del Riego Vidal des Sextetts. Ermöglicht hat es unter anderem der Interkantonale Rückversicherungsverband (IRV). Im Rahmen der Festlichkeiten zu seinem 100-jährigen Bestehen hat der IRV die Reise und Unterkunft der kubanischen Jugendlichen finanziert. Austausch als Ziel Von den kubanischen Schülern ist Hasler begeistert. «Sie lassen sich ganz auf die Sache ein und verhalten sich für ihr Alter sehr professionell», schwärmt er. In ihrer Heimat haben die Kinder keine Sonderstellung; sie gehen in Havanna in eine normale Volksschule mit den Schwerpunkten Tanz und Musik. «Sie führen ein sehr einfaches Leben, das Pfadiheim ist für sie wie ein Fünf-Sterne-Hotel», meint Hasler. Die Zusammenarbeit sei toll, da sie sich aufs Wesentliche konzentrierten. In der Schweiz seien viele Leute von Kommerz übersättigt und ständig abgelenkt, und das sei nicht selten ein Hindernis beim Arbeiten. Und gearbeitet wird in dieser ersten Berner Probe hart. Die Schüler spielen auf hohem Niveau. Trotzdem werden einzelne Takte zigmal wiederholt. So lange, bis Hasler zufrieden ist. Manchmal schmunzeln die Schüler heimlich, wenn er seine Anweisungen auf Spanisch nicht richtig ausspricht. Umgekehrt singen die Mädchen das einzige französische Stück mit einem doch sehr kubanischen Akzent. Über die Sprache der Musik verstehen sich aber alle problemlos. Und dieses Erlebnis möchten sie an ihrem Konzert weitergeben. Martina KammermannKonzerte in Bern am Freitag, 10.9., um 10Uhr im Münster; am 15.9. um 20 Uhr in der Grossen Halle der Reitschule; am 19.9. um 20.00 Uhr in der Mühle Hunziken; am 20.9. um 18.30 Uhr mit Könizer Schülern im Gemeindehaus Köniz. Infos: www.travesias.ch>

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