Ex-Skywork-Chef kritisiert den Kanton

Belp

Martin Inäbnit fordert angesichts der geplanten Steuergelder für den Flughafen Bern Unterstützung für Airlines. Er berät neu eine Fluggesellschaft beim Aufbau in Europa und sieht hier Potenzial für Bern.

Martin Inäbnit ist Berater einer Airline geworden.

Martin Inäbnit ist Berater einer Airline geworden.

(Bild: Raphael Moser)

Julian Witschi

Nach dem Konkurs der Berner Fluggesellschaft Skywork bringe es nichts, einfach die Flughafen Bern AG mit Steuergeldern zu retten, denn damit entstehe kein neues Linienangebot im Belpmoos: So lässt sich die Kernaussage in dem offenen Brief zusammenfassen, den der ehemalige Skywork-Chef Martin Inäbnit an Regierungsrat Christoph Ammann geschrieben hat.

Inäbnit zeigt sich erstaunt darüber, dass die Kantonsregierung den Flughafen dauerhaft finanziell unterstützen und via Kapitalerhöhung auch knapp 6 Millionen Franken einschiessen will. Die Vernehmlassung für eine Gesetzesgrundlage dazu läuft (wir berichteten). Bei der dauerhaften Unterstützung geht es vorab um Beiträge des Kantons an die Flugsicherung. Der Bund will hier sparen.

Der ehemalige Airline-Chef und Linienpilot reiht sich aber nicht unter die Gegner des Flugverkehrs ab Bern ein. Sondern er nimmt die Kritik auf, die der frühere Skywork-Kommunikator und Luftfahrtexperte Max Ungricht in dieser Zeitung geäussert hat. Inäbnit bemängelt, dass der Regierungsrat in Infrastruktur investieren wolle, «für die kaum jemand Interesse zeigt». In der Tat hat der Flughafen trotz intensiver Suche bislang keine neue Linienfluggesellschaft ins Belpmoos locken können.

Lob für Tessiner

Kein Flughafen auf der ganzen Welt generiere einen einzigen Passagier, bekräftigt Inäbnit. «Dies tun ausschliesslich Fluggesellschaften und andere Standortfirmen mit ihrem Angebot.» Weitsichtig verhalten hätten sich dabei die Tessiner unter der Führung des heutigen VR-Präsidenten des FlughafensLugano-Agno, Marco Borradori. «Dieses Gremium hat erkannt, dass nur mit der Unterstützung und/oder Risikoabsicherung für eine Airline Verkehr und damit Mehrwert erzeugt werde.» So fliegt weiterhin Adria Airways im Auftrag der Swiss von Lugano nach Zürich.

Inäbnit deutet an, dass er eine am Belpmoos interessierte Airline an der Angel hat. Welche es ist, sagt er auch auf Nachfrage nicht. Aber er berate eine weltweit tätige Fluggesellschaft, die in Europa expandieren wolle und den Aufbau von Zulieferflügen von kleineren Flugplätzen auf grosse Airports prüfe. Dabei sehe er Potenzial für Bern. Aber das Thema sei in der Bundesstadt doch sehr einseitig auf den Flugplatz fokussiert.

Diese Zeitung hat Regierungsrat Christoph Ammann um eine Stellungnahme angefragt. Der Volkswirtschaftsdirektor lehnt es aber ab, sich zu einem offenen Brief zu äussern. Die Führung des Flughafens Bern hat unlängst betont, dass sich auch an den meisten Schweizer Flughäfen die öffentliche Hand beteiligt habe. Ein öffentlicher Flughafen sei öffentliche Infrastruktur und benötige auch öffentliches Geld.

Berner Zeitung

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