Wirtschaftsführer verdonnern Kanton zum Nachsitzen

In einer von der Vereinigung Entente Bernoise durchgeführten Umfrage geben 20 Firmenchefs der Berner Standortpolitik ungenügende Noten. Einzig die Infrastruktur wurde mit gut bewertet.

Der Berner Gesamtregierungsrat: 20 Firmenchefs geben dem Kanton ungenügende Noten bei den Standortfaktoren Steuern, Innovation & Digitalisierung, Fachkräfte, Verwaltung und Strategie. Gut schneidet lediglich die Infrastruktur mit öffentlichem Verkehr, Strassen und Telekommunikation ab. (Archivbild)

Der Berner Gesamtregierungsrat: 20 Firmenchefs geben dem Kanton ungenügende Noten bei den Standortfaktoren Steuern, Innovation & Digitalisierung, Fachkräfte, Verwaltung und Strategie. Gut schneidet lediglich die Infrastruktur mit öffentlichem Verkehr, Strassen und Telekommunikation ab. (Archivbild)

(Bild: Adrian Moser)

Quentin Schlapbach@qscBZ

Wer in der Schule in mehreren Fächern eine Note unter 4 bekam, musste das folgende Jahr wiederholen – im Volksmund Sitzenbleiben genannt. Diese Metapher des Stillstands trifft in vielerlei Hinsicht auch auf den Kanton Bern zu. Wer mit hiesigen Wirtschaftsführern spricht, hört immer wieder Klagen über die fehlende Dynamik und die trägen Abläufe in Bern.

Dieser Unmut kanalisiert sich regelmässig auch in Umfragen von Wirtschaftsverbänden und Denkfabriken. Die neueste Studie stammt von der Entente Bernoise, einer bürgerlichen Vereinigung, die sich selbst als «wirtschaftliche Vordenkerorganisation» im Kanton Bern versteht.

Die Organisation um den neuen Geschäftsführer Raphael Karlen – Ökonom, Digitalunternehmer und FDP-Mitglied – befragte Führungskräfte von zwanzig Berner Unternehmen – allesamt entweder Geschäftsführer oder Verwaltungsräte. Als Leitfaden diente dabei die Wirtschaftsstrategie 2025 des Kantons Bern. Und wie in der Schule mussten die Wirtschaftsleute Noten verteilen. Das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd.

Zankapfel Flughafen

In fünf von sechs Bereichen verdonnern die Wirtschaftsführer den Kanton zum Nachsitzen. Steuern (Note 3,2), Innovation und Digitalisierung (3,6), Fachkräfte (3,9) Zusammenarbeit mit der Verwaltung (3,9) und auch die Wirtschaftsstrategie des Kantons Bern (3,6) werden allesamt als ungenügend eingestuft. Nur gerade die Infrastruktur (Note 5,0) wird positiv bewertet.

Aber auch da gibt es einige Baustellen. In der Stadt Bern sorgt die Verkehrspolitik für Unverständnis. Auch wünscht sich die Berner Wirtschaft eine klare Strategie und Stellungnahme der Politik zum Flughafen Bern-Belp. Die meisten Befragten sind dabei der Meinung, dass es den Flughafen braucht – laut Karlen allerdings nicht alle.

In vielen Punkten sind sich die Führungskräfte einig. Etwa, dass sie sich von Politik und Behörden zu wenig wertgeschätzt fühlen. Sie wünschen sich eine bessere Kommunikation sowie mehr Einbindung in politische Prozesse. Zu einem ähnlichen Fazit führte bereits eine im Sommer veröffentlichte Umfrage der gewerbenahen Organisationen Bern City und Fokus Bern, wo die Zusammenarbeit mit der Verwaltung grösstenteils als miserabel eingestuft wurde.

Umfrage ist anonym

Was die beiden Umfragen auch gemeinsam haben: Die Teilnehmer bleiben anonym. Eine Mehrheit der Teilnehmer habe sich dies so gewünscht, erklärte Raphael Karlen an der Pressekonferenz. Gemäss Eigendeklaration der Entente Bernoise handelt es sich bei den Befragten um die «20 bedeutendsten Unternehmungen im Kanton Bern». Sie sind in unterschiedlichsten Branchen tätig und beschäftigen zwischen 100 bis 10'000 Mitarbeitende.

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