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Frauen von links bis rechts kämpfen für Spitalinitiative

Frauen aus verschiedenen politischen Lagern haben das «Netzwerk Frauen für eine bessere Spitalpolitik» gegründet. Dieses setzt sich für ein Ja zur Berner Spitalstandort-Initiative ein.

Hebammen demonstrierten im April 2014 gegen die Schliessung der Geburtenabteilung am Spital Riggisberg.
Hebammen demonstrierten im April 2014 gegen die Schliessung der Geburtenabteilung am Spital Riggisberg.
Iris Andermatt

«Das Spitalwesen gehört nicht nur weltfremden Managern und anonymen Verwaltungsräten, sondern auch uns Frauen»: Diese Überzeugung verbindet Hebammen und Gemeindepolitikerinnen, Feministinnen, Gewerkschafterinnen, SVP-Frauen und eine grüne Grossrätin.

Gemeinsam haben sie das «Netzwerk Frauen für eine bessere Spitalpolitik» gegründet, das sich für ein Ja zur Berner Spitalstandort-Initiative einsetzt. Sechs Exponentinnen traten am Montag vor die Medien.

Die Stimmberechtigten entscheiden am 27. November über die Initiative, die den Erhalt der bestehenden Spitäler gesetzlich festschreiben will. So würden wichtige Arbeitsplätze gesichert und die medizinische Grundversorgung auch für Frauen in den Randregionen gewährleistet, sagte Anna Vasiljevic von der Gewerkschaft Unia.

13 Landspitäler und das Zieglerspital seien in den letzten Jahren geschlossen worden, und auch andere gesundheitliche Dienstleistungen wie die Spitex drohten aus der Fläche zu verschwinden. Die Aufgaben aber lösten sich nicht in der Luft auf.

«Wenn sich die öffentliche Hand zurückzieht, springen Frauen ein», sagte Simona Isler vom feministischen Netzwerk Wide Switzerland. Die Kosten würden also nicht vermieden, sondern einfach privatisiert. Die Zeche zahlten die Frauen, die in der Folge noch weniger verdienten und noch öfter unbezahlt arbeiteten.

Für den Erhalt dezentraler Strukturen warb auch Susanne Rüegsegger-Bigler. Als Gemeinderätin in Riggisberg musste sie mit ansehen, wie die Geburtenabteilung im örtlichen Spital trotz lauter Proteste geschlossen wurde.

Rüegsegger-Bigler sieht die Bevölkerung auf dem Land als Opfer der Spitzenmedizin in den Zentren. Diese verursache hohe Infrastrukturkosten. Um sie amortisieren zu können, brauche man mehr Patienten in der Grundversorgung. Diese hole man in die Zentren, indem man die Dienstleistungen auf dem Land herunterfahre und sogar ganze Spitäler schliesse.

Geburtshilfe als Grundversorgung

Die Sektion Bern des Schweizerischen Hebammenverbandes empfiehlt die Initiative ebenfalls zur Annahme, zumal das Begehren auch auf die Wiedereröffnung der Geburtenabteilungen in Rigisberg und Zweisimmen zielt. Ein Ja mache klar, dass Geburtshilfe zur Grundversorgung gehöre, sagte die Berner Hebamme Sabine Graf .

Das Ziel müsse sein, dass jede Frau im Kanton Bern innert 30 Minuten Zugang zu einer geburtshilflichen Grundversorgung habe. Werde die Initiative angenommen, könnte neue Modelle bei der Geburtshilfe geschaffen werden. Eine hochspezialisierte Versorgung brauche es nicht überall.

Die Vorzüge der Landspitäler

Die bernische SVP hat zwar die Nein-Parole beschlossen, aus ihren Reihen stammen aber etliche abweichende Stimmen. Petra Wyss etwa, die Präsidentin der SVP Frauen Kanton Bern, wies darauf hin, dass kleinere Landspitäler die besseren Ausbildungsstätten für Ärzte und Pflegepersonal seien.

«Die Betriebsabläufe und Kommunikationswege sind kurz, übersichtlich und pragmatisch», sagte Wyss. Junge Ärztinnen und Ärzte hätten viel häufiger die Gelegenheit, bei Operationen zu assistieren. Das wiederum ermögliche ihnen, ihre Ausbildung früher abzuschliessen.

Am anderen Ende des politischen Spektrums findet sich mit Grossrätin Simone Machado Rebmann (GPB-DA) ebenfalls eine Befürworterin der Initiative. Auch sie warnte vor einem weiteren Verlust von Arbeitsplätzen auf dem Land und prangerte das Wettrüsten im Gesundheitswesen an, das eine Folge der Privatisierung sei.

SDA/tag

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