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Das Schiesswesen auf dem Prüfstand

In zahlreichen Oberaargauer Schiessanlagen ist bisher ­weder ein künstliches System installiert noch der alte Kugelfang vom Blei gesäubert worden. Gerade dort, wo ­dereinst saniert werden muss, führt das zu Überlegungen grundsätzlicher Art.

Haben ausgedient: Alte Kugelfänge müssen bis Ende 2020 durch künstliche Systeme ersetzt werden.
Haben ausgedient: Alte Kugelfänge müssen bis Ende 2020 durch künstliche Systeme ersetzt werden.
Marc Dahinden

Seit 2013 ist das Erdreich in der Wangenrieder Schiessanlage Mürgelen bereits gesäubert, landen die Schüsse der Schützen dem neuen Gesetz entsprechend im künstlichen Kugelfangsystem.

Sogar schon seit 2009 auf einer sanierten 300-Meter-Anlage schiessen die Mitglieder der Schützengesellschaft Oberönz. Damit sind sie bis heute vielen Oberaargauer Gemeinden einen Schritt voraus.

Von den weiteren noch betriebenen 300-Meter-Anlagen sind erst jene in Wynau, Niederbipp, Herzogenbuchsee und Heimenhausen ebenfalls bereits saniert und mit einem künstlichen Kugelfangsystem ausgestattet worden. Auch in Auswil und Rohrbachgraben, wo der Schiessbetrieb vor Jahren schon eingestellt worden ist, wurde das mit Blei und Antimon belastete Erdreich abgetragen.

In mehr als einem Drittel aller Oberaargauer Gemeinden mit eigenen 300-Meter-Anlagen indes ist bisher weder ein neuer Kugelfang installiert noch die Anlage saniert worden. Das geht aus einer Umfrage hervor, die das ­Regierungsstatthalteramt letztes Jahr auf Wunsch mehrerer Gemeinden durchgeführt hat.

Ohne Kugelfang kein Geld

Gerade diejenigen Gemeinden, die nach wie vor eine eigene Schiessanlage betreiben, diese aber noch nicht modernisiert haben, müssen nun allmählich handeln. Das Gesetz schreibt vor, dass bis Ende 2020 alle noch betriebenen Anlagen über ein künstliches Kugelfangsystem verfügen müssen. Ansonsten entfallen bei einer späteren Sanierung der Anlage die Bundes­beiträge von 8000 Franken pro Scheibe.

Dass so wichtige Beiträge verloren gehen würden, werde der Kanton natürlich nicht zulassen, erklärt Oliver Steiner vom zuständigen kantonalen Amt für Wasser und Abfall (AWA).

Gesuche hier und dort

Dessen ist man sich auch in den Gemeinden bewusst. In Schwarzhäusern liegt ein Gesuch für den Einbau von Kugelfangkästen derzeit auf. In Oeschenbach soll es demnächst publiziert werden. Und in Aarwangen ist es bereits bewilligt worden, voraussichtlich Ende 2017 oder Anfang 2018 sollen dort sechs Scheiben mit einem künstlichen Auffangsystem ausgestattet werden.

Der Gemeinderat sei sich bewusst, dass dereinst auch eine Gesamtsanierung unumgänglich sein werde, sagt der Aarwanger Bauverwalter Stefan Janzi. «Und die wird teuer», erinnert er etwa an die Sanierung der Anlage in Herzogenbuchsee, die letztlich Kosten von mehr als 1 Million Franken ausgelöst hat.

«Eine Gesamt­sanierung wird dereinst unumgänglich sein. Und die wird teuer.»

Stefan Janzi, Bauverwalter Aarwangen

Auch deshalb wolle man es nun vorerst bei der wesentlich billigeren Sanierung des Kugelfangs belassen – zumal eine technische Untersuchung keine Gefährdung des Grundwassers durch Bleiablagerungen ergeben habe und das Erdreich nach Einbau des Kugelfangsystems auch nicht weiter belastet werde.

Aber auch in Gemeinden, in denen eine Sanierung einer ersten nach Einschätzung des zuständigen Amtes für Wasser und Abfall an sich dringend angezeigt wäre, scheint man von einer solchen noch weit entfernt.

Warten aufs Abfallgesetz

Beispielsweise bei der stillgelegten Anlage auf der Wäckerschwend in Ochlenberg.Die erste Einschätzung sei noch keine definitive gewesen, erklärt Gemeindeschreiber Sandro Schafroth. Wie dringend der Sanierungsbedarf tatsächlich sei, werde die Gemeinde mit dem AWA erst noch beurteilen müssen.

Weil die Anlage nicht mehr in Betrieb sei, habe eine Sanierung für den Kanton jedoch ohnehin nicht erste Priorität. Oliver Steiner vom AWA indes relativiert: Weil die Anlage im Landwirtschaftsgebiet liege und zugleich in einer Gewässerschutzzone mit nutzbarem Grundwasservorkommen, werde sie sicher eine der ersten sein, die untersucht werden müssten.

Stand Ausrüstung mit künstlichen Kugelfangsystemen. Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrössern.
Stand Ausrüstung mit künstlichen Kugelfangsystemen. Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrössern.

Grundsätzlich rechne der Kanton bei solchen Anlagen erster Priorität mit einer Untersuchung innerhalb von drei Jahren nach der Schliessung und einer Sanierung spätestens fünf Jahre nach Rückgabe der Betriebsbewilligung. Je nach Komplexität der Gegebenheiten, wie etwa bei der stillgelegten Jagdschiessanlage in Berken, werde eine Sanierung möglicherweise aber mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Auch sei die Kategorisierung der Schiessanlagen bereits abgeschlossen, sagt Steiner. «Wir wollen die Gemeinden nicht im Ungewissen lassen.» Allerdings wolle das AWA noch die erste Lesung der Änderung des Abfallgesetzes im Grossen Rat abwarten.

Denn eine Erhöhung der Abfallabgabe sei Voraussetzung dafür, dass die Sanierungen der Schiessanlagen überhaupt finanziert werden könnten.

Sobald diesbezüglich Klarheit herrsche, werde das AWA auf die Gemeinden zukommen und ihnen vorgeben, wann wo saniert werden müsse.

«Wir wollen die Gemeinden nicht im Ungewissen ­lassen.»

Oliver Steiner, Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern

Abklärungen laufen

Derweil sind in den Gemeinden weitere Abklärungen betreffend die Kugelfangsysteme in Gang. So auch in Huttwil, wo aktuell eine Vernehmlassung mit den Schützenvereinen und den Landbesitzern stattfindet. Die zwei bestehenden 300-Meter-Anlagen verfügen beide noch nicht über ein Kugelfangsystem.

Während die Anlage im Häbernbad als unproblematisch eingestuft worden ist, sei im Rüttistalden eine Sanierung erforderlich, erklärt Gemeindeschreiber Martin Jampen die Ausgangslage.

Bevor der Gemeinderat im Frühling über das weitere Vorgehen befinde und entscheide, ob ein Kugelfangssystem eingebaut werden soll, werde nun abgeklärt, wie überhaupt der Bedarf aussehe.

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