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BKW macht mit der Mühleberg-Schliessung keine Einsparungen

Die BKW wird mit der vorzeitigen Schliessung des AKW Mühleberg kein Geld einsparen. Der bernische Energiekonzern muss das Geld für den Stilllegungs- und für den Entsorgungsfonds schon innerhalb der nächsten sechs statt neun Jahre bezahlen.

Der Kernmantel des AKW Mühleberg.
Der Kernmantel des AKW Mühleberg.
Grafik sas/ Quelle Ensi
Freude ohne Jubel: BKW-Chefin Suzanne Thoma wird von Kommunikations- chef Martin Schweikert über das Endergebnis informiert.
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Enrique Muñoz Garcia
Kurt Rohrbach, CEO der BKW musste nach Fukushima Rede und Antwort stehen.
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Urs Baumann
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Der jährliche Beitrag der BKW an die beiden Fonds werde nach dem Entscheid, die Stromproduktion in Mühleberg bereits 2019 einzustellen, steigen, teilte das Bundesrat für Energie (BFE) am Donnerstag mit. «Die Beiträge werden neu berechnet, weil sie ursprünglich für eine Betriebsdauer von fünfzig Jahren, also bis 2022, ausgelegt sind», präzisierte BFE-Sprecherin Marianne Zünd auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die frühere Abschaltung in Mühleberg habe also keinen Einfluss auf die Mittel für die Fonds. Auch müssten die AKW-Betreiber der übrigen vier Kernkraftwerke deswegen nicht mehr Geld bezahlen.

Verschiedene Rückbauphasen

Wenn die Stecker in Mühleberg dann gezogen sind, beginnt die Nachbetriebsphase. «Das ist die kritischste Periode, weil dann die hoch radioaktiven Elemente aus dem Brennstoffreaktor verlegt werden müssen», sagte David Suchet, Sprecher des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI), auf Anfrage. Diese Phase dauere rund fünf Jahre und koste die BKW rund 320 Millionen Franken.

Danach muss der gesamte Standort abgebaut werden. Laut ENSI wird dieser Prozess rund zehn Jahre dauern und 490 Millionen Franken kosten. Die ersten beiden Phasen sind mit dem Stilllegungsfonds des Bundes gedeckt, der 1984 gegründet wurde.

In diesem befanden sich per Ende 2012 1,531 Milliarden Franken. Die Kosten für den gesamten Rückbau der fünf Schweizer AKWs werden derweil auf 2,974 Milliarden Franken geschätzt.

Die Kosten für den weiteren Abbau und die Entsorgung des Materials werden mittels Entsorgungsfonds finanziert, der im Jahr 2000 gegründet wurde. Die BKW wird insgesamt 1,8 Milliarden Franken in diesen Fonds stecken - ein Teil davon wurde bereits eingezahlt.

Nach den jüngsten Schätzungen von Ende 2012 belaufen sich die Kosten für die Stilllegung, die Nachbetriebsphase und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle für alle fünf Schweizer AKWs auf 20,6 Milliarden Franken. Die Entsorgung der radioaktiven Abfälle verschlingt davon mit 15,970 Milliarden Franken den grössten Anteil.

Das Kapital des Entsorgungsfonds betrug zum gleichen Zeitpunkt rund 3,2 Milliarden Franken. Die während des Betriebs anfallenden Entsorgungskosten werden durch die Betreiber direkt bezahlt, so dass der Entsorgungsfonds nur 8,4 Milliarden Franken decken muss.

Betreiber zur Kasse gebeten

Mitte August hatte der Bundesrat mitgeteilt, dass beiden Fonds eine Finanzierungslücke droht. Zum einen sind die Kosten für die Stilllegung der AKW und die Entsorgung des Mülls höher als angenommen, zum anderen konnten die Renditeziele der Fonds nicht erreicht werden.

Damit das Geld reicht, um dereinst die Stilllegung der AKW und die Entsorgung des Atommülls zu finanzieren, sollen die AKW-Betreiber nach Meinung der Regierung höhere und längerfristige Beiträge in die Fonds einzahlen.

Geht es nach ihr, würde die Beitragspflicht der Betreiber für den Stilllegungsfonds erst enden, wenn die Stilllegung des AKW abgeschlossen ist. Die Beitragspflicht für den Entsorgungsfonds würde enden, wenn die radioaktiven Abfälle des jeweiligen AKW in einem geologischen Tiefenlager liegen.

Die Vernehmlassung zur Verordnungsänderung dauert bis zum 22. November. Die Energieunternehmen - unter anderem der BKW - haben die Pläne des Bundesrates bereits scharf kritisiert.

SDA/jzu

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