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Jungfilmer machen sich auf nach Luzern

zollbrückDie Neuntklässler der Sekschule Zollbrück nahmen an einem Filmwettbewerb in Luzern teil. Den Preis haben sie zwar nicht gewonnen, dafür viel Erfahrung.

Irgendwie hat niemand so recht mit dem Gewinn rechnen wollen. Klar, ein Funken Hoffnung war an diesem Tag da, dass es vielleicht doch klappen könnte. Hoffnung, gepaart mit Neugierde, Vorfreude und Vorbehalten. «Wir sind nicht extrem optimistisch, aber wir können durchaus mithalten», sagt Lehrer Stefan Wittwer einige Stunden vor der Verleihung. Am Mittwoch reisten fünf Schulklassen aus fünf verschiedenen Kantonen ins Verkehrshaus Luzern, um zu hören, wer dieses Jahr den Preis für das beste Filmprojekt einheimst, den sogenannten Kid Witness News Award. Zum zweiten Mal hatte das Unternehmen Panasonic Schweiz den Wettbewerb ausgeschrieben. Die Schulteams hatten die Aufgabe, einen fünfminütigen Filmbeitrag zu den Themen Umwelt oder Kommunikation zu drehen. Als Vertretung für den Kanton Bern war die 9.Klasse der Sekundarschule Zollbrück mit ihrer Reportage über die zunehmende Zersiedelung und Zubetonierung der Schweiz auserkoren worden. Das Filmprojekt Die 22 Schülerinnen und Schüler steigen zusammen mit Klassenlehrerin Susanne Zaugg sowie Deutschlehrer und Projektleiter Stefan Wittwer um 12.07 Uhr in Zollbrück in den Zug Richtung Langnau und Luzern. In den Abteilen beratschlagen sich die 15-Jährigen, stellen Vermutungen an, scherzen. «Wie wohl die Chancen stehen?», fragen sie sich. Im Zug erzählt Stefan Wittwer, wie das Projekt zustande gekommen ist. Eine Kollegin habe ihn auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht. Die Schüler seien von Anfang an begeistert gewesen und hätten viele Vorschläge eingebracht. Nach Ausschlussverfahren hätten sie sich dann auf das Problem der Zersiedelung geeinigt. «Ein Thema, das wir als Landschule gut aufnehmen konnten. Wir sehen ja, wie das, was vorher grün war, jetzt überbaut ist», sagt Wittwer. Ein Thema auch, das in der letzten Zeit an Aktualität gewann, hat doch Bundesrätin Doris Leuthard eben erst das von Bund, Kantonen und Gemeinden ausgearbeitete Raumkonzept gegen die Zersiedelung vorgestellt. Jede Sekunde werde in der Schweiz ein Quadratmeter Land überbaut. Der Höhepunkt Die Neuntklässler haben sich im Herbst in Fünfergruppen organisiert, während der Schul- und in der Freizeit Interviews mit Politikern, Bauunternehmern, Umweltschützern und Bauern geführt, das Drehbuch geschrieben und sich in Kameraführung, Tonaufnahmen sowie Computersoftware geübt, erzählt Lehrer Wittwer weiter. Die Filmausrüstung und einen Coach stellte Panasonic zur Verfügung. Ende November waren die Szenen im Kasten, dann gings ans Schneiden. Für den Schnitt zuständig war die 15-jährige Nadine Hutmacher. Tagelang hat sie gearbeitet, sogar in den Ferien. «Ich bin manchmal fast verzweifelt», sagt sie. «Welche Szenen nimmt man, welche lässt man weg, das war keine leichte Aufgabe.» Nach diesem Zeitaufwand würde sie sich über einen Sieg sehr freuen. Im Abteil weiter vorne, bei den Jungs, gibt man sich bescheidener: «Wir werden wohl nicht gewinnen», sagt Tom Egli. Er hat zusammen mit seinen zwei Kollegen die Filmmusik komponiert – mit Bass, Schlagzeug und Gitarre. Die Reise nach Luzern ist nun der Höhepunkt des viermonatigen Schaffens. In Luzern angekommen, machen sich die Klasse und ihre beiden Begleiter auf zum Verkehrshaus, wo alle fünf Filme auf Grossleinwand gezeigt werden. Sie decken eine breite Palette ab – vom Wolf in der Schweiz bis zur Klimaerwärmung. Nach der Vorführung wird spekuliert, die Spannung steigt. Die Jury, in der auch der langjährige «Tagesschau»-Moderator Charles Clerc sitzt, zieht sich zurück. Die Entscheidung sollte ihnen nicht leicht fallen. Und als sich nach einem langen Nachmittag gegen 17 Uhr endlich die Erlösung anbahnt und die Gewinner bekannt gegeben werden, fällt die Anspannung und Nervosität von der Zollbrücker Filmcrew ab. Es hat nicht gereicht. Die Ernüchterung Den Sieg tragen andere davon. Den Pokal in die Höhe halten kann die Schule Rütihof aus Zürich mit ihrem Film über eine Migrantenklasse. Sie sind damit für den Europäischen Kid Witness News Award in Deutschland qualifiziert. Die Emmentaler müssen sich mit dem Spezialpreis für die beste ökologische Botschaft zufrieden geben: Die Jury lobt die mutige Auswahl eines nicht sehr populären, weil komplexen Themas – eines wohl zu komplexen Themas, wie vermutet wird. Die Jugendlichen nehmen es gelassen. Sie trösten sich damit, dass ihre Schule im nächsten Jahr wieder mitmachen werde. Sie waren froh, dabei gewesen zu sein, froh über die Erfahrung, lautet der Tenor. Bei Stefan Wittwer klingt es ähnlich: «Einen Moment lang war der Hauch einer Enttäuschung da», gesteht er. «Aber es war vor allem eine Abwechslung zum üblichen Unterricht. Eine gute Sache.» Der Anlass habe ihn noch mehr motiviert. Dann macht er sich mit den Jungfilmern auf dem Heimweg.Nadja NoldinDie Videobeiträge der Schulteams: www.youtube.com/thekwnch >

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