Greift Rot-Grün mit Aebischer an?

Mirjam Veglio, Co-Präsidentin der Berner SP, denkt laut über eine SP-Kampfkandidatur für den Regierungsrat nach. Zum Beispiel mit Matthias Aebischer.

Matthias Aebischer (links) kommt als SP-Kandidat für den Regierungsrat in Frage. SVP-Präsident Werner Salzmann will den BDP-Sitz angreifen. Mit wem, ist aber noch unklar.

Matthias Aebischer (links) kommt als SP-Kandidat für den Regierungsrat in Frage. SVP-Präsident Werner Salzmann will den BDP-Sitz angreifen. Mit wem, ist aber noch unklar.

(Bild: Susanne Keller / Franziska Rothenbühler)

Stefan von Bergen@StefanvonBergen

Der Entscheid von BDP-Regierungsrätin Béatrice Simon, für den Ständerat zu kandidieren, löst in der Berner Parteienlandschaft eine Welle der Aufregung aus. In den Parteipräsidien kommt schon das Karussell der Spekulation in Gang, was ein Austritt Simons für die Zusammensetzung der Kantonsregierung bedeuten könnte.

Rot-Grün mit Aebischer?

Werner Salzmann, Parteipräsident der kantonalen SVP, äussert im Hinblick auf eine allfällige Ersatzwahl für den Regierungsrat schon mal eine Befürchtung. «Die noch junge bürgerliche Mehrheit in der Kantonsregierung könnte gefährdet sein», sagt er und spielt darauf an, dass das rot-grüne Lager eine Kampfkandidatur lancieren könnte. Salzmanns Befürchtung ist nicht aus der Luft gegriffen.

«Eine Ersatzwahl wäre eine interessante Ausgangslage, wir würden sicher prüfen, ob die Chance besteht, die Mehrheitsverhältnisse im Regierungsrat wieder zu drehen», bestätigt Grossrätin Mirjam Veglio, Co-Präsidentin der kantonalbernischen SP. Die 2016 verlorene rot-grüne Mehrheit wieder zu erobern, sei ein dauerhafter Anspruch, sagt Veglio.

Wer könnte auf einem Wahlticket des rot-grünen Lagers für eine Ersatzwahl für den Regierungsrat stehen? Eine Person scheint gesetzt: der Stadtberner SP-Nationalrat Matthias Aebischer. Mirjam Veglio bestätigt, dass Aebischers Name «auf einer Kandidatenliste stehen könnte». Er wurde schon bei der Regierungswahl 2018 ins Spiel gebracht, trat dann aber nicht an und liess dem Bisherigen Christoph Ammann und Evi Allemann den Vortritt.

Im Falle einer Ersatzwahl könnten Aebischers Chancen nun aber gut stehen. Bei den Nationalratswahlen 2015 war der populäre frühere Fernsehmann im Kanton Bern noch vor den Frauen die bestgewählte Person der SP. Was zudem für ihn spricht: Da derzeit das rot-grüne Lager in der Kantonsregierung mit Evi Allemann und Christine Häsler schon zwei Frauen, aber mit Christoph Ammann nur einen Mann stellt, wäre auch in der linken Gender-Geometrie eine Männerkandidatur möglich. Aebischer selber will sich auf Anfrage dieser Zeitung zu solchen Planspielen nicht äussern. 

Zwar geht BDP-Kantonalpräsident Jan Gnägi davon aus, dass die bürgerlichen Partnerparteien SVP und FDP den Regierungssitz der BDP nicht angreifen werden. Denkbar ist aber, dass die SVP aus Furcht vor einem bürgerlichen Sitzverlust versuchen könnte, dennoch anzutreten und sich so womöglich einen dritten Regierungssitz zu holen.

«Eins nach dem andern, das besprechen wir dann, wenn es so weit ist», sagt SVP-Präsident Werner Salzmann zu dieser Annahme. Und auch FDP-Kantonalpräsident Pierre-Yves Grivel will sich noch nicht äussern. «Für mich ist der Sitzverteilschlüssel 2 SVP, 1 FDP, 1 BDP der richtige für die Kantonsregierung», sagt er.

Die SVP hält sich bedeckt

Sicher ist, dass die SVP als grösste Partei des Kantons der BDP den bisher von Werner Luginbühl gehaltenen Ständeratssitz abjagen möchte. An ihrer Delegiertenversammlung vom kommenden Montagabend in Belp wird die SVP eine Kandidatin oder einen Kandidaten nominieren. Zur Person will sich Kantonalpräsident Werner Salzmann noch nicht äussern.

Er sagt auch nichts dazu, ob ihn selber das Amt locken würde. «Der Parteivorstand wird am späteren Montagnachmittag eine Auslegeordnung machen und zuhanden der Delegiertenversammlung entscheiden, welche Kandidatur am aussichtsreichsten ist», sagt Salzmann. Er bestätigt aber, dass es ein Wahlziel seiner Partei sei, den bürgerlichen Berner Ständeratssitz zurückzuholen.

Vorgespurt ist, dass die Person aus dem Kreis der Berner SVP-Nationalrätinnen und -räte rekrutiert wird. Da Adrian Am­stutz seinen Rückzug angekündigt hat, kommen noch folgende acht Personen für eine SVP-Ständeratskandidatur infrage: die ausgebildete Polizistin Andrea Geissbühler aus Bäriswil und die Burgdorfer Kita-Leiterin Nadja Pieren sowie Agronom Werner Salzmann aus Mülchi, Landwirt Andreas Aebi aus Alchenstorf, der Gstaader Bergbauer Erich von Siebenthal, der nationale SVP-Präsident Albert Rösti aus Uetendorf, Jurist Manfred Bühler aus dem Berner Jura und der Stadtberner Mehrfachparlamentarier Erich Hess.

Von ihrer nationalen Bekanntheit her haben wohl Salzmann und Rösti die besten Chancen. Auch Rösti will sich nicht äussern. Allerdings hat er 2015 schon einmal erfolglos für den Ständerat kandidiert. Überdies dürfte er als nationaler Parteipräsident durch den Bundeswahlkampf absorbiert sein.

Berner Zeitung

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