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Kommentar: Joder hat jeden Sinn für die Realität verloren

SVP-Nationalrat Rudolf Joder nennt Albert Rösti nach dessen Ständeratskandidatur «unglaubwürdig». BZ-Chefredaktor Peter Jost über Joders verbalen Angriff und warum dieser seine Kandidatur besser zurückziehen sollte.

Nach langem Hin und Her präsentiert die Berner SVP mit Nationalrat Albert Rösti den einzigen Kandidaten, der das Potenzial besitzt, im nächsten Herbst die beiden bisherigen Ständeräte Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP) ins Wanken zu bringen. Und ausgerechnet Rudolf Joder, einst Kantonalpräsident dieser Partei, spricht von einer «Scheinkandidatur», nennt Rösti sogar «unglaubwürdig».

Als Beobachter der skurrilen Szenerie reibt man sich ungläubig die Augen. Denn würde Joder die neue Ausgangslage nüchtern analysieren, gäbe es für ihn keine andere Handlungsvariante, als die eigene Kandidatur für den Ständerat sofort zurückzuziehen. Er täte das erstens im Dienste seiner Partei. Zweitens zu Gunsten einer möglichen bürgerlich-bernischen Doppelvertretung im Ständerat. Und drittens aus Rücksicht auf seinen eigenen Ruf.

Doch der 64-Jährige scheint im Herbst seiner Politkarriere jeden Sinn für die Realität verloren zu haben. In seinem verzweifelten Bemühen, sich trotz Amtszeitbeschränkung einen Platz im Bundeshaus zu bewahren, erinnert der Alt-Politiker an ein verwundetes, in die Enge getriebenes Tier. Verzweifelt sucht er den Ausweg aus der aussichtslosen Situation. Doch er verheddert sich, immer und immer wieder. Isoliert in der eigenen Fraktion fehlen Joder die Vertrauten, die sagen würden: «Ruedi, lass es sein.» Und darum wünschte man sich, dass er irgendwann doch noch selber zur Räson kommt. Auch wenn es dazu eigentlich schon zu spät ist.

Mail: peter.jost@bernerzeitung.ch

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