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Kanton Bern verliert Steuergelder an Nachbarkantone

Der Kanton Bern liegt im Steuerwettbewerb gegenüber anderen Kantonen zurück und verliert Steuergelder an die Nachbarkantone. Dies sagt der neue «Steuermonitor» von KPMG und HIV.

Der Kanton soll Ausgaben und Steuern senken, so das Beratungsunternehmen KPMG.
Der Kanton soll Ausgaben und Steuern senken, so das Beratungsunternehmen KPMG.

Ein vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG und vom Handels- und Industrieverein (HIV) präsentierter «Steuermonitor» für den Kanton Bern kommt zum Schluss, dass der Kanton Bern im Steuerwettbewerb mit anderen Kantonen zurück liegt.

Der Steuermonitor untermauert, was man aus Wirtschaftskreisen schon lange hört: die Steuerbelastung im Kanton Bern ist für natürliche und juristische Personen vergleichsweise hoch. Dem Kanton mangelt es an steuerlicher Attraktivität vor allem für Gutverdienende und kapitalkräftige Unternehmen.

Bern könne nur bei der Kapital- und der Vermögensbesteuerung mithalten, erklärte Hans Jörg Steiner, Standortleiter von KPMG Bern. Unternehmen mit grossem Steuersubstrat sind laut Steiner im Kanton Bern untervertreten. Dazu komme, dass Bern einen überdurchschnittlich hohen Anteil seiner Steuereinnahmen von natürlichen Personen generiere.

Sollten aufgrund der aktuellen Entwicklungen im EU-Steuerstreit andere Kantone ihre Unternehmenssteuersätze substanziell senken, müsse der Kanton Bern mit einer weiteren Einbusse seiner Standortattraktivität rechnen.

Bern als Wohnkanton besser positionieren

Als erstaunlich taxierten die Verfasser des Steuermonitors die Erkenntnis, dass Bern offenbar Steuergelder an Nachbarkantone verliert. Eine Analyse der Pendlerdaten zeige, dass Bern als Wohnkanton offenbar keine besondere Attraktivität geniesse.

Über 55'000 Pendler arbeiteten zwar in Bern, versteuerten ihr Einkommen aber ausserhalb. Demgegenüber pendelten nur rund 39'000 Berner in die Nachbarkantone. Netto verliere der Kanton Bern also das Steuersubstrat von etwa 16'000 Steuerpflichtigen.

Bern müsse Anstrengungen unternehmen, das Steuersubstrat der Zupendler zu gewinnen, forderte HIV-Direktor Adrian Haas. Dazu müsse Bern als Wohnkanton besser vermarktet werden. Die Gemeinden müssten zudem motiviert werden, via Ortsplanungen qualitativ hochstehenden Wohnraum bereitzustellen.

Hier habe Bern durchaus Chancen, konstatierte auch Jörg Walker, COO von KPMG Schweiz. Er führte ein Beispiel aus der Innerschweiz an: Weil der Kanton Zug sehr teuer geworden sei, habe der Nachbarkanton Luzern es mit einer geschickten Strategie geschafft, Leute aus Zug anzuziehen.

Kanton soll Ausgaben und Steuern senken

Andere Kantone wagten in dieser Hinsicht etwas und nähmen auch ein gewisses Risiko in Kauf, das spüre er im Kanton Bern weniger, konstatierte Walker. Bern nehme tendenziell eine eher konsumierende Haltung ein, statt neue Ansätze zu entwickeln und auch einmal etwas auszuprobieren.

Es räche sich nun, dass der Kanton die steigende Einnahmen der letzten Jahre neben dem begrüssenswerten Schuldenabbau vorab zur Ausgabensteigerung verwendet habe, sagte Haas. Strukturveränderungen seien weitgehend ausgeblieben.

Der HIV fordert deshalb dass der Kanton seine Ausgaben spürbar senkt, gepaart mit einer schrittweisen Senkung der Steuern. Zudem müsse Bern auch seine relativ günstige Vermögenssteuersituation besser vermarkten.

HIV-Präsident Bernhard Ludwig denkt dabei etwa an vermögende Rentner, die der Kanton anziehen könnte. Diese Personen lebten vorwiegend von der Substanz, also primär von Vermögens- und nicht von Einkommenserträgen

Der am Dienstag erstmals publizierte «Steuermonitor» ist nach Angaben der Verfasser ein systematischer Vergleich der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit des Kantons Bern mit anderen Kantonen. Er soll künftig jährlich erscheinen.

(SDA)

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