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Berner Prämien werden um 11,5 Prozent teurer

Der bernische Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud (SP) sieht in der massiven Prämienerhöhung «ein deutliches Symptom einer chronischen Krankheit».

An dieser «Krankheit» leide das Schweizer Gesundheitssystem seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes 1996. Der neuste Prämienschock werde grösstenteils durch Schwierigkeiten des Finanzierungssystems verursacht, betonte Perrenoud am Donnerstag in Bern.

Der Gesundheitsdirektor kritisierte, der Finanzierungsmodus verhindere, dass man die Kostensteigerungen in den Griff bekomme. Mangelnde Transparenz verunmögliche zudem eine effiziente Kontrolle der Kostenentwicklungen.

Auch wenn das Volk eine Einheitskrankenkasse an der Urne abgelehnt habe, sei er mehr denn je überzeugt, dass es eine grosse öffentliche Kasse brauche, die auf einem System wie die AHV beruhe, führte Perrenoud aus.

Bei Spitalkosten im Durchschnitt

Einzig im stationären Spitalbereich können die Kantone gemäss Perrenoud die Kosten direkt beeinflussen und zwar mit der Spitalplanung.

Die Kostensteigerung im stationären Spitalbereich im Kanton Bern bewege sich im Schweizer Durchschnitt, betonte Perrenoud. «Wir können hier mehr tun, das braucht aber Zeit».

Anstieg von 11,5 Prozent

In Bern müssen Erwachsene ab 26 Jahren für 2010 einen Anstieg der Krankenkassenprämien von 11,5 Prozent hinnehmen. Der Schweizer Schnitt liegt bei 8,7 Prozent. Dieser grosse Anstieg erfolgt nach zu kleinen Anpassungen in den vergangenen Jahren. «In meinen Augen ist dies ein deutliches Symptom für die Krankheit, an der das Gesundheitssystem leidet», betonte Philippe Perrenoud.

Die durchschnittliche Prämie für Erwachsene beträgt im Kanton Bern 385,72 Franken, wie den am Donnerstag publizierten Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu entnehmen ist. Das schweizerische Mittel liegt bei 351,05 Franken.

Noch höher fällt der Anstieg im nächsten Jahr für junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren im Kanton Bern aus: Hier legt die Durchschnittsprämie um 15,8 Prozent auf 315,74 Franken zu. Gesamtschweizerisch beträgt der Prämienschub in dieser Kategorie 13,7 Prozent auf 293,85 Franken.

Weniger Rabatte für Jüngere

Das BAG erklärt diesen Anstieg damit, dass viele Versicherer ihre Rabatte für junge Erwachsene reduziert hätten. Auch bei den Kindern legt die Durchschnittsprämie in Bern deutlich zu: um 12,6 Prozent auf 90,48 Franken bei einem schweizerischen Durchschnitt von 10 Prozent auf 84,03 Franken.

Bern muss zwar einen deutlichen Prämienanstieg hinnehmen, in anderen Kantonen fällt dieser aber noch happiger aus. So etwa in Obwalden, wo die Prämien für Erwachsene um 14,6 Prozent auf 282,93 Franken zulegen, oder in Uri mit einem Plus von 12,9 Prozent auf 285,15 Franken.

Der Kanton Bern ist sich überdurchschnittliche Prämienanstiege gewohnt. Allerdings fielen diese in den vergangenen drei Jahren relativ moderat aus mit Werten zwischen 1,6 und 4,6 Prozent. Einen happigen Prämienschub mussten die Berner für das Jahr 2006 verdauen, als der Anstieg bei den Erwachsenen 9,9 Prozent betrug.

Weitere Konzentration

Bis zum Inkrafttreten des neuen Finanzierungsregimes der Spitäler im Jahr 2012 will der Kanton Bern bereit sein. Dies wird laut Perrenoud aber unausweichlich eine gewisse Konzentration in der Spitallandschaft zur folge haben und Opfer fordern.

Die Hauptanstrengungen müssten sich hier auf die urbane Region Bern konzentrieren, wo im Spitalbereich ein Überangebot bestehe. Bis Ende Jahr will der Kanton Genaueres dazu bekanntgeben.

Nicht mit der Axt umbauen

Er wolle das bernische Spitaldispositiv aber nicht mit der Axt umbauen, versuchte Perrenoud zu beschwichtigen. Insbesondere brauche der Kanton Bern auch die Privatspitäler, die rund ein Drittel der stationären Leistungen gewährleisteten.

Würde der Kanton einen grossen Teil der Privatspitäler von der Spitalliste streichen, würde dies zu einer Kostenverschiebung Richtung Zusatzversicherungen und zu Wartelisten an öffentlichen Spitälern führen.

SDA/mau

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