Bern lässt sich von Graubünden inspirieren

Im Kanton Bern werden bärensichere Abfalleimer und Kompostfässer erst Thema, wenn das Raubtier mehrmals am selben Ort auftaucht.

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Ein Griff zum Telefon und ein Anruf an seinen Kollegen im Kanton Graubünden: Das war etwas vom Ersten, das der Berner Jagdinspektor Niklaus Blatter machte, nachdem letztes Jahr der Bär wieder im Kanton Bern aufgetaucht war. «Dort haben sie am meisten Erfahrung, und der Austausch ist wichtig. Zudem erwartet man von uns, dass wir sofort reagieren», sagt Blatter.

Einen Tag nach der ersten Sichtung des Bären im Eriz veröffentlichte das Jagdinspektorat ein Merkblatt, wie man sich gegenüber dem Tier am besten verhält. Es ist eine Kopie des Bündner Merkblatts. «Es hätte keinen Sinn ergeben, ein neues zu schreiben.»

Abwarten und informieren

Zurzeit lautet die Devise des Kantons Bern: Abwarten, informieren und beobachten. «Wir wollen erst dann bärensichere Abfalleimer installieren oder zu Kompostfässern raten, wenn der Bär längere Zeit an einem Ort bleibt.» Wenn die Massnahmen zu früh eingeführt würden, könne das unnötige Angst bei der Bevölkerung auslösen.

Bei den regelmässigen Bärenbesuchen denkt Niklaus Blatter nicht an Bärenreviere. Sondern an wandernde Bärenmännchen, wie sie auch im Bündnerland immer wieder auftauchen. Bislang war der Berner Bär aber mal hier, mal dort: Im Eriz, am Thunersee, an der Lenk. Da er in kurzer Zeit weite Distanzen zurücklegt, ist er oft verschwunden, bevor die Einwohner ­Bescheid wissen.

Seit kurzem mit Whatsapp

Wenn Imker ihre Bienenhäuser schützen wollen, erhalten sie auch im Kanton Bern Geld von der öffentlichen Hand: Der Bund unterstützt sie mit einmalig 700 Franken pro Standort. Laut einem Merkblatt der landwirtschaftlichen Beratungszentrale Agridea kostet ein Zaun je nach Grösse des Bienenhauses 500 bis 1000 Franken.

Seit Mitte Juli nutzt auch die Berner Wildhut Whatsapp-Gruppen, um Landwirte über anwesende Raubtiere zu informieren. Inspiriert wurde sie ­dabei allerdings nicht von den Bündnern – sondern vom Berner Bauernverband, der diese Idee lanciert hatte und mit dem sie zusammenarbeitet.

«Es ist eine gute Sache, hat aber einen Haken», sagt Blatter. «Wir wissen oft erst nach DNA-Proben, ob ein Tier wirklich von einem Raubtier gerissen wurde.» Dann sei es zu spät für eine Information. Deshalb weise die Wildhut auch auf Raubtiere hin, wenn noch nicht ­sicher sei, dass wirklich eines dort gewesen sei. «Unter Umständen schlagen wir also vergeblich Alarm.»

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