BKW setzt weiter auf Kohle- und Gaskraft

Die BKW will nach der Stilllegung des AKW Mühleberg zwar mehr Strom aus erneuerbaren Energien produzieren. Ganz grün wird der Konzern aber noch lange nicht.

Trotz Kritik von Klimaaktivisten bleibt die BKW am Kohlekraftwerk Wilhelmshaven in Norddeutschland beteiligt. Foto: Engie

Trotz Kritik von Klimaaktivisten bleibt die BKW am Kohlekraftwerk Wilhelmshaven in Norddeutschland beteiligt. Foto: Engie

Julian Witschi

BKW-Chefin Suzanne Thoma propagiert für den Energiekonzern ein neues Ziel. Bis zum Jahr 2023 sollen 75 Prozent der Produktionskapazität erneuerbar sein. Heute sind es rund 66 Prozent. Das neue Ziel erreichen will die BKW mit der Abschaltung des Atomkraftwerks Mühleberg am 20. Dezember, womit die Erneuerbaren an Gewicht gewinnen. Und mit dem Bau von Windanlagen im Ausland und Kleinwasserkraftwerken in Inland.

Das neue Ziel betrifft aber nur die installierte maximale Leistung in den Kraftwerken und täuscht über die produzierte Strommenge hinweg. Gerade Windanlagen laufen naturgemäss längst nicht immer am Limit, während Kohle- und Gaskraftwerke sowie AKW konstant viel Bandenergie liefern können.

So produzierten die Wasserkraftwerke zusammen mit den neuen Erneuerbaren (Wind, Fotovoltaik, Biomasse, Kleinwasser) 2018 nur 41 Prozent der Strommenge der BKW. Das AKW Mühleberg lieferte rund 25 Prozent. Der Rest stammte aus Gaskraftwerken in Italien, aus dem Kohlekraftwerk Wilhelmshaven in Norddeutschland und den Atomkraftwerken Leibstadt AG und Cattenom (F), an denen die BKW beteiligt ist.

Umbau dauert Jahrzehnte

Ein Konzern mit vollständig nachhaltiger Stromproduktion wird die BKW noch lange nicht. Obwohl im Zentrum der Strategie die Investitionen in erneuerbare Energiequellen stehen, neben dem Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts. Und obwohl Klimaaktivisten die Beteiligung am Kohlekraftwerk Wilhelms­haven schon lange kritisieren.

Warum also strebt die BKW nicht 100 Prozent Stromproduktion aus erneuerbaren Energien an? Mit dem neuen Ziel stelle das Unternehmen «Ehrlichkeit über Image», sagte Thoma am Dienstag an der Halbjahresmedienkonferenz zu dieser Zeitung. Der Umbau des Energiesystems gehe nicht von einem Tag auf den anderen, sondern dauere Jahrzehnte.

Deshalb stehen die Gas- und Kohlekraftwerke bis auf weiteres nicht zur Debatte: «Ich bin überzeugt davon, dass es für die BKW besser ist und mehr Unternehmenswert generiert, wenn wir an unseren Kraftwerken und Beteiligungen, auch wenn sie fossil sind, noch festhalten.»

Verkauf löst kein Problem

Thoma kann dies damit vereinbaren, dass sich die BKW als Pionierin für grüne Energie vermarktet. «Weil ein Verkauf eines fossilen Kraftwerks kein Problem löst», sagte Thoma und erklärte: «Das Kraftwerk wäre nachher immer noch da und würde weiterproduzieren, somit wird kein bisschen CO2 weniger ausgestossen.» Und wenn man ein «hervorragendes Kohlekraftwerk wie Wilhelmshaven» doch vom Netz nähme, dann würde die Lücke womöglich durch ein schlechteres Kohlekraftwerk gefüllt. Für eine stabile Stromversorgung werde man auch Gaskraftwerke brauchen, bis ganz auf Erneuerbare umgestellt werden könne.

Ein Projekt bleibt der Bau des Speichersee-Kraftwerks Trift im Oberhasli. Dieses könnte mit relativ kleinen Kosten viel nützen, insbesondere für die Stromversorgung im Winter, sagte Thoma. Damit es rentiere, brauche es aber erhebliche Investitionsbeihilfen des Kantons und des Bundes. Solche seien in der Energiestrategie 2050 vorgesehen. Ein Entscheid über das Trift-Projekt dürfte laut der BKW-Chefin nicht vor 2022 gefällt werden.

Trotz alldem sieht Thoma die BKW erfolgreich auf Kurs beim Umbau für die Energiewende. Die Investitionen in die neuen Energien, insbesondere in die Windkraft, zahlten sich aus. Auch das Geschäft mit Gebäudetechnik und Energieeffizienz wachse profitabel. Unter dem Strich kletterte der Gewinn im ersten Halbjahr 2019 um 59 Prozent auf 201 Millionen Franken.

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