Kanton Bern kompensiert zu wenig CO2

Neuste Zahlen zeigen, dass bei Kanton und den Berner Hochschulen punkto CO2-Kompensationen für Flugreisen Nachholbedarf besteht.

Rechnet man die Ausgaben von Grossem Rat und Verwaltung zusammen, so wurden 52800 Franken für Flugreisen und gerade mal 1190 Franken für Klimatickets ausgegeben.

Rechnet man die Ausgaben von Grossem Rat und Verwaltung zusammen, so wurden 52800 Franken für Flugreisen und gerade mal 1190 Franken für Klimatickets ausgegeben.

(Bild: Keystone)

Marius Aschwanden

Seit Monaten vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendwo in der Schweiz junge Leute auf die Strasse gehen, um sich für einen stärkeren Klimaschutz zu engagieren. Die grüne Berner Grossrätin Natalie Imboden nahm diese Protestbewegung zum Anlass, beim Kanton nachzufragen, wie er und die Berner Hochschulen es mit Flugreisen und CO2-Kompensationen halten. Denn gemäss der Berner Personalverordnung sind Flugreisen zwar zugelassen, wenn sie unvermeidlich sind. Die CO2-Emmissionen sollten aber «grundsätzlich mittels eines Klimatickets» kompensiert werden, heisst es dort.

Die am Donnerstag veröffentlichte Antwort zeigt nun, dass die Grossräte, die Verwaltungsangestellten und die Angestellten der Universität, der Fachhochschulen und der pädagogischen Hochschule (PH) im vergangenen Jahr für insgesamt 3 Millionen Franken geflogen sind. Wie viel Geld jedoch für Klimatickets ausgegeben wurde, kann der Regierungsrat nicht genau beziffern, da diese Ausgaben insbesondere bei der Universität nicht bekannt sind.

Klar ist jedoch: Rechnet man die Ausgaben von Grossem Rat und Verwaltung zusammen, so wurden 52800 Franken für Flugreisen und gerade mal 1190 Franken für Klimatickets ausgegeben. Das entspricht einem Anteil von 2,3 Prozent. Gemäss der Antwort der Regierung erfolgt die Kompensation jeweils via Klimatickets der Stiftung Myclimate. Diese würden rund «5 bis 14 Prozent der Flugkosten» ausmachen. Somit ist klar, dass längst nicht immer eine Kompensation erfolgt ist. Das zeigt auch das Beispiel der Volkswirtschaftsdirektion (VOL) von SP-Regierungsrat Christoph Ammann. Auf sie fällt mit 29700 Franken der grösste Teil der Flugkosten innerhalb der Verwaltung. Klimatickets haben Ammann oder seine Angestellten aber kein einziges gekauft.

Uni erarbeitet Strategie

Die Uni Bern gab ihrerseits rund 2,5 Millionen Franken für Flugreisen aus, die Fachhochschulen 456000 Franken. Letztere kompensierten rund 400 Tonnen CO2. Welchem Betrag das entspricht, könne jedoch nicht gesagt werden, steht in der Antwort weiter. Und die PH gab schliesslich 2780 Franken für Flüge aus.

Wie die VOL kaufte auch sie keine Klimatickets. Gemäss der Antwort würden aber die Hochschulen bereits heute eine Kompensation grundsätzlich vorsehen. Im Falle von Flügen, die über Drittmittel finanziert werden, müsse jedoch der Geldgeber einverstanden sein. Die Universität erarbeite zudem derzeit eine Strategie für Dienstreisen.

Imboden will Klarheit

Für Natalie Imboden ist aufgrund der erhaltenen Zahlen klar, dass Handlungsbedarf besteht. So sei etwa unklar, was «unvermeidlich» als Begründung für Flugreisen bedeute. Und auch die Umsetzung der vorgesehenen Kompensation der CO2-Emissionen scheine nicht einheitlich geregelt zu sein – gerade bei der Universität und den Hochschulen.

«Dienstreisen innerhalb Europas sollten per Zug möglich sein. Unvermeidliche Flugreisen sollten auf jeden Fall kompensiert werden», so Imboden. Sie schliesst denn auch nicht aus, politisch aktiv zu werden. «Allenfalls braucht es klarere politische Richtlinien dafür, Flugreisen und den CO2-Austoss auch in der Kantonsverwaltung und den kantonsnahen Betrieben zu minimieren.»

Berner Zeitung

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