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Bernhard Pulver hat die Schule beruhigt

Bernhard Pulver (Grüne) hat mit den Tagesschulen vorwärtsgemacht und trotzdem Ruhe in die Berner Schule gebracht. Ein Denkmal will er sich als Regierungsrat nicht setzen, aber weitere vier Jahre Erziehungsdirektor bleiben.

«Nein, nein, ein ‹ekliger› Chef bin ich nicht, aber ein anspruchsvoller», sagt der bernische Regierungsrat Bernhard Pulver, der bei den kantonalen Wahlen vom 28.März seinen Sitz verteidigen will. Als er seine Arbeit am 1.Juni 2006 als Erziehungsdirektor des Kantons Bern begonnen hat, führte er zuerst Führungsinstrumente ein. «Es kommt nicht gut, wenn niemand die Führung übernimmt», sinniert der heute 44-jährige. Das sei wie bei einem Orchester – die besten Musiker nützen nichts, wenn sie nicht geführt werden. Da habe er schon den einen oder anderen Mitarbeitenden in seiner Direktion «gschluchet». Dies zu sagen, ist dem Juristen mit Doktorhut fast etwas peinlich, denn er will seinem freisinnigen Vorgänger Mario Annoni nicht zu sehr auf die Füsse treten. Der grüne Regierungsrat sagt dann aber doch: «Seit meinem Amtsantritt hat sich die Arbeit der Direktion verbessert. Als ich begann, wies ich etwa die Hälfte der Direktionsgeschäfte zur Überarbeitung zurück. Im Gegensatz zu früher werden unsere Geschäfte heute vom Grossen Rat weitgehend gutgeheissen.»

Der PUK-Präsident

Warum dieser Erfolg? Bernhard Pulver kämpft leidenschaftlich für seine ideale Schule, für seine Ziele, verfolgt seine Geschäfte beharrlich – aber etwas ist er nicht: ein sturer Parteiideologe, der andere Meinungen und Ideen a priori ablehnt. Das haben die Lehrpersonen festgestellt und über die Parteigrenzen hinweg die Politikerinnen und Politiker. Der frühere Generalsekretär der Grünen Partei Schweiz geht ohne Scheuklappen auf die Menschen zu – auf jene, die seiner Meinung sind und auf Andersdenkende. Keine Überraschung war es, dass Pulver nach dem Debakel der bernischen Lehrerversicherungskasse vom Kantonsparlament zum Präsidenten der parlamentarischen Untersuchungskommission gewählt worden war.

Der Finanzpolitiker

Dass Bernhard Pulver am 1.Juni 2006 als Regierungsrat die Erziehungsdirektion übernahm, lag nicht auf der Hand. Denn im Grossen Rat, dem er von 1999 bis 2006 angehörte, setzte sich der frühere wissenschaftliche Mitarbeiter beim Bundesamt für Justiz und Lehrbeauftragte für Staatsrecht an der Universität Neuenburg vor allem als Finanzpolitiker in Szene. Pulver sagt denn auch: «Etliche Bildungsdossiers waren mir neu.» Also arbeitete sich der neue bernischen Bildungsdirektor in den Sommerferien 2006 à fond und akribisch in die Thematik ein. Jedenfalls stellten Chefbeamte rasch einmal fest, dass man dem neuen Chef kein U für ein X vormachen konnte.

Der HarmoS-Kämpfer

Rückblickend sagt Pulver: «Heute habe ich das Zeitmanagement besser im Griff. Aber am Anfang ging ich oft an meine physische Leistungsgrenze.» Längst ist für ihn aber klar, dass er einen tollen Job hat. «Vorausgesetzt», sinniert Pulver, «man hat etwas Geduld.» Freude macht ihm seine Arbeit auch, «weil ich Projekte vorgeben und mitgestalten kann.» Nur eines wolle er ganz sicher nicht: «Ich will mir kein Denkmal setzen.»

Ein Denkmal hat sich Pulver vielleicht schon gesetzt – dadurch, dass er in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit in der Bildungslandschaft im Kanton Bern nicht alles auf den Kopf gestellt und keine Reformen vom Zaun gerissen hat. Es ist ihm gelungen, Ruhe in die Berner Schule zu bringen. Und Vertrauen. Vertrauen der Politik in die Schule. Aber auch Vertrauen der Lehrerschaft in die Politik. Pulver, der seit Jahren mit seinem Lebenspartner zusammenlebt, hat seit 2006 nur wenige Themen forciert, diese aber erfolgreich. Zentral: Tagesstrukturen für die Berner Volksschule. Auch sein Einsatz für die Harmonisierung der Schulen in der Schweiz HarmoS war ein Erfolg.

«Wir müssen die Volksschule ernst nehmen, nicht stets Strukturfragen stellen, sondern uns dafür interessieren, was in den Schulstuben abgeht», betont Pulver. Also habe er nach Amtsantritt den Kontakt zu den Schulen gesucht. Landauf und landab. Und er hat die Lehrkräfte just auf den Schulbeginn im August 2006 mit einem Brief überrascht: «Ich habe unseren Lehrerinnen und Lehrern für ihren täglichen Einsatz zum Wohl unserer Jugend und damit unserer Zukunft Danke gesagt. Dies ist für mich selbstverständlich. Gute Arbeit zu anerkennen, gehört auch zum Job eines Chefs.»

Der Bildungsdirektor

Mit der Umfrage «Wo drückt der Schuh?» wandte sich Pulver an die Lehrpersonen im Kanton Bern. Natürlich konnten nicht alle kritisierten Punkte verbessert werden. Einiges schon: «Statt einer generellen Senkung der Lektionenzahl – die wir uns derzeit nicht leisten können – haben wir 10000 SOS-Lektionen bewilligt.» Regierungsrat Pulver negiert nicht, dass es in der Erziehungsdirektion «Sorgendossiers» gibt. Doch er betont: «Gerne würde ich weitere vier Jahre an der Spitze der Berner Schule stehen.»

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