Die Kürzung der Sozialhilfe ist vertretbar

BZ-Chefredaktor Peter Jost über die vom Grossen Rat abgesegnete Kürzung der Sozialhilfe.

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Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder ver­fährt.» Misst man die Schweiz an diesen Worten, welche dem früheren deutschen Bundes­präsidenten Gustav Heinemann zugeschrieben werden, erreicht sie Bestnoten. ALV, IV, AHV und Ergänzungsleistungen gehören seit Jahrzehnten zum sozialen Fundament unseres Staates. Und die Sozialhilfe hilft dort, wo es in der Not nicht mehr anders geht.

Das Schweizer Sozialsystem, und damit auch jenes im Kanton Bern, besteht den Praxistest. Der Entscheid des bernischen Grossen Rates, der den Grundbedarf der Sozialhilfebezüger generell um acht Prozent kürzen will, wird daran nichts ändern. Bern ist zwar der erste Kanton, der die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe unterschreitet. Aber auch mit dieser Kürzung ist es Be­troffenen weiterhin möglich, ein menschenwürdiges Leben in bescheidenem Rahmen zu führen. So, wie es Verfassung und Gesetze vorsehen.

Es geht nicht darum, Sozial­hilfeabhängigen das Leben zu erschweren. Das Ziel muss sein, möglichst viele Sozialhilfebezüger in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Insbesondere bei jungen Erwachsenen muss dies künftig besser gelingen. Das neue Sozialhilfegesetz wird die Probleme nicht lösen, den Integrationsprozess aber hoffentlich beschleunigen.

Mail: peter.jost@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.12.2017, 19:12 Uhr

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