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Berner Obergericht spricht selten strenge Strafen aus

Betreiben unsere Richter eine Kuscheljustiz? Diese Zeitung hat Urteile des Berner Obergerichts von 2010 bis 2013 ausgewertet. Der vom Gesetz vorgegebene Strafrahmen wird meist nicht ausgeschöpft.

Ein 37-jähriger Vater verlangt am Besuchswochenende von seinem 8-jährigen Sohn, dass er ihn am Penis streichelt. Der Mann bekommt eine Erektion. Sex mit Kindern verjährt nicht. Elf Jahre später zeigt der Sohn den Vater an. Die erste Instanz verurteilt den Täter wegen «sexueller Handlung mit einem Kind» zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 110 Franken. Weil das Urteil ans Obergericht weitergezogen wird, muss sich die höchste Berner Instanz mit dem Fall auseinandersetzen.

Die Höchststrafe bei sexuellen Handlungen mit einem Kind ist eine Freiheitsstrafe bis fünf Jahre oder Geldstrafe. Der Gesetzesartikel umfasst alle Übergriffe auf unter 16-Jährige. Welcher Art die Handlungen sind, spielt keine Rolle. Die 2.Strafkammer des Obergerichts bestätigt die Geldstrafe. Sie schöpft den Strafrahmen damit zu 3,3 Prozent aus.

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