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Berner Fachhochschule wehrt sich gegen die Kritik

Die interne Organisation der BFH stehe in keinem Zusammenhang mit der Standort­frage, sagt Schulratspräsident Markus Ruprecht. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, die Schule hätte den Grossen Rat ­bewusst hintergangen.

Interview: Marius Aschwanden
«Für uns stand die interne Organisationsform bei der politischen Debatte nicht im Vordergrund», sagt Markus Ruprecht, Schulratspräsident der Fachhochschule.
«Für uns stand die interne Organisationsform bei der politischen Debatte nicht im Vordergrund», sagt Markus Ruprecht, Schulratspräsident der Fachhochschule.
Urs Baumann

Herr Ruprecht, weshalb hat die Berner Fachhochschule den Grossen Rat nicht darüber informiert, dass Pläne zur Aufspaltung des Departements Wirtschaft, Gesundheit und Soziale Arbeit (WGS) existieren?Markus Ruprecht:Weil das eine organisatorische Frage ist, die wir klar von der Standortfrage getrennt haben. Um die neue Strategie der Fachhochschule umzusetzen, sind zudem verschiedene Anpassungen nötig. Die Aufteilung des Departements WGS ist nur ein Bereich, die Schaffung der Vizerektorate wäre ein weiteres Thema.

Die Standortfrage ist aber ein hochemotionales Thema. Wäre es deshalb nicht nötig gewesen, die Pläne offenzulegen?Uns war die politische Brisanz bewusst. Deshalb haben wir im Sommer 2015 das Geschäft zurückgestellt. Dies nicht nur aufgrund der Intervention von Regierungsrat Bernhard Pulver, sondern auch, weil dem Schulrat Unterlagen für einen Entscheid gefehlt haben. Deshalb haben wir mehr Informationen eingefordert. Im Juni 2016 stellten dann sämtliche Departementsleiter ihre Departemente dem neu zusammengesetzten Schulrat vor. Anschliessend entschieden wir im September, dass Technik und Informatik sowie Architektur, Holz und Bau am Standort Biel zwei eigenständige Departemente bleiben werden. Noch keinen Beschluss haben wir zum WGS gefällt. Wir sahen den Nutzen einer Aufspaltung noch immer nicht. Erst im Dezember konnten wir entscheiden.

Um auf die Frage zurückzukommen: Wenn Ihnen die politische Brisanz bewusst war, weshalb haben Sie die Pläne nicht transparent gemacht?Für uns stand die interne Organisationsform bei der politischen Debatte nicht im Vordergrund. Uns war nicht ausreichend klar, dass diese von Interesse sein könnte. Wir müssen uns deshalb den Vorwurf gefallen lassen, dass wir die emotionale Seite unterschätzt haben.

War es nicht einfach Kalkül, dass Sie die Pläne verschwiegen haben, weil Sie Angst hatten, dass die Grossräte anders entscheiden könnten?Nein, das war nicht der Fall. Der Schulrat ist von Unternehmern geprägt und in der Politik nur wenig engagiert. Es war daher keine Abwägung, was hätte passieren können, wenn wir die Pläne bekannt gemacht hätten.

Trotzdem wird der BFH unlauteres Vorgehen vorgeworfen . . .Wir haben einen sehr sorgfältigen Entscheid gefällt, und es war kein Kalkül.

Wusste Bernhard Pulver, dass die Arbeiten an einer möglichen Aufspaltung des Departements WGS 2016 weitergingen?Er wusste, dass wir an der neuen Organisation weiterarbeiten und alle Möglichkeiten prüfen. In die Diskussionen war er aber nicht miteinbezogen, da dies eine Aufgabe des Schulrats ist.

Weshalb ist die Aufteilung des Departements notwendig?Einerseits wollen wir eine flache Hierarchie einführen. Neu vertritt nicht nur ein Departementsleiter die Bereiche Wirtschaft, Gesundheit und Soziale Arbeit, sondern drei. Die einzelnen Bereiche erhalten mehr Gewicht. Andererseits werden die neuen Departemente besser auf die Kunden, also die Abnehmer der Studenten, ausgerichtet. Da wir zudem in einer Konkurrenz­situation mit den anderen Schweizer Fachhochschulen stehen, reicht es nicht mehr aus, 08/15 zu sein. Wir müssen uns so positionieren, dass wir uns differenzieren können. Und das gelingt uns mit der neuen Organisation besser.

Während der Debatten wurde aber stets gesagt, dass das Departement WGS ein solches «Alleinstellungsmerkmal» sei...Dieses geht mit der Aufteilung auch nicht verloren. Denn mit der Einführung der Vizerektorate wollen wir übergeordnet über ­alle Departemente die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Rahmen von Lehre und Forschung sogar noch stärken.

Hätte die Reorganisation nicht noch ein wenig warten können, bis Gras über die Standortfrage gewachsen wäre?Das wäre aus meiner Sicht dann nichts anderes als politisches Kalkül gewesen.

Wegen des Verhaltens der BFH wird nun der mühsam erarbeitete Kompromiss wieder infrage gestellt. Wie geht es Ihrer Meinung nach weiter?Wir werden uns der Diskussion stellen. Ich freue mich darauf und werde gerne dazu Stellung nehmen.

Bleibt für Sie eine Verschiebung des Departements Wirtschaft nach Burgdorf undenkbar?Ja. Synergien können wir nur optimal nutzen, wenn die Departemente an einem Standort sind. Nur so können etwa Wirtschaftsdozenten auch an allen anderen Departementen unterrichten, ohne pendeln zu müssen.

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