Der Kanton soll die BLS behalten

Soll der Kanton Bern seine BLS-Anteile behalten oder verkaufen? Der Standpunkt von BZ-Redaktor Julian Witschi.

SBB-Chef Andreas Meyer war offenbar bereit dem Kanton dessen BLS-Mehrheitsanteil für 50 bis 60 Millionen Franken abzukaufen.

SBB-Chef Andreas Meyer war offenbar bereit dem Kanton dessen BLS-Mehrheitsanteil für 50 bis 60 Millionen Franken abzukaufen.

(Bild: Keystone)

Der Kanton Bern hat chronische Geldsorgen, trotz hoher Steuern. Mit dem Verkauf seiner Anteile an BLS und BKW könnte er Kasse machen. Beim Energiekonzern drängt sich ein Verkauf immer mehr auf, je stärker die BKW ausserhalb ihres Versorgungsgebiets expandiert und damit private Energietechnikfirmen und Ingenieurbüros konkurrenziert. Zumindest ist eine Abspaltung des Dienstleistungsgeschäfts von dem heimischen Versorgungsmonopol und der Stromproduktion angezeigt.

Dagegen ist der von SBB-Chef Andreas Meyer offenbar vorgebrachte Deal zum Verkauf des BLS-Mehrheitsanteils für 50 bis 60 Millionen Franken kein Grund für Verhandlungen. Dies nicht etwa, weil die BLS schon nur wegen der Infrastruktur und der Immobilien viel mehr wert ist. Sondern weil es um Grundsätzliches geht. Mit dem Verkauf würde die grösste Herausforderin der SBB verschwinden und der Kanton an Gestaltungsmacht verlieren.

Damit Bern überhaupt Anschluss an die alpenquerenden Verkehrsströme erhalten hat, war die Gründung der Alpenbahn Bern–Lötschberg–Simplon im Jahr 1906 nötig gewesen. Denn die Eidgenossenschaft und die Bundesbahnen wollten keine zweite Schweizer Nord-Süd-Transitachse neben der Gotthardlinie. Dank des Engagements von Investoren aus Frankreich konnte die Lötschbergbahn trotzdem gebaut werden. Daraus ist rund um Bern die zweitgrösste Normalspurbahn der Schweiz entstanden. Dass die BLS nun in den Fernverkehr einsteigen und hier ihr gewinnträchtiges Monopol knacken will, dagegen wehren sich die SBB vehement.

Widerstand gab es kürzlich auch wieder beim Lötschberg: SBB und Bund wollten den Ausbau der zweiten Röhre im Basistunnel auf die lange Bank schieben. Obwohl die IC-Linie Bern–Brig damit schweizweit die einzige ohne Halbstundentakt geblieben wäre. Obwohl sich mit dem Ausbau die Zahl der Zugfahrten durch den stark ausgelasteten Tunnel verdoppeln lässt. Und obwohl die finanziellen Risiken der Inbetriebnahme des bereits im Rohbau ausgebrochenen Tunnelabschnitts klein sind. Dies im Gegensatz zu den auf6 Milliarden Franken veranschlagten Grossprojekten im Raum Zürich.

Die BLS kämpfte für den Ausbau des Lötschberg-Basistunnels, zusammen mit dem Regierungsrat und einem Komitee aus der Region. Mit Erfolg: Diese Woche hat der Nationalrat die Finanzierung des 930-Millionen-Projekts definitiv gebilligt. Ohne die BLS hätte den Befürwortern die fachliche Unterstützung einer Bahngesellschaft gefehlt. Bei den SBB ist der Kanton lediglich Besteller und Bittsteller, kein Eigentümer mit Vertreter im Verwaltungsrat und Aktienmehrheit. Mit seinem Mehrheitsanteil bei der BLS kann er das ÖV-Angebot in seinem Gebiet hingegen direkt beeinflussen.

Bleibt die Frage, ob sich durch eine Übernahme der BLS durch die SBB wenigstens Geld sparen liesse. Die Doppelspurigkeiten beim Personal scheinen begrenzt, sowohl im Unterhalt als auch im Führerstand, in der Zugbegleitung oder an den Bahnhöfen. Und die Verwaltung der BLS zählt gerade mal 270 Angestellte, deren Arbeit nicht einfach von der SBB-Zentrale ohne zusätzliches Personal erledigt werden könnte.

Dagegen könnte der Kanton Bern durch Zentralisierungen bei den SBB viele Arbeitsplätze verlieren. So würde der grosse Unterhalt von Loks und Wagen der Berner Züge womöglich dereinst nicht mehr in Bönigen erfolgen, sondern in den SBB-Werkstätten in Yverdon oder Olten. Auch die Betriebsleitzentrale von Spiez käme womöglich nach Olten.

Regierungsrat Christoph Neuhaus hat zwar einen Verkauf der BLS ausgeschlossen. Der Kanton müsse aber regelmässig seine Beteiligungen überprüfen, sagt er, womit der SVP-Politiker die Liberalisierungsdebatte am Köcheln hält. Im Fall der BLS ist zu bedenken: Ein Verkauf an die SBB wäre ein grosser Schritt in Richtung Bahnmonopol. Das wäre auch für die SBB nicht positiv. Sie würden träger und würden an Innovationsstreben verlieren.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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