Altstadt: Läden dürfen länger offen bleiben

Bern

Die Läden in der unteren Berner Altstadt sollen künftig länger geöffnet sein können. Das hat der Grosse Rat am Dienstag entschieden.

Die untere Altstadt in Bern: Künftig soll sie als Tourismusgebiet bezeichnet werden, um längere Ladenöffnungszeiten zu ermöglichen.

Die untere Altstadt in Bern: Künftig soll sie als Tourismusgebiet bezeichnet werden, um längere Ladenöffnungszeiten zu ermöglichen.

(Bild: Susanne Keller)

Sandra Rutschi

In der touristisch geprägten unteren Berner Altstadt können die Läden künftig länger geöffnet bleiben. Mit 74 zu 65 Stimmen bei 7 Enthaltungen überwies der Grosse Rat am Dienstag einen entsprechenden Vorstoss von Adrian Haas (FDP, Bern).

Der Regierungsrat muss dem Parlament nun eine Gesetzesänderung vorlegen, welche die untere Altstadt als Tourismusgebiet bezeichnet. Laut Haas erleichtert dies den Weg hin zu Ladenöffnungszeiten von täglich 6 bis 22.30 Uhr. Ob die Ladenbesitzer diese Möglichkeit nutzen wollen, stehe ihnen aber offen, betonte Haas.

Widerstand von Links-Grün

SP, Grüne und EVP hatten keine Freude am Vorstoss des Freisinnigen. Erst wolle Haas nur die Läden in der unteren Altstadt länger öffnen, dann in der ganzen Altstadt und später vielleicht in ganz Bern, fanden sie. Andrea Zryd (SP, Magglingen) warf ihm Salamitaktik vor. Natalie Imboden (Grüne, Bern) betonte, die untere Altstadt lebe vom «Mix kleiner Läden». Sie befürchtet, dass sich bei liberaleren Öffnungszeiten vermehrt Luxusboutiquen wie in Interlaken oder Ladenketten in der unteren Altstadt niederlassen. Die EVP wiederum sah im Vorstoss den Sonntag als Ruhetag in Gefahr.

Allgemein betonten die Gegner der Motion, dass diese die Arbeitsbedingungen des Verkaufspersonal verschlechtere. In einer Aktion der Unia protestierten nach dem Entscheid etwa ein Dutzend Detailhandelsangestellte auf dem Rathausplatz. Die GLP sah in der Motion Vor- und Nachteile. Zum einen würden die Läden in der unteren Altstadt gegenüber jenen in der oberen Altstadt bevorzugt, wenn sie länger geöffnet bleiben könnten, sagte Sprecher Michel Rudin (Lyss). Zum anderen sei es aber nicht nachvollziehbar, wenn Touristen in einem Unesco-Weltkulturerbe sonntags nicht einkaufen könnten. «Das ist eine Qualität, die wir uns leisten können», fand er.

Rückenwind von SVP und BDP

Hinter den Vorstoss stellten sich BDP und SVP. «Dadurch entstehen neue Arbeitsplätze», sagte Erich Hess (SVP, Bern). Und Vania Kohli (BDP, Bern) verwies auf eine Motion ihres Parteikollegen Mathias Tromp (Bern) aus dem Jahr 2010, welche die längeren Ladenöffnungszeiten in der gesamten Altstadt einführen wollte. Diese ebenfalls überwiesene Motion von Tromp harrt einer Fristverlängerung, weil für deren Umsetzung das Bundesrecht geändert werden müsste. Für die Motion von Haas ist dies nach dessen Angaben nicht nötig.

Mit Links-Grün kämpfte auch Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (SP) vergebens gegen die Motion an. Schon die heutigen möglichen Ladenöffnungszeiten würden von den Ladenbesitzern nicht ausgenutzt, betonte er.

«Für Ketten uninteressant»

Haas weibelte indes geschickt für seinen Vorschlag. So seien die Bauvorschriften in der unteren Altstadt derart strikt, dass die Liegenschaften für Ladenketten kaum interessant sein dürften, konterte er die Bedenken. Ab dem zweiten Stockwerk seien zum Beispiel nur noch Wohnungen zulässig.

Zudem würden der Gemeinderat der Stadt Bern, Bern Tourismus und die Innenstadt-Organisation Bern City hinter dem Anliegen stehen. Dass dies wohl nur bedingt stimmt, zeigen die Reaktionen von Bern City und Stadtpräsident Alexander Tschäppät (siehe Box).

Berner Zeitung

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