Der Schneemangel zwingt kleine Skigebiete zu Kreativität

Region Bern

Ein erneut schlechter Winter macht Skiliftbetreibern zu schaffen. Vor allem in tieferen Regionen nimmt der finanzielle Druck zu. Ans Aufgeben denken die Betreiber aber kaum.

Im Skigebiet Gantrisch-Gurnigel standen die Lifte im vergangenen Winter oft still.

Im Skigebiet Gantrisch-Gurnigel standen die Lifte im vergangenen Winter oft still.

(Bild: Urs Baumann)

Die Wintersaison geht dem Ende entgegen, und wieder sieht die Bilanz düster aus. Schweizweit haben Gästezahlen und Umsatz der Seilbahnen im Vergleich zum Vorjahr abgenommen, wie es in einer Medienmitteilung von Seilbahnen Schweiz heisst (siehe Kasten). Ein Grund dafür seien einmal mehr die aussergewöhnlich schneearmen Weihnachts­tage, womit sich der Saisonstart zum dritten Mal in Folge verzögerte. Somit stellt sich die Frage, wie gerade kleinere Skigebiete, die nicht auf eine technische Beschneiung zurückgreifen können, noch überleben können.

Kreativität gefragt

«Aus finanzieller Sicht machen solche tief gelegenen Lifte kaum mehr Sinn», sagt Therese Lehmann von der Forschungsstelle Tourismus an der Universität Bern. In einem ohnehin schrumpfenden Skimarkt stünden Aufwand und Ertrag für die notwendige künstliche Beschneiung in einem schlechten Verhältnis zueinander.

Tiefere Skigebiete könnten ihre Attraktivität aber mit einer grösseren Angebotsvielfalt steigern, zum Beispiel mit Events und Ausstellungen. Oder aber mit Alternativen zum Skifahren wie etwa Wandern und Wellness. «Sie sollten unabhängiger vom Schnee werden und alternative Standbeine finden», erklärt Lehmann. Touristen seien heutzu­tage multioptional und nutzten im Winter nebst Skifahren auch Angebote ausserhalb des Skisports. So müsste es im Winter nicht alljährlich eine Skiwoche sein. Stattdessen seien auch Eventbesuche, Bade- oder Städteferien attraktive Angebots­optionen, sagt Lehmann.

Kein kommerzielles Denken

Bereits gehandelt haben die Verantwortlichen des Skilifts Gantrisch-Gurnigel. Sie gingen eine Partnerschaft mit den Jungfraubahnen ein: Nutzer eines Gantrisch-Schneepasses erhalten dort eine Tageskarte zum halben Preis. Den Gästen kann somit im Fall von Schneemangel eine Ausweichmöglichkeit geboten werden. «Dieses Göttisystem bringt uns allen etwas», sagt der Präsident der Skilifte Gantrisch-Gurnigel AG, Hans-Peter Schmid. So erhalte er von den Jungfraubahnen personelle Unterstützung wie etwa Mechaniker. Im Gegenzug bekommen diese zusätzliche Gäste.

Die Saisonbilanz des Gantrisch-Lifts fällt auch eher mager aus. Es kamen gerade einmal dreissig Betriebstage zusammen, rund 50 Prozent weniger als im Vorjahr. Finanziell sei man derzeit zwar nicht gefährdet, für irgendwelche Investitionen reiche es aber nicht: «Da steckt kein kommerzielles Denken dahinter», sagt Schmid über den Lift­betrieb. Es sei aber für die Region unheimlich wichtig, dass solche Lifte weiterhin bestehen blieben. Seine Arbeit verrichtet Schmid deshalb auch freiwillig.

Alles braucht einen Anfang

«Alles, was in Bern und Umgebung Ski fährt, hat das hier bei uns gelernt», sagt Roger Aebischer, Präsident der Skilift Riffenmatt GmbH. Deshalb, glaubt er auch, dass tief gelegene Skilifte nicht gefährdet sind. Gerade die Übersichtlichkeit kleinerer An­lagen sei bei Familien mit Kindern beliebt. Deshalb brauche es kleinere Lifte.

Acht Betriebstage

Auch Thomas Nussbaum vom Skilift Heimenschwand sieht hier den Wert kleinerer Lifte. Hinzu komme, dass diese meist schnell erreichbar und günstiger als die grossen Skigebiete seien. «Weil es uns gibt, entscheiden sich die Leute noch eher, Ski zu fahren», sagt Nussbaum. Deshalb wolle er auch alles daransetzen, den Lift so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Die gerade einmal acht Betriebstage in Heimenschwand diese Saison seien zwar schwer verkraftbar, aber finanziell sei man gerade noch über die Runden gekommen.

Berner Zeitung

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