Kanton Bern

Berndeutsch für Fortgeschrittene: Ohrepänk

Kanton BernNamensabkürzungen aus dem Berndeutsch wie «Fabä» oder «Sändlä» sind einfach nicht so entzückend. Obwohl Berndeutsch ja eigentlich als ein sehr charmanter Dialekt angesehen wird.

Beim Wort «Ohrepänk» fehlt es einfach an Liebenswürdigkeit, welcher die Berner Mundart sonst zur Genüge hat.

Beim Wort «Ohrepänk» fehlt es einfach an Liebenswürdigkeit, welcher die Berner Mundart sonst zur Genüge hat. Bild: Mirjam Comtesse

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Nei, Mire, bitte lern nicht Berndeutsch. Ich liebe deinen Dialekt.» Das schrieb mein Berner Kollege Jüre auf meine Ankündigung, dass ich mich im Berner Dialekt übe. Jüre ist übrigens der Einzige, der mich ungestraft «Mire» nennen darf.Und jetzt muss ich Ihnen leider etwas sagen, mit dem ich mich höchstwahrscheinlich sehr unbeliebt mache: Berndeutsch ist ja tatsächlich ein sehr charmanter Dialekt, aber sogar er hat seine unschönen Seiten.

Bei Namensabkürzungen zum Beispiel, da kräuselt es mir regelmässig die Zehennägel. «Fabä» für «Fabienne» oder «Sändlä» für Sandra, daran werde ich mich nie gewöhnen. In der Ostschweiz sagten wir «Fabi» oder «Sändi». Das klingt doch deutlich weicher und ­herziger.

Darf ich Ihnen das hässlichste berndeutsche Wort verraten? Das gibt es nicht, denken Sie? Und ob! Ich sage nur: «Ohrepänk». Da fehlt nun wirklich jede Liebenswürdigkeit, mit welcher die Berner Mundart sonst gesegnet ist.

Aber gemach, ich will natürlich nach wie vor Berndeutsch lernen. Die wenigen unschönen Ausdrücke werde ich einfach weglassen. Es gibt im Übrigen auch Ostschweizer Wörter, die ich bewusst aus meinem aktiven Wortschatz gestrichen habe.

Dazu gehört «Schoggibrügeli» (Schoggistängeli). Als ich dies vor 15 Jahren zum letzten Mal laut sagte, erntete ich gellendes Gelächter. Ähnlich reagieren heute meine Kinder, wenn ich ihnen sage, sie sollten endlich ihren «Verlag» (Unordnung) aufräumen oder die «Sandaletten» (Sandalen) aus dem «Chaschte» (Schrank) ­holen.

Die Kleinen sind eben richtige Berner. Das wurde mir kürzlich sehr schmerzhaft bewusst, als meine Tochter mich fragte: «Mami, darf ig mir Löchli lah mache für Ohrepänk?»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 29.08.2018, 19:09 Uhr

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