Bern sperrt nur noch symbolisch ein

Nach dem tragischen Unglück in Polen stellt sich auch im Kanton Bern die Frage: Wie sorgt ein Escape Room für die Sicherheit seiner Besucher?

Alles im Blick: Die Räume des Adventure Room werden mit Videokameras überwacht. Foto: Beat Mathys

Alles im Blick: Die Räume des Adventure Room werden mit Videokameras überwacht. Foto: Beat Mathys

Sheila Matti

Ein leeres Regal an der Wand, ein Fitnessgerät mitten im Raum, ein Zahlenschloss an der Tür zum nächsten Zimmer: Im Adven­ture Room im Untergeschoss des ­Naturhistorischen Museums Bern gibt es einige Rätsel zu lösen. Die Spieler müssen logisch überlegen, Hinweise entschlüsseln und Codes knacken, um weiterzukommen.

Alles, was im Escape Room passiert, hat David Bürgi im Blick. Der 31-Jährige ist Standortleiter der Adventure Rooms in Bern und überwacht die Abenteuer regelmässig. In jedem Raum ist eine Kamera installiert, die sich in alle Richtungen schwenken lässt und über Infrarot verfügt. Alles wird auf Bürgis Bildschirm übertragen. Dank der Videoüberwachung weiss er einerseits, wann die Spieler Hilfe benötigen und wann er ihnen einen Tipp geben muss. Andererseits sorgen die Kameras für mehr Sicherheit.

«Unsere Mitarbeiter können jederzeit eingreifen.»Gabriel Palacios, Geschäftsführer Adventure Rooms

Wie wichtig eine solche Sicherheitsmassnahme ist, zeigte sich letzte Woche auf tragische Weise: In der polnischen Stadt Koszalin fing ein Gebäude Feuer, während fünf 15-jährige Mädchen sich darin gerade an einem Escape Room versuchten. Aus einem Behälter sei Gas ausgetreten, das sich entzündet habe. So die ersten Erkenntnisse der Ermittlungen. Weil die Mädchen im Raum eingesperrt waren, konnten sie sich nicht befreien. Alle fünf kamen ums Leben.

Nicht eingesperrt

So etwas könne in Bern kaum geschehen, sagt Gabriel Palacios, Geschäftsführer von Adventure Rooms – ein weltweites Unternehmen, das seine Wurzeln in der Berner Länggasse hat: «Unsere Mitarbeiter können jederzeit eingreifen.»

Und auch falls Spielleiter David Bürgi etwas passieren würde, wie etwa ein unerwarteter Ohnmachtsanfall, sei man gewappnet: Die Spieler können sich jederzeit selbst befreien, die Tür zum Escape Room wird nicht abgeschlossen. Früher, in den Anfängen des Unternehmens, sei dies zwar noch der Fall gewesen. Schnell habe man sich jedoch dagegen entschieden. «Das ist auch besser für Menschen mit Platzangst», erklärt Palacios, «heute wird man nur noch symbolisch eingesperrt.»

Eingeschlossen wird man im Kanton Bern ohnehin kaum. Alle von dieser Zeitung kontaktierten Escape-Room-Anbieter verzichteten schon vor dem Vorfall in Polen darauf, ihre Türen abzuschliessen – wobei dies ohnehin nicht überall Sinn ergeben würde. Bei Escape Adelboden etwa gehe es nicht darum, auszubrechen, sondern die Gruppe versuche in ein Casino einzudringen, erklärt Inhaber Marco Hadorn. Auch in Adelboden werde das Spiel videoüberwacht.

Kantonale Vorschriften

Hinzu kommt eine Vielzahl an kantonalen Brandschutzvorschriften, welche von den Betreibern beachtet werden müssen. Verlangt werden etwa eine Brandmeldeanlage, genügend Feuerlöscher sowie ein Fluchtwegkonzept. Während Marco Hadorn all diese Dinge in Adelboden übernehmen konnte – sein Escape Room ist Teil der dortigen Freizeit- und Sportarena –, beschäftigen sich andere Anbieter bereits bei der Planung eines Escape Room damit.

So beispielsweise Roman Eggimann von «Die Vierte Wand», dem Escape Room in Langenthal. Die dortigen Räume wurden erst Ende Oktober eröffnet, zuvor musste sich Eggimann mit einer Vielzahl Auflagen beschäftigen – die anschliessend vom Kanton kontrolliert wurden: «Ein Experte der Feuerpolizei kam vorbei, begutachtete die Räume und zeigte uns genau, auf was noch zu achten sei.»

Urs Rupp, Besitzer von Room­exit in Toffen, achtet auch beim Ausdenken der Rätsel auf die Sicherheit. «Wir verwenden beispielsweise keine Requisiten, die für die Spieler gefährlich sein könnten.» Feuer käme, wenn überhaupt, nur in elektronischer Form vor. Zwar werden die Spieler zu Beginn teilweise in Handschellen gelegt. «Um diese im Notfall zu öffnen, steht aber eine Zange bereit. Und meist lösen die Spieler dieses Rätsel ohnehin in den ersten fünf Minuten.»

Berner Zeitung

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