Die vielen Gewitter im Mai haben zwei Ursachen

Region Bern

Im Kanton Bern hat es im Mai mehr Gewitter gegeben als in anderen Jahren zu dieser Zeit. Das führte zu Schäden in Höhe von fünf Millionen Franken.

Die Gewitter im Mai verursachten Schäden in Millionenhöhe.

Die Gewitter im Mai verursachten Schäden in Millionenhöhe.

(Bild: Marcel Bieri)

Stephanie Jungo

Ein Gewitter jagte das nächste im Mai. Im Vergleich zu anderen Jahren blitzte und donnerte es im letzten Monat deutlich mehr: Seit dem Jahr 2000 hat es im Kanton Bern in einem Mai kaum je so viele Gewitter gegeben, wie Zahlen von Meteo Schweiz zeigen. Besonders betroffen war das Aaretal. Aber auch die Gemeinden rund um die Stadt Bern. Dort verzeichnete die Messstation acht Gewitter. Bisheriger Spitzenreiter war der Mai 2016 mit fünf ­Gewittern.

Gewittert hat es ebenso in anderen Gebiete der Schweiz. Insbesondere auf der Alpensüdseite, in den westlichen Voralpen und im Zürcher Unterland. Insgesamt 6600 Blitzeinschläge regis­trierte Meteo Schweiz – der dritthöchste Wert für einen Mai seit 2000. Und auch bei den Niederschlägen zeichnet sich laut Meteo Schweiz ein Trend ab hin zu häufigerem und intensiverem Regen.

Zwei Gründe

Für die häufigen Gewitter gebe es zwei Ursachen, sagt Stephan Bader von Meteo Schweiz. Einerseits tritt vermehrt feuchtwarme Luft auf. «Kaum kommt die Sonne dazu, beginnt es zu brodeln», erklärt Bader. Anderseits herrsche eine sogenannte Flachdrucklage, die Gewitter begünstigt. «Hätten wir eine Hochdrucklage, würde die Luft von oben herab abgetrocknet und würden Gewitter somit verhindert.»

Die Folgen der zahlreichen Gewitter: überflutete Strassen, vollgelaufene Keller, umgefallene Bäume. Allein bei der Feuerwehr Münsingen gingen im letzten Maiwochenende über 140 Meldungen ein. Feuerwehrleute retteten gar ein Baby aus einem Auto, das in den Wassermassen unterzugehen drohte. Die Mutter wurde vom schnell steigenden Wasser in einer Unterführung überrascht.

Erst am Montag kam es wieder zu einer kritischen Situation während eines Gewitters – eine Familie wurde von den Wassermassen eingekesselt.

400 Meldungen

Die Gewitter verursachen auch hohe Schäden an Häusern: Bei der kantonalen Gebäudeversicherung gingen von Mai bis Anfang Juni 400 Schadenmeldungen ein. Die Schadensumme beläuft sich auf rund fünf Millionen Franken.

Aussergewöhnlich sei das aber nicht. Die Unwetter von vergangenem Juli haben Schäden in Höhe von zehn Millionen Franken verursacht. Dies bei 3000 Schadenmeldungen.

Durchschnittliches Jahr?

Mit heftigen Gewittern müsse in der Schweiz jedes Jahr gerechnet werden, sagt Rolf Meier vom Verband der kantonalen Gebäudeversicherungen. Jährlich verursachen sie Schäden in Millionenhöhe. Dabei summieren sich auch kleinere Posten wie beschädigte Storen beispielsweise.

Trotz des Sturms Burglind und der frühen Gewitter im Mai könnte es laut Meier ein ­durchschnittliches Schadenjahr werden – wenn nicht noch etwas passiert.

Berner Zeitung

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