Swissgrid setzt Grimselbahn unter Strom

Ab dem Jahr 2025 soll eine Schmalspurbahn vom Berner Oberland ins Wallis fahren – durch einen Grimseltunnel, der auch von einer Starkstromleitung genutzt wird.

850 Kilometer Schmalspurbahn: Die bestehenden Netze im Genferseegebiet und dem Berneroberland sollen mit dem Grimseltunnel mit den Strecken im Wallis und Graubünden verbunden werden (Karte: Marc Fehr).

Julian Witschi

Von einer Grimselbahn träumen Bahnpioniere schon sehr lange. Jetzt bietet sich «eine einmalige Chance» für die Verwirklichung, wie die Berner Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer und der Walliser Staatsrat Jean-Michel Cina am Donnerstag in Bern dargelegt haben: Die Netzgesellschaft Swissgrid muss ihre Stromleitungen über die Grimsel erneuern und ausbauen. «Es wäre sinnvoll, sie endlich in den Boden zu verlegen. Der Grimseltunnel wäre dazu ideal», sagte Egger.

Video: Christian Häderli

Swissgrid zieht bei dem Projekt mit. Sie könnte so in der Grimselregion 121 Strommasten und rund 22 Kilometer Stromleitung abbauen, sagte Yves Zumwald, CEO ad interim der Netzgesellschaft. Ebenso liessen sich teure Schutzmassnahmen in diesem durch Lawinen- und Felsstürze gefährdeten Gebiet einsparen.

Kosten von fast 600 Millionen

Geplant ist ein 22,3 Kilometer langer Tunnel zwischen Innertkirchen und Oberwald. Die Investitionskosten für den Bau des Tunnels inklusive Kabelkanal sind auf 580 Millionen Franken veranschlagt. Dies gab der Präsident der Grimselbahn AG, Peter Teuscher, bekannt. Er stützt sich auf eine Machbarkeitsstudie, die positiv ausgefallen sei. Die geologischen Verhältnisse seien günstig und die Risiken klar überblickbar, sagte Teuscher.

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Es gebe auch keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt, im Gegenteil: Es würde eine Stromleitung aus einem Schutzgebiet verschwinden. Die Baukosten sollen anteilsmässig zwischen Grimselbahn AG und Swissgrid aufgeteilt werden. Auf genaue Zahlen dazu wollte sich Teuscher nicht behaften lassen. Ein Anhaltspunkt für die Aufteilung sei, dass der Bahntunnel alleine etwa 430 Millionen Franken kosten würde und ein Stromkabelstollen 490 Millionen. Der mögliche Synergie­gewinn sei also gross.

Auch für Swissgrid würde der gemeinsame Tunnel billiger, als alleine einen zu bauen. Die Grimselbahn AG prüfte auch eine offenere Linienführung entlang der Bergflanken. Es wären so aber ebenfalls viele Tunnels und Galerien zum Schutz vor Lawinen und Steinschlag nötig, sagte Teuscher. Diese Variante wäre 25 Prozent teurer geworden als der nun bevorzugte lange Tunnel.

Geplant sind zwei unterirdische Haltestellen: eine in Guttannen mit der Möglichkeit für Zugkreuzungen und eine bei der Handegg, die insbesondere Mitarbeitende der Kraftwerkbetreiberin KWO, Berg­gänger und Touristen nutzen könnten. Ein Autoverlad ist nicht vorgesehen, da das Potenzial neben Furka und Lötschberg als zu gering angesehen wird. Auch Güterzüge sind kein Thema.

Werben um Fabi-Gelder

Der Bahnteil der Strecke soll mit Geldern aus dem Bahninfrastrukturfonds (Fabi) finanziert werden. Dieser von der Schweizer Stimmbevölkerung 2014 beschlossene Fonds wird mit Einlagen aus LSVA, Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, Bundesmitteln und Kantonsbeiträgen gespeist. Die Kantone Bern und Wallis ­haben das Projekt Grimselbahn beim Bundesamt für Verkehr eingereicht. Es käme auf eine lange Liste an geplanten Unterhalts- und Ausbauprojekten für ­Bahnen.

Egger betonte, dass es keine Quersubventionierungen zwischen Bahn und Stromleitung geben werde. Der Antrag auf ­Fabi-Gelder sei nicht chancenlos: «Fabi ist gemacht, um die Schieneninfrastruktur zu finanzieren. Wir haben ein Projekt, das nicht nur zwei Regionen dient, sondern es sind viele andere Bergkantone dabei, die davon profitieren werden», sagte Egger.

Grimselbahn-Präsident Teuscher rechnet mit 400'000 Passagieren pro Jahr und einem Arbeitsplatzeffekt von 35 Vollzeitstellen. Gesamthaft könne so eine regionale Wertschöpfung von etwa 5 Millionen Franken generiert werden. «Wir sind überzeugt, dass wir so gute Argumente haben und zudem die Bergkantone, die Stromlobby und Umweltverbände im Rücken, sodass die Parlamentarier fast nicht anders können als Ja sagen zum Projekt», sagte Teuscher.

In einem weiteren Schritt soll das Plangenehmigungsverfahren bis 2019 abgeschlossen werden, sodass dann mit dem Bau begonnen werden kann. Die Projektierungskosten werden auf 6 Millionen Franken geschätzt. Diese Summe sollen beteiligte Kantone der Gotthard-Region, der Innerschweiz und der Kanton Bern sowie Swissgrid tragen.

Grosses Meterspurnetz

Ziel ist es, die Grimselbahn 2025 in Betrieb zu nehmen. Es sei eine Chance für den öffentlichen Verkehr und für den Tourismus, betonten Egger und Cina. Mit der Grimselbahn würde ein Meterspurnetz von rund 850 Kilometern verbunden. Allerdings haben diese Meterspurbahnen aber teils noch verschiedene Zahnrad-, Strom- und Bremssysteme.

Video: Christian Häderli

Und die eingerechnete Goldenpass-Linie ist zwischen Interlaken und Zweisimmen nur mit den bestellten Umspurwagen erschliessbar. Neu könnten aber künftig Züge von Interlaken nach Zermatt oder St.?Moritz fahren. Die Gesellschaften Zentralbahn und Matterhorn-Gotthard-Bahn sind im Beirat der Grimselbahn tätig und dem gegenüber Projekt positiv eingestellt.

So hat das Oberland auf die Neuigkeiten reagiert.

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