Bewaffnete Einheit gegen Gaffer

Konolfingen

Ende März wird das neue Feuerwehrmagazin in Konolfingen eingeweiht. Gleichzeitig widmet das Dorfmuseum seine Sonderausstellung der Feuerwehr. Der Gang führt durch 200 Jahre Geschichte.

  • loading indicator

Genau 200 Jahre alt ist das erste noch vorhandene Reglement für die Feuerwehrleute aus der Region Bern. Hinter Glas geschützt kann es während der Sonderausstellung im Dorfmuseum vonKonolfingen betrachtet werden. Erstaunliches ist aus dem Dokument des damaligen Feuerwehrstaates Bern zu erfahren.

So musste bei jedem grösseren Brand eine bewaffnete 12-köpfige Gruppe von Landwehrleuten aufgeboten werden. Diese sollten gegen Gaffer und Diebe vorgehen. Auch bei der Heirat hatte der Feuerwehrstaat ein Wörtchen mitzureden. Heiraten durfte nur, wer einen Löscheimer und einen Feuerhaken sein Eigen nennen konnte.

Vielfalt an Gegenständen

«Vieles hat sich bei der Feuerwehr verändert, ihr werdet es beim Rundgang sehen», sagte Werner Weber am Freitag zum Vernissagepublikum. Die Hauptaufgabe indes, die sei immer die gleiche geblieben: «Die Feuerwehr ist zur Bekämpfung von Bränden da.» Weber hat zusammen mit weiteren Vereinsmitgliedern des Dorfmuseums intensiv nach noch vorhandenen Dokumenten, Gegenständen und Fotos aus der Geschichte der Blaulichtorganisation gesucht. Was nun dem Publikum zugänglich gemacht wurde, ist vielschichtig und lehrreich zugleich. Alte Spielzeuge zum Thema sind ebenso zu sehen wie die moderne Ausrüstung der heutigen Brandfahndung. Atemschutzgeräte aus vergangenen Zeiten muten wie Masken für einen Alien-Film an, und Hydranten der frühen Sorte wecken Erinnerungen an Bubenstreiche.

Nur ein Stück fehlt laut den Angaben von Weber noch. Es ist die alte Handspritze, die der Verein auftreiben konnte. Aktuell wird sie noch auf ihre Einsatztauglichkeit geprüft. Dann erfolgt die Überführung ins Museum. Ob sie am 30. März noch einen Abstecher zur Einweihung des Feuerwehrmagazins macht, ist nicht bekannt. Hingegen bestätigten Gemeindepräsident Daniel Hodel und Werner Weber, dass die Wahl der Ausstellung mit der Einweihung des Feuerwehrmagazins zu tun habe. «Aber nicht nur», ergänzt Weber. Mit der Sonderausstellung «Galgen – Tschugger – Polizei» habe man das Startzeichen für Sonderausstellungen zu Blaulichtorganisationen gesetzt. Mit der diesjährigen Präsentation setze man die Reihe fort.

Anekdoten zum Wandel

Weber war früher Mitglied der Feuerwehr. Auf dem Rundgang erzählt er Geschichten zum Wandel der Organisation. So verpasste der ehemalige Lehrer einen Pikettdienst, weil er schlicht im Klassenzimmer weder den Telefonalarm im Lehrerzimmer noch das Feuerhorn, geblasen durch seinen Kollegen Godi Liechti, hörte.

Jahre später raubte ihm eher ein zu viel an Informationen den Schlaf. Mit dem neuen Löschfahrzeug erhielten die Feuerwehrleute auch Funkgeräte und Piepser zur Alarmierung. Während die Funkgeräte rechtzeitig eintrafen, verspätete sich die Lieferung der Piepser. Dies hatte zur Folge, dass der Pikettdienst jeweils den Funk mit ins Schlafzimmer nahm und ungewollt sämtliche Funksprüche nachts mithören musste.

Höhere Anforderungen

Mit seinen Anekdoten und einer Analyse zum Wandel der Organisation führt Weber die Besucher hin zu aktuellen Themen. Die zunehmenden Regionalisierungen der Feuerwehren begründet er mit dem Wandel der Zeit und den immer höheren Anforderungen an die Feuerwehrleute und das Material. Die heutige Verfügbarkeit von Feuerwehrleuten habe sich mit den langen Arbeitswegen ebenso geändert wie die Kommunikation und die Professionalisierung. Das zur Verfügung stehende Spezialmaterial erfordere eine entsprechende Schulung.

Gemäss Weber gibt die kantonale Gebäudeversicherung heute vor, wie viele Atemschutzgeräte und Wärmekameras die Feuerwehren kaufen müssen. Nicht jede Feuerwehr sei imstande, diese Kosten auf sich zu nehmen. «So setzt sich die in der Stadt begonnene Professionalisierung auf dem Lande fort.»

An der Vernissage wähnt sich das Publikum lieber in alten Zeiten. Damals, als der heute 71-jährige Godi Liechti die Bevölkerung noch mit dem Horn alarmierte und zur Mithilfe bei der Bekämpfung des Feuers aufrief. Das Thema Feuerwehr ist für die Gäste stark verbunden mit der Erinnerung an damals: an damals, als 1999 ein Gebäude niederbrannte, an damals, als die Feuerwehrübungen ein Zusammentreffen mit Kameraden waren und in einem Beizengang endeten.

Infos zur Ausstellung unterwww.museum-alter-baeren.ch.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt