Bern bekommt die zweite Röhre

Das Lobbying war von Erfolg gekrönt: Bis 2035 soll der Lötschberg-Basistunnel fast komplett zweispurig befahrbar sein.

Der Lötschberg-Basistunnel soll doch ausgebaut werden.

Der Lötschberg-Basistunnel soll doch ausgebaut werden.

(Bild: zvg)

Philippe Müller

Der Bundesrat hat gestern mit seinem Beschluss über den Bahnausbauschritt 2035 auch den Kanton Bern beglückt. Entgegen ihren ursprünglichen Plänen will die Landesregierung den Lötschberg-Basistunnel nun doch ausbauen. Die 15 Kilometer lange, im Rohbau befindliche Tunnelstrecke zwischen Mitholz und Ferden soll endlich mit Schotter, Schienen und Oberleitungen ausgestattet werden. Sofern das eidgenössische Parlament zustimmt, wird der Basistunnel künftig also grösstenteils zweispurig sein, nur auf den rund sechs Kilometern zwischen Mitholz und Frutigen wird er weiterhin nur einspurig befahrbar sein.

Für die BLS als Betreiberin des Lötschberg-Basistunnels war die Nachricht aus dem Bundeshaus selbstredend eine gute. «Damit werden die Voraussetzungen für den Intercity-Halbstundentakt zwischen dem Wallis und Bern geschaffen», sagte BLS-Mediensprecherin Tamara Traxler. Und im Güterverkehr ermögliche der Ausbau wesentliche Produktivitätsgewinne durch die Verlagerung von Zügen von der Berg- auf die Tunnelstrecke. In Zahlen bedeutet das Folgendes: Können heute täglich maximal 50 Personen- und 80 Güterzüge den Basistunnel passieren, sollen es künftig 72 Personen- und höchstens 178 Güterzüge sein.

Egger ist erleichtert

Der nun beschlossene Ausbau des Lötschbergtunnels ist eng verknüpft mit Barbara Egger. Die ehemalige Verkehrsdirektorin des Kantons Bern war es, die vor knapp acht Jahren das Lötschberg-Komitee gegründet hat. Bis heute ist sie dessen Co-Präsidentin. In diesem Gremium waren zahlreiche Ständeräte, Nationalräte, Regierungsräte und andere Exponenten aus zahlreichen Kantonen vertreten. Das breite Lobbying – dazu gehörten etwa Veranstaltungen in der leeren Tunnelröhre sowie ein Newsletter – hat sich bezahlt gemacht. Es hat dazu geführt, dass sich während der Vernehmlassung in den letzten Monaten fast alle nationalen Parteien und Organisationen für den Lötschberg-Ausbau ausgesprochen haben.

«Wir konnten davon ausgehen, dass sich dank diesen Bemühungen von vielen Seiten auf Bundesebene etwas bewegt», sagte Egger gestern. Dass es nun tatsächlich geklappt habe, «freut mich ausserordentlich. Ich bin sehr glücklich darüber». Denn die leere zweite Röhre habe einfach keinen Sinn ergeben.

Vollausbau bleibt das Ziel

«Durch den Ausbau profitiert nicht nur unser Kanton, sondern die ganze Schweiz», so Egger. Trotz aller Freude verliert sie das eigentliche Ziel nicht aus den Augen: «Die letzten sechs Kilometer müssen irgendwann auch noch ausgebrochen werden, damit wir im Lötschberg zwei durchgängige Spuren haben.» Sie geht davon aus, dass ein solcher Endausbau frühstens zwischen 2045 und 2050 realistisch ist. Auch die BLS verfolgt das Ziel Vollausbau, weil das die Kapazität noch einmal erhöhen würde.

Berner Zeitung

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