BLS-Chef lässt Kandidatur offen

Bernard Guillelmon bleibt als möglicher neuer Chef der SBB im Rennen. Ein Wechsel des BLS-Chefs würde aber erstaunen.

Bernard Guillelmon leitet die BLS seit elf Jahren. Foto: Nicole Philipp

Bernard Guillelmon leitet die BLS seit elf Jahren. Foto: Nicole Philipp

Julian Witschi

Das Kandidatenkarussell für die Nachfolge von SBB-Chef Andreas Meyer dreht sich. Der Chef der Rhätischen Bahn (RhB), Renato Fasciati, nimmt sich aus der Favoritenrolle.

Er habe nach erst drei Jahren grosse Freude an der Aufgabe und wolle sich weiterhin dafür einsetzen, sagte der Bündner zu verschiedenen Medien. Für den Chefposten bei der RhB hatte er die Leitung der Zentralbahn aufgegeben, nach ge­rade mal fünf Jahren.

Der Fokus richtet sich damit noch etwas stärker auf den Chef der grössten Bahngruppe der Schweiz nach den SBB: Bernard Guillelmon von der BLS. Er leitet das Berner Unternehmen seit elf Jahren. Dass er nach einer solchen Zeitspanne und im Alter von 53 Jahren überlegt, ob er noch einen anderen Job übernehmen möchte, liegt auf der Hand. Auf Anfrage lässt er aber offen, ob er am SBB-Chefposten interessiert ist. «Kein Kommentar», heisst es dazu vom Konzernsitz.

Guillelmon sagt also weder Ja noch Nein. Für ihn sprechen einige Erfolge bei der BLS: der erkämpfte Ausbau des Lötschberg-Basistunnels, die Gewinne im schwierigen Güterverkehrsgeschäft, die problemlose Inbetriebnahme von Doppelstockzügen oder die Ticket-App Lezzgo.

Die ersehnten Konzessionen für den gewinnträchtigen Fernverkehr hat er dagegen nicht erhalten. In den jahrelangen Streit zwischen SBB und BLS musste die neue VerkehrsministerinSimonetta Sommaruga eingreifen. Sie sprach Guillelmon immerhin zu, dass die BLS auf drei Linien des Fernverkehrs mit eigenem Personal und eigenen Zügen fahren darf.

Gering geschätzter Gegner

Ob die gelernte Pianistin denDirigentenstab für die SBB an Guillelmon übergeben möchte, der gut Cello spielt, ist aber fraglich. Bei den Bundesbahnen wünschen sich viele einen Bähnler an der Spitze, der sich im Kerngeschäft hochgearbeitet hat. Guillelmon ist Ingenieur in Mi­krotechnik, arbeitete für die BKW und machte eine Managementausbildung an der französischen Elitehochschule Insead.

Er arbeitete zwar einige Jahre für die SBB in Führungsfunktionen. Doch dort ist er für viele Mitarbeiter – vor allem im Kader – mit dem Streit um den Fernverkehr zum verachteten und gering geschätzten Gegner geworden. Diese Leute für sich zu gewinnen, wäre eine sehr schwere Aufgabe.

Auf der anderen Seite stünde bei einem Wechsel Guillelmons die BLS entblösst da. Niemand kennt die Stärken und Schwächen der Bahngesellschaft besser. Er nähme alle strategischen Visionen und Geheimpläne mit, mit denen die BLS ihre grosse Schwester herausfordern will. In der Privatwirtschaft wird raschen Wechseln zur Konkurrenz oft durch Klauseln in den Managerverträgen gegengesteuert.

Interne Kandidaten für die SBB-Führung gibt es einige: Infrastrukturchef Jacques Boschung, Cargo-Chef Nicolas Perrin oder die Leiterin des Fernverkehrs, die Bernerin Cornelia Mellenberger. Spekuliert wird auch über eine Rückkehr von Jeannine Pilloud, der ehemaligen Leiterin des Personenverkehrs der SBB.

Frauen haben gute Chancen

Die Wahl liegt formal beim Verwaltungsrat der SBB, der von Monika Ribar präsidiert wird. Doch Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga wird sich für den Alleineigentümer, den Bund, auch einbringen. Womöglich erinnert sich die erklärte Frauenförderin auch an Anna Barbara Remund.

Die Bernerin leitet die Abteilung Infrastruktur beim Bundesamt für Verkehr, war zuvor Chefin des Personenverkehrs der BLS und dann des Regionalverkehrs der SBB. Dass Frauen gute Chancen haben, darauf deutet auch die Wahl des Headhunters: Guido Schilling ist bekannt für Frauenförderung in Führungsgremien.

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